Humanoid
„Wenn ihr verrückt genug seid, go for it!“
Daan Berkhoff spricht über den Neuanfang einer Marke, die eigentlich am Ende war, und über den Mut, nicht mehr, sondern bewusster zu machen.
Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Humanoid
Daan, Humanoid hat eine Art Wiedergeburt erlebt. Wie kam das?
Daan Berkhoff, Miteigentümer und COO Humanoid: Die Marke wurde 1981 gegründet. Als 2021 klar war, dass die Firma insolvent ist, saßen Charlotte Verdegaal und ich da und dachten: Das kann nicht alles gewesen sein. Humanoid ist so eine besondere Marke, mit einer Geschichte und Substanz! Wir hatten keine Ahnung, wie ein Neustart funktioniert, aber wir wollten es versuchen. Also haben wir der Insolvenzverwalterin mitgeteilt, dass wir weitermachen wollen, und auch mit Mitgründerin Sandra Harmsen gesprochen. Sie sagte: „Wenn ihr verrückt genug seid, ist das genau der Spirit, mit der wir Humanoid gegründet hatten.“ Also gab sie uns ihren Segen, das war der Moment. Wir haben all unser Geld und unsere Leute zusammengetrommelt und die Marke gekauft.
Mit welcher Strategie?
Zurück zum Kern mit nur zwei Kollektionen im Jahr. Acht Leute, die alles wieder intern machen: Design, Schnitt, Lager. Wir wollen sehen, fühlen, verstehen, was wir machen. Wir produzieren in Europa und setzen auf lange Verbindungen, arbeiten mit vielen Lieferanten seit 30 Jahren.
Für Humanoid als nachhaltige Brand?
Sagen wir lieber: Humanoid ist bewusst. 30 Prozent der Kollektion stammen aus Deadstock-Fabrics unseres Archivs. Jede Entscheidung treffen wir so, dass sie sinnvoll ist, ökologisch wie wirtschaftlich.
Eure Ästethik ist eine besondere.
Wir versuchen nicht wirklich, gegen etwas zu rebellieren, auch wenn es ein kleines rebellisches Element in unserer Womenswear gibt, die wir Punk Sophistication nennen. Unser Ursprung ist Punk, aber elegant übersetzt. Wir bringen Gegensätze in Einklang: Femininität und Maskulinität, gedeckte Farben mit starken Farbakzenten. Etwas, das zum Nachdenken einlädt.
Wie entwickelt sich der Handel?
Frankreich läuft sehr stark, Spanien wächst. Im deutschsprachigen Raum arbeiten wir mit Stores, die lieber klein und besonders als groß und austauschbar sind, die uns verstehen. Wir machen keine Womenswear für alle. Aber für die, die das fühlen – wunderbar!

