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Statements

Retail Perspectives

13/07/2026  BY  Lisa Hollogschwandtner


Retail Perspectives
Zufall trifft Auswahl

„Eine der größten Herausforderungen im Bereich Pre-Loved-Luxury ist, dass wir nie genau wissen, welche Stücke wir täglich anbieten können, da dies von den uns auf Kommissionsbasis anvertrauten Artikeln abhängt. Gleichzeitig schafft der Fokus auf eine kuratierte Auswahl – mit Priorität auf Relevanz, Stil, Zeitlosigkeit, Markenheritage und langlebige Qualität statt kurzfristiger Trends – ein besonderes, hochwertiges Einkaufserlebnis. Die Bedeutung von Pre-Loved-Luxury am Modemarkt wächst seit Jahren, dennoch sind wir überzeugt, dass Second Cycle ohne den Erstmarkt nicht existieren würde. Wir sehen das Konzept daher als Ergänzung, nicht als Ersatz.“

Camilla Kleemann und Kathrine Gøtke Jørgensen, Inhaberinnen I Blame Lulu

www.iblamelulu.com, @iblamelulu

Bestehendes weiterführen

„Indie kommt aus der Seide – deshalb war es für uns ganz selbstverständlich, Vintage-Kimonos aus Japan von Anfang an ins Sortiment zu integrieren. Die Idee von Second Cycle passt perfekt zu unserem Konzept. Die Gründer Praline Le Moult und Harri Cherkoori haben zudem eine eigene Linie entwickelt, in der wir mit Deadstock-Stoffen und historischen Materialien arbeiten. Uns geht es weniger um Kategorien als um Kontinuität: Bestehendes weiterführen, neu kontextualisieren und selbstverständlich neben dem regulären Sortiment denken.“

Taras Komisaruk, Communications Lead, Indie, Wien

@indie_vienna

Es braucht nichts Neues

„Wenn man sieht, wie viele Produkte bereits existieren, stellt sich die Frage nach Neuem fast nicht mehr. Secondhand zeigt, welche Qualität und welches Handwerk früher selbstverständlich waren. Man kauft nicht nur Kleidung, sondern ein Stück Geschichte. Vieles, was heute neu entsteht, ist im Grunde nur neu aufgelegt. Für mich widerspricht es allem, noch mehr zu produzieren, wenn so viel Wertvolles schon da ist. Und genau darin liegt auch die Chance, Konsum wieder bewusster und wertschätzender zu gestalten. Unsere Kundinnen bei Maison Rivée teilen dieses Mindset – mittlerweile verschicken wir in die ganze Welt.“

Edisa Shahini und Maria Ratzinger, Gründerinnen Maison Rivée

www.maisonrivee.com, @ maisonrivee

Found Around the World

„Mit unserem Etikett FOTW* – Found Around the World – kennzeichnen wir besondere Einzelstücke, die wir kontinuierlich in Europa, Asien und Amerika scouten: vintage, Secondhand und upcycled. Das Sternchen steht für ihre zweite Geschichte. Inspiration finden wir an Orten wie dem Rose Bowl Flea Market in Pasadena. Diese Fundstücke ergänzen unsere regulären Kollektionen und schaffen neue Kontexte – so bleibt das Sortiment lebendig und immer in Bewegung.“

Marco Ghetti, Inhaber Lemon Lugo

www.lemonshop.it, @lemonlugo

Entscheidend bleibt das „Wollen“

„Ein Second-Cycle setzt immer einen First-Cycle voraus. Second-Cycle-Modelle sind damit kein unabhängiges Parallelsystem, sondern eine längst überfällige Ergänzung des klassischen Modehandels. Spannend ist für uns, dass sich das Konsumverhalten und die zugrunde liegende Motivation zwischen First und Second Cycle kaum unterscheiden: Wer eine bestimmte Jacke möchte, bestellt diese im Zweifel auch per Überseepost aus Amerika – ganz egal, ob sie aus der Frühjahr-/Sommer-Kollektion von 2026 oder 2006 stammt. Entscheidend bleibt das Haben-Wollen eines Produktes!“

Lukas und Clemens Hoecker, Mitgründer Opening Act

www.opening-act.eu/de, @opening.act

Ehrlicher Kreislauf

Taschen sind nicht mehr automatisch rar, nur weil sie einen bekannten Namen tragen. Dadurch verändert sich auch die zentrale Frage. Es geht weniger darum, ob etwas neu ist, sondern ob es wirklich interessant ist, ob eine Tasche Charakter hat, ob das Material schön altert, ob das Design Bestand hat oder ob sie nach einer Saison wieder vergessen ist. Wenn ich eine beschädigte Tasche günstig einkaufen kann, sie professionell restauriere und zu einem fairen Preis weiterverkaufe, entsteht ein ehrlicher Kreislauf. Die Marge ist dabei oft nicht maximal – wirtschaftlich wäre anderes mitunter effizienter. Langfristig halte ich diesen Weg aber für sympathischer, weil er glaubwürdig ist. Kundinnen merken sehr genau, ob etwas Substanz hat, und sie kommen wieder.“

David Meran, Gründer Borsa Nera

www.borsanera.at, @borsa_nera

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