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Michel Mayer

Handwerk & Haltung 

23/07/2026  BY  Lisa Hollogschwandtner


Handwerk & Haltung 
Seit 30 Jahren steht Michel Mayer für eine konsequente Verbindung aus Design, Handwerk und nachhaltiger Produktion. Ein Gespräch über die Renaissance des Ateliergedankens, neue Formen der Kundenbeziehung und die Zukunft unabhängiger Designlabels. 
Ihr Label Michel Mayer feiert 30-jähriges Jubiläum. Wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken: Welche Entwicklungen haben die Marke und die Modebranche besonders geprägt? 

Es hat sich natürlich sehr viel verändert – allein die Art, wie wir kommunizieren und arbeiten. Früher hat man Bilder und Kataloge verschickt, heute passiert vieles digital. Gleichzeitig hat sich unser Grundkonzept kaum verändert. Im Gegenteil: Die Verbindung von Atelier, eigener Produktion und direktem Austausch ist heute vielleicht relevanter denn je. 

Als wir begonnen haben, war die Kombination aus Shop und Atelier vor allem eine praktische Entscheidung. Es war für mich der sinnvollste Weg, Design und Produktion an einem Ort zu verbinden. Heute würde man dieses Modell ganz bewusst als Konzept für Transparenz, Nachhaltigkeit und Qualitätssicherung wählen. Dass diese Idee nach 30 Jahren wieder so aktuell ist, finde ich sehr spannend. 

Was macht die Nähe zum Entstehungsprozess für Ihre Kundinnen so wertvoll? 

Ich glaube, es geht um mehr Tiefe im Umgang mit Produkten. Menschen möchten wieder verstehen, wie und wo Dinge entstehen. Es macht einen Unterschied, ob man ein fertiges Kleidungsstück betrachtet oder einen Prozess miterlebt. Bei uns bekommen Kundinnen Einblicke in die Entwicklung – sie sehen Materialien, Prototypen, können sich einbringen. Dadurch entsteht eine ganz andere Beziehung zum Produkt. 

Wir sind keine klassische Maßschneiderei, sondern ein Designbetrieb. Aber der Ateliercharakter ist ein wesentlicher Teil unserer Identität. Deshalb haben wir auch unsere Abläufe entsprechend angepasst und arbeiten stärker mit Terminen. So können wir uns intensiver auf einzelne Kundinnen konzentrieren und gleichzeitig den kreativen Prozess besser schützen. 

Verändert sich der Umgang mit Mode und Konsum bei Ihren Kundinnen? 

Unsere Stammkundin kauft sehr bewusst ein. Sie interessiert sich für Qualität, Materialien und die Entstehung eines Produkts. Es geht nicht nur darum, welches Label auf einem Kleidungsstück steht, sondern darum, wie es sich anfühlt, wie es fällt und wie es verarbeitet ist.  

Wie hat sich das Sourcing dadurch verändert? 

Es ist deutlich komplexer geworden. Früher konnte man gute Qualitäten zu einem fairen Preis finden – heute ist die Schere größer geworden. Wir arbeiten stark über gewachsene Beziehungen zu Lieferanten. Man muss wissen, wem man vertrauen kann, denn nicht jede Produktionskette lässt sich vollständig kontrollieren. Für mich muss ein Material aber nicht nur nachhaltig nachvollziehbar sein, sondern vor allem funktionieren. Es muss sich gut anfühlen und im Alltag bestehen. Gerade bei Abendmode finde ich es wichtig, dass ein Kleid nicht nur für einen einzigen Moment existiert, sondern immer wieder getragen werden kann. 

Wie entstehen Ihre Kollektionen? 

Der Prozess ist sehr fließend. Ich arbeite nicht mit klassischen Skizzen und einem komplett fixierten Plan, sondern entwickle aus einem ersten Modell heraus weiter. Im Winter beginnen wir meistens mit einem Mantel. Die Kollektionsentwicklung ist für mich ein kollaborativer Prozess: Ein wichtiger Bestandteil ist die Zusammenarbeit mit meiner Schnittmacherin Monica Ferrari-Krieger. Das Endprodukt ist immer ein Zusammenspiel verschiedener Ideen. 

Nach 30 Jahren ein Blick nach vorne: Welche Themen werden die Zukunft Ihres Labels – und der Branche ganz generell – prägen? 

Ich wünsche mir, dass die Entwicklung hin zu mehr Qualität und Bewusstsein weitergeht. Es passiert bereits viel, aber wir sind noch nicht dort, wo wir sein sollten. Gerade beim Thema Nachhaltigkeit braucht es mehr Transparenz und mehr Aufklärung. Viele Begriffe werden verwendet, ohne Klarheit darüber, was tatsächlich dahintersteht. Kundinnen und Kunden müssen besser verstehen können, was sie kaufen und welche Auswirkungen ihre Entscheidungen haben. Für uns wiederum bedeutet dieser Wunsch, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen: mit eigener Produktion, einer klaren Handschrift und dem Anspruch, Mode zu schaffen, die langfristig Freude bereitet. 

www.michelmayer.com

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