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Marymary

From Molecules to Magic 

26/02/2026  BY  Lisa Hollogschwandtner


From Molecules to Magic 
Marie Moehle, Gründerin der Nischenduftbrand by Marymary, über Molekül-Reduktion, Premium-Positionierung und den Aufbau ihrer eigenen Marke.  
Marie, wie entsteht aus einer persönlichen Idee eine Duftmarke? 

Ich habe mich im Jahr 2021 zunächst im Home-Bereich selbstständig gemacht. Es ging um Table Setting, um eine neue Interpretation von Alltagsästhetik. Der Duft war zu diesem Zeitpunkt eher eine persönliche Fragestellung: Wie würde ein Parfum riechen, das wirklich meine Persönlichkeit widerspiegelt? Ich habe mich lange mit Nischendüften beschäftigt, aber nie einen gefunden, bei dem ich sagen konnte: Das bin ich. Also habe ich beschlossen, diese Lücke für mich selbst zu schließen. 

War von Anfang an klar, dass daraus eine Marke entstehen soll? 

Nein. Es war ursprünglich nicht als kommerzielles Produkt gedacht. „Escape the Ordinary“ war zunächst ein persönlicher Gedanke, auch im Hinblick auf meinen Ausstieg aus einem festen Job. Die Marke entstand erst durch Resonanz. Ich habe 30 unbeschriftete Tester bei meiner Store-Eröffnung für Vintage Design Klassiker verteilt. Ohne Story, ohne Erklärung. Die Nachfrage danach war der eigentliche Proof of Concept. 

Wie lief die Entwicklung des Duftes ab? 

Der erste Schritt führte klassisch nach Grasse. Ich habe Referenzen geschickt, meine Vorstellungen formuliert, Samples erhalten. Technisch war das in Ordnung, aber es hatte keine Identität. Erst die Zusammenarbeit mit Uwe Manasse in Köln hat die richtige Richtung eröffnet. Parfümeure bewegen sich an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Diese Dualität fasziniert mich. Wir haben mehrere Entwürfe entwickelt, sehr fein abgestuft. Ein Problem war, dass sich bestimmte Moleküle in der Komposition gegenseitig destabilisiert haben. Der Duft ist gekippt. Über ein erweitertes Netzwerk wurde die Formel dann molekular neu aufgebaut. Einzelne Bestandteile wurden ersetzt, ohne die olfaktorische Idee zu verlieren. Dieser Prozess hat mehrere Monate gedauert. 

Wie würdest du die Komposition beschreiben? 

Bewusst reduziert. Ich arbeite mit sorgfältig ausgewählten, hochwirksamen Duftmolekülen. Es geht nicht um opulente Notenvielfalt, sondern um Präzision. Das Parfum soll nicht dominieren, sondern begleiten. Subtil, aber mit klarer Signatur. Minimalismus ist für mich kein Designtrend, sondern ein struktureller Ansatz. 

Wie bist du in die Produktion eingestiegen? 

Mit 100 Flaschen. Unbedruckte Rohlinge, handkonfektioniert. Ich habe die Etiketten selbst angebracht, die Tags geschnitten, Deckel von 1 bis 100 mit einem Hammer nummeriert, alles in meiner Wohnung in Köln gelagert und verschickt. Das war ein sehr leaner Start, aber er hat mir maximale Flexibilität gegeben. Ich hatte keine großen Vorabinvestitionen in Verpackung oder Druck, weil ich nicht wusste, wie der Markt reagieren würde. 

Du hast relativ früh kleine Größen eingeführt. War das strategisch? 

Ja. Ich habe mit einer 3-ml-Größe zu einem sehr niedrigen Preis begonnen, um die Einstiegshürde zu senken. Gerade im Premiumsegment ist das Risiko für Kundinnen hoch, wenn sie sofort 50 ml kaufen sollen. Die kleinere Größe war ein Testformat. Heute gibt es 5 ml, 15 ml, die refillable sind, und 50 ml. Der Refill-Gedanke ist funktional gedacht. Es geht um Nutzung und Kontinuität, nicht um plakative Nachhaltigkeitskommunikation. 

Wie positionierst du by Marymary im Handel? 

Ich habe von Anfang an versucht, mich im hochwertigen Segment zu platzieren. Meine Strategie war: zuerst die Top-Accounts ansprechen, dann gegebenenfalls breiter werden. In Wien ist die Marke bei Amicis gelistet, in Frankfurt bei Hayashi, in München beispielsweise bei Sois Blessed. Dazu kommen kuratierte Stores mit progressiverer Ausrichtung. Insgesamt bin ich aktuell bei rund 30 Points of Sale aktiv. 

Mittlerweile hast du dien Angebot um eine Duftkerze erweitert. War das ein logischer Schritt? 

Inhaltlich ja, technisch nicht. Man kann eine Parfumformel nicht einfach in Wachs übertragen. Viele Moleküle sind nicht hitzestabil. Die Kerze musste neu interpretiert werden. Ich habe dafür mit einer Parfümeurin in Hamburg gearbeitet, produziert wird in Hannover, die Gefäße werden von Hand gefertigt. Die Entwicklung hat fast zwei Jahre gedauert. Für mich war klar: Wenn wir erweitern, dann nur mit derselben Präzision wie beim Parfum. 

Was bedeutet „Escape the Ordinary“ heute für dich als Unternehmerin? 

Es ist weniger ein Claim als eine Arbeitsweise. Keine unnötige Komplexität, kein Überangebot, kein Aktionismus. Ich glaube an Qualität statt Überfluss. An eine klare Duftsignatur statt an Trendzyklen. Und daran, dass Reduktion im Luxussegment eine stärkere Haltung sein kann als Inszenierung. Am Ende geht es darum, etwas zu schaffen, das bleibt. Auf der Haut, im Raum und im Gedächtnis. 

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