Startup Brand Ranking 2026
Nische schlägt Massenmarkt
Was macht junge Fashion Brands heute stark? Die großen Startup-Hype-Jahre sind vorbei. Was heute zählt, ist weniger die Aussicht auf maximale Skalierung als die Fähigkeit, eine Zielgruppe wirklich zu verstehen.
Das ist eine der zentralen Erkenntnisse des sechsten „Startup Brand Ranking“, das Jung von Matt START und Appinio am 2. September 2026 veröffentlichten. Für die Fashion-Branche ist die Botschaft besonders relevant: Während Food, Care und andere Consumer-Kategorien weiterhin neue Wachstumsmarken hervorbringen, wird die Luft für junge Fashion Labels dünner.
An der Spitze des Rankings „Fashion & Accessories“ steht 6PM mit einem Score von 738, gefolgt von Sperling (702), Bracenet (691), Sternglas (641) und emma & noah (630). 6PM erreicht dabei einen besonders starken Wert bei Word of Mouth und eine hohe Kaufabsicht. Der Spitzenplatz unterstreicht, dass Markenbindung und kommerzielle Relevanz zunehmend zusammenspielen.
Über alle Kategorien hinweg beobachten die Studienautoren einen Paradigmenwechsel: Purchase Intent schlägt Awareness. Bekanntheit allein führt demnach nicht mehr automatisch zu Kauf. Entscheidend werden Identifikation, Sympathie und Vertrauen – also die Frage, ob eine Marke für Menschen tatsächlich relevant ist. Parallel gewinnt die Nische gegenüber dem Massenmarkt an Bedeutung. Erfolgreiche Challenger besetzen konkrete Bedürfnisse und übersetzen ihr Zielgruppenverständnis konsequent in Produkt und Kommunikation.
Gerade das Fashion Segment steht dabei vor einer besonderen Herausforderung. Anders als in Food oder Care fehlt vielen jungen Labels die Perspektive für weiteres Wachstum. Auch der stationäre Handel tut sich schwer damit, junge Marken als Verjüngungskur einzusetzen. Gleichzeitig wächst der Second-Hand-Markt und bindet Nachfrage, so die Studie bei der 40.000 Konsumenten befragt wurden.
Die Konsequenz könnte deshalb weniger in noch mehr Reichweite als in einer klareren Haltung liegen. Als Beispiel nennt das Ranking 6PM: Die Marke verbindet eine starke Community mit einem klaren kulturellen Statement. Auch der im „Brand Radar“ vorgestellte Newcomer Hot Boys Cry folgt diesem Prinzip. Das Streetwear-Label macht männliche Verletzlichkeit, Emotionen und mentale Gesundheit zum Teil seiner Markenidentität.
Die übergeordnete Erkenntnis des Rankings lässt sich damit auch als Aufforderung an die Modebranche lesen: Nicht jede Marke muss für alle relevant sein. Aber sie sollte für die Richtigen etwas bedeuten.

