A.N.G.E.L.O
Father of Vintage
Ende der 1970er-Jahre beginnt Angelo Caroli, mit gebrauchter Kleidung zu handeln – zu einer Zeit, in der Secondhand und Vintage weder als Begriffe noch als Markt existieren. Heute spannt Angelo Vintage Palace die Klammer über das Retailgeschäft sowie ein 150.000 Teile umfangreiches Archiv. Ein Gespräch über neue Zyklen, kuratorische Praxis und wahre Werte.
Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: A.N.G.E.L.O., Ph. Manzotti
Angelo, wie sah der Anfang deines Business aus?
Angelo Caroli, Gründer und CEO von A.N.G.E.L.O.: Ich war 17 und habe in der Schule Hemden aus den USA verkauft – Button-down-Shirts, Hawaii-Hemden, Dinge, die es hier so nicht gab. Entscheidend war für mich von Anfang an die Auswahl: Ich habe nicht einfach weiterverkauft, sondern Stück für Stück entschieden, was funktioniert und was nicht. Ein wichtiger Schritt war auch, die Teile zu waschen. Damals wurde Secondhand oft ungepflegt verkauft. Für mich war klar: Wenn man ein Produkt sofort tragen kann, verändert das die Wahrnehmung komplett. Später bin ich wöchentlich nach Prato gefahren. Dort habe ich gelernt, Qualität und Wert zu erkennen. Ich habe mich durch Unmengen von Altkleidern gearbeitet und jene Stücke herausgefiltert, die funktionierten. Diese Art der Auswahl war im Grunde, was man heute Kuratierung nennen würde.
Wann kam das Archiv ins Spiel?
Relativ früh. Es gab immer Stücke, die sich dem Verkauf entzogen haben, weil sie eine andere Bedeutung hatten. Ich erinnere mich an ein Kleid aus den 1920ern, das in einem Lager als Abfall lag. Es ließ mich verstehen, dass es Dinge gibt, die nicht einfach weitergegeben werden sollten. Heute umfasst unser Archiv rund 150.000 Teile und dient als Arbeitsraum für Designerinnen und Designer, als Rechercheplattform für Ausstellungen, für Film. Es geht nicht darum, Dinge zu besitzen, sondern sie lesbar zu machen.
Du hast früh mit Retail gearbeitet. Welche Rolle kann Second Market im Store spielen?
In Projekten mit Häusern wie Rinascente oder McArthurGlen hat sich gezeigt, dass Second Market nicht nur eine inhaltliche Erweiterung ist, sondern auch neue Zielgruppen anspricht. Gleichzeitig entsteht ein anderer Rhythmus im Angebot. Produkte werden nicht nur als saisonale Ware gelesen, sondern als Teil eines größeren Zusammenhangs. Das verändert nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Verweildauer und die Art, wie gekauft wird. First Market bleibt die Grundlage, ohne ihn gibt es ja keinen Second Market. Die Verbindung ist aber entscheidend. Second Market eröffnet zusätzliche Ebenen. In vielen Projekten hat sich gezeigt, dass daraus ein wirtschaftlicher Mehrwert entsteht.
Welche Rolle spielt Vertrauen dabei?
Eine zentrale. Der Kunde muss verstehen, was er kauft. Selektion, Qualität, Authentizität und Kontext sind entscheidend. Gerade im Vergleich zu Onlineplattformen wird der Store dadurch zu einem Ort, der Sicherheit gibt.
Was bleibt für dich der wichtigste Gedanke?
Ein gutes Produkt darf nicht verschwinden! Es durchläuft Zyklen, verändert seinen Kontext und gewinnt dabei an Bedeutung. Wenn die Qualität stimmt, bleibt es relevant – über Saisons hinaus.





