Startseite » Seventh Heavens, Second Cycles

Printemps

Seventh Heavens, Second Cycles

13/07/2026  BY  Janaina Engelmann-Brothánek


Seventh Heavens, Second Cycles
Mit dem 7ème Ciel hat Printemps 2021 in Paris einen über 1.000 Quadratmeter großen Raum geschaffen, der Rückkauf, Authentifizierung und Vintage-Kuration vereint und auf ein neues Level hebt. Second Cycle wird dabei nicht als Trend, sondern als Antwort auf verändertes Konsumverhalten verstanden – und als Chance, neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen, ohne das Kerngeschäft zu schwächen. Ein Gespräch mit Angélique Liautaud.

Interview: Janaina Engelmann-Brothánek, Lisa Hollogsschwandtner. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Bilder: Printemps

Angélique, wie ist die Idee zu 7ème Ciel entstanden?

Angélique Liautaud, Buying Director Womenswear, Accessories und Circular Fashion, Printemps Paris: Der Ausgangspunkt war – wie für viele Veränderungen in unserer Branche – die Pandemie. Uns war klar, dass sich der Blick auf Kleidung, Besitz und Wert verschiebt. Gleichzeitig boomten Plattformen wie Vestiaire Collective oder Vinted. Also haben wir uns gefragt: Warum schaffen wir nicht selbst ein Modell, das zu Printemps passt und diesen Wandel ernst nimmt? Das Ergebnis nach neunmonatiger Arbeit war 7ème Ciel – ein eigener Second-Cycle-Floor.

Was unterscheidet 7ème Ciel von klassischen Resale-Konzepten?

Wir verstehen die Fläche als kuratierte Modeerzählung – das unterstreicht nicht zuletzt die Inszenierung. Unser Ziel ist es, Modegeschichte ins Jetzt zu holen. Tatsächlich haben wir das Konzept nicht aus einer reinen Businesslogik entwickelt, sondern als ein Herzensprojekt. Operativ ist 7ème Ciel das genaue Gegenteil des klassischen Departmentstore-Geschäfts: Im Firsthand-Markt arbeitet man mit Stückzahlen, Größenläufen, bekannten SKUs; im Secondhand mit Einzelteilen, Einzelgeschichten, Einzelrisiken. Wir mussten Prozesse, IT, Logistik und Bewertungssysteme komplett neu denken. Hätten wir nur kurzfristige Profitabilität im Blick gehabt, hätten wir das Projekt wohl nicht umgesetzt.

Heute ist der Sell-through hoch.

Ja, sogar höher als in manchen Bereichen des Firsthand-Marktes. Das liegt unter anderem daran, dass Kundinnen und Kunden hier etwas finden, das anderswo nicht im selben Ausmaß abgebildet wird: Einzigartigkeit, Geschichte.

Welche Rolle spielt das Thema Vertrauen?

Eine zentrale Rolle – Vertrauen und Authentifizierung sind der Schlüssel, nicht zuletzt, wenn es um unseren Ankaufsservice geht. Menschen kommen mit ihren Designer- oder Luxusstücken zu uns, diese werden vor Ort bewertet, authentifiziert und direkt angekauft. In diesem Bereich arbeiten wir mit absoluten Expertinnen und Experten.

Auch im Verkauf.

Absolut. Auf diesem Floor braucht es anderes Know-how, eine andere Sensibilität als in den klassischen Designerabteilungen. Manche Kundinnen und Kunden bringen Stücke mit für sie enormem emotionalem Wert zu uns, manche fordern sehr präzise Informationen zu Produkten, zu Epochen, zu Designern. Das fordert von unserem Team neben Verkaufskompetenz Glaubwürdigkeit, Fachwissen und Einfühlungsvermögen.

Kaufen bei 7ème Ciel auch Menschen, die nicht der klassischen Printemps-Zielgruppe entsprechen?

Ja, und genau das ist einer der spannendsten Aspekte. Eine Kannibalisierung findet praktisch nicht statt: Unsere Secondhand-Kundinnen und -Kunden unterscheiden sich häufig von jenen, die im Firsthand-Luxus einkaufen. Gleichzeitig gibt es auch Personen, die ihre Luxusstücke bei uns verkaufen und das daraus entstehende Guthaben nutzen, um neue Luxusprodukte im restlichen Haus zu erwerben. Das Modell erweitert somit die Kundenbasis und schafft zusätzliche Bewegungen innerhalb des Hauses. Secondhand nimmt dem bestehenden Geschäft also nichts, im Gegenteil: Unsere Erfahrung zeigt, dass das Segment neue Zugänge eröffnet, Loyalität schafft und die Frequenz erhöht.

Was lässt sich aus dem Erfolg von 7ème Ciel für die Zukunft der Modebranche lernen?

Dass längere Produktzyklen kein Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg sind – im Gegenteil: Sie schaffen neue Formen von Relevanz. Der Secondhand-Market ist für uns kein Nebenschauplatz, sondern ein eigenständiges System mit eigener Logik, eigenen KPIs und einer eigenen Kundschaft. Wer das ernst nimmt, erschließt nicht nur ein neues Geschäftsfeld, sondern entwickelt auch eine andere Beziehung zu Mode, Wert und Loyalität.

Share
Newsletter
Abonnieren
Podcast: Curated Coincidence
Are You Real? Cover-Editor