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„Wir wollen die Kim Kardashian jeder kleinen Stadt.“

„Wir wollen die Kim Kardashian jeder kleinen Stadt.“

„Die junge Generation spricht auf Reduzierungen überhaupt nicht an.“

Das Fräuleinwunder aus Schweden: NA-KD hat es innerhalb von nur zwei Jahren geschafft, eine hoch relevante Marke für junge Frauen aufzubauen. Das Team rund um Gründer Jarno Vanhatapio setzte dabei fast ausschließlich auf die Macht von Social Media. Im Gespräch mit style in progress erklärt Mitgründer Magnus Hjörne, verantwortlich für Großhandel und Social Merchants, warum NA-KDs Bekenntnis zu einer neuen Generation von Konsumentinnen so essenziell für den schnellen Aufstieg der Marke ist. Denn daraus leitet sich eine gänzlich neue Markenrealität ab – getragen, im wahrsten Sinne des Wortes, von mehr als 300.000 Influencern weltweit. Mit dieser Armee schafft die Marke eine Reichweite, die jeden Marketer schwindelig werden lässt. Das perfekte Tool, um die zehn bis 15 neuen Teile, die NA-KD jeden Tag herausbringt, in beeindruckendem Tempo an die Zielgruppe zu bringen. Die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells stellen die Schweden mit beeindruckenden Wachstumszahlen unter Beweis.

Warum heißt eine Bekleidungsmarke NA-KD?

NA-KD zu launchen war eine unglaubliche Reise. Wir sind im Mai 2015 gestartet und zählen nun zu den 20 am schnellsten wachsenden Firmen in Europa. Und wir treten nicht an, um jetzt einzubrechen, wir wollen noch mehr Gas geben. Aber zurück zur Frage: In diesem Interview werden wir viel über eine neue Konsumentengeneration sprechen und sehen, dass sie der Grund sind, warum wir dieses Unternehmen gestartet haben. Diese Generation will etwas, was einfach, kurz, relevant und simpel ist. Als wir auf NA-KD als Namen kamen, waren wir uns sicher, genau das gefunden zu haben: Kurz und einfach und es bleibt in Erinnerung.

Sie sind als Multilabel-Onlinestore gestartet, aber schnell dazu übergegangen, die eigene Kollektion auszubauen. Was haben Sie in den anderen Kollektionen vermisst? Kreativität? Tempo?

Schon zu Beginn war unser Plan, sowohl auf die eigene als auch externe Marken zu setzen. Die Vision war immer, hauptsächlich unsere Marke zu verkaufen. Die externen Marken haben wir benutzt – und tun das noch immer –, um NA-KD in den richtigen Kontext zu setzen. Als wir im Dezember 2015 live gingen, haben wir 75 Prozent externe Marken verkauft und 25 Prozent Private Label. Aber schnell haben wir bemerkt, dass unsere Marke 75 Prozent der Umsätze macht. Warum? Wieder landen wir bei der neuen Generation. Die hat eine Aufmerksamkeitsspanne von acht bis zwölf Sekunden. Sie hat alles gesehen, sie konsumiert Informationen wie keine andere. Es ist schlicht nicht zielführend, sie mit herkömmlichen Marken anzusprechen. NA-KD ist viel relevanter für sie, weil unsere Marke, unsere Styles und unsere ganz eigene Markenseele ausschließlich auf diese Generation und die Nische von Konsumentinnen ausgerichtet ist. Es geht um Einzigartigkeit, etwas zu bieten, was man nirgendwo anders finden kann. Heute geht es vor allem darum, ein Erlebnis rund um den Einkauf zu kreieren, denn diese Generation will beim Kaufen was erleben. Sie wollen ein Erlebnis kaufen, die Seele einer Marke spüren. Sie mögen nur, was sie als echt und authentisch empfinden. Nur mit externen Marken könnten wir diese Story nicht kreieren.

Und natürlich ist das Tempo wichtig: Normale Kollektionen zeigen zwei Kollektionen im Jahr, Sie bringen täglich zehn bis 15 neue Styles, die innerhalb von fünf Tagen sowohl beim Händler als auch direkt bei der Kundin zu Hause sind. Für die neue Kundengeneration funktioniert das alte Modell nicht mehr, denn nach zwei Wochen haben sie alles gesehen …

Wenn unsere Website nur zwei Tage lang gleich aussehen würde, denkt diese Generation: Mann, ist das langweilig. Diese Kundinnen verbringen vier bis fünf Stunden pro Tag auf Social Media. Das gleiche Bild zweimal hintereinander auf Instagram zu posten, würden sie denken lassen: „Oh Gott, die sind tot.“ Das erklärt, warum Tempo und täglich neue Styles so essenziell für uns sind. 68 Prozent unserer Zielgruppe ist unter 24, der Rest ist unter 30. Wir würden diese Mädchen langweilen, wenn wir es nicht so machen würden. Das ist nämlich nicht nur attraktiv für unsere Kunden, sondern auch für unsere Handelspartner. Die müssen auch verstehen, dass unsere Zielgruppe niemals dasselbe Teil nochmal kauft. Man braucht neue Produkte, neue Produkte und noch einmal neue Produkte. Denn dann kommen diese Kundinnen auch jede Woche in den Laden. Gerade erst habe ich eine interessante Studie gelesen, die besagt, dass diese Generation die erste ist, die ihre eigenen Trends kreiert, statt welchen zu folgen. Sie will aus vielen verschiedenen Styles wählen und ihr eigenes Outfit kreieren. Mit unserer großen Auswahl können sie das.

Zum Aufbau der Marke haben Sie ausschließlich auf Social Media und digitale Kommunikation gesetzt – und damit vielbeachtete Pionierarbeit geleistet. Zufall oder Strategie?

Wir haben uns gefragt, wer unsere Zielgruppe ist. Als klar war, dass es eine ungefähr 20-jährige junge Frau ist, wollten wir von Anfang an die super-trendy Girls dieser Altersgruppe. Also haben wir uns intensiv mit der Zielgruppe befasst und gesehen, dass sie Texten der Länge einer SMS oder einer Whatsapp kommunizieren und manchmal den Text auch ganz weglassen und nur Fotos und Videos verwenden. So muss auch unser Content sein: lustige kurze Texte, Bilder, Videos. Dann kam die Frage: Wo vermarkten wir unsere Brand? Weil diese Leute vier bis fünf Stunden pro Tag auf Social Media sind, müssen wir dort präsent sein. Aber: Sie verwenden Ad-Blocker, hassen alles, was als Werbung gekennzeichnet ist und schalten sofort weg, wenn sie irgendeine Form von Werbung sehen. Wie können wir sie also erreichen? Das ist ganz schön widersprüchlich. Also war uns schnell klar, dass wir mit etwas kommen müssen, was wir „Marketing from the side“ nennen. Etwas, was man nicht als Werbung wahrnimmt, was aber trotzdem in deinem Hinterkopf die Marke NA-KD abspeichert. Wir bauten eine Influencer-Datenbank auf, mit hunderten, tausenden Influencern und begannen, Klamotten auszugeben. Wenn sie es mögen, würden sie sich darin fotografieren und es posten – und so haben wir diese Community aus Celebritys der nächsten Generation aufgebaut, die unsere Marke glaubwürdig gemacht haben. Das Ausmaß, in dem wir das geplant und ausgeführt haben, unterscheidet uns. Auch weil es sich als noch erfolgreicher erwiesen hat, als wir ursprünglich dachten – daher haben wir es noch weiter intensiviert.

Sie arbeiten mit 300.000 Influencern weltweit. Wie viele Leute kümmern sich darum?

Rund 35 Leute arbeiten ausschließlich mit den Influencern und unseren Kooperationen mit ihnen und sie machen einen fantastischen Job. Denn es ist ja nicht nur, einfach Klamotten zu versenden, wir wollen Beziehungen aufbauen, sodass diese Influencer mehr Produkte wollen und uns auch als Marke kennen lernen. Wenn sie etwas posten, tun sie das sehr engagiert, weil sie unsere Sachen auch wirklich mögen. Das ist wichtig, weil diese Generation sehr sensibel ist, was Kommerzialität betrifft – sie kriegen das sofort heraus, wenn etwas nicht authentisch ist und damit funktioniert es nicht mehr so gut.

Wie kooperieren Sie mit Influencern? Darf ich mir das als Affiliate-Modell vorstellen oder arbeiten Sie anders zusammen.

Im ersten Schritt geht es einfach darum, mit möglichst vielen Kontakt zu haben. Danach wollen wir Beziehungen aufbauen. Die Influencer sind das Gesicht von NA-KD. Für die Klamotten, die wir verschicken, bekommen wir Bilder zurück, die wir auf unserem Instagram-Account nützen können. Einige Influencerinnen geben Discount-Codes aus und werden dann, ähnlich wie in einem Affiliate-Modell, zu einem bestimmten Prozentsatz an den Verkäufen beteiligt. Einige wenige Mädchen bezahlen wir dezidiert für ihre Posts.

Was qualifiziert diese einigen wenigen?

Die meisten glauben, nur die Follower-Zahlen entscheiden, aber darum geht es uns nicht. Wir glauben sogar, dass Micro-Influencer viel besser funktionieren. Vielleicht haben sie keine so große Reichweite, aber ihnen wird vertraut. Das Kriterium ist, dass sie zur Marke passen. Wir stehen für einen coolen Vibe, also müssen es die coolen Fashionistas sein. Wir wollen die Kim Kardashian in jeder kleinen Stadt.

NA-KD hat 1,3 Millionen Follower auf Instagram. Welchen Umsatz generieren Sie aus dieser Reichweite?

Das ist schwer zu sagen, weil unser Instagram-Account keine klare Verkaufsintention hat. Wenn man uns mit all unseren Mitbewerbern wie Zalando, Asos, H&M und Zara vergleicht, sieht man, dass diese eine Engagement Rate von 0,2 bis 0,5 haben. In diesem Fall bedeutet Engagement Rate die Anzahl der Likes und Kommentare pro Bild. Wir erzielen ungefähr 1,9. Ich glaube, wir verstehen diese Generation besser. Auf unserem Account wird man niemals lesen: „Wir haben jetzt dieses Produkt online, kauf es!“, denn das ist viel zu pushy. Wir sprechen über Exfreunde, gebrochene Herzen, Cocktails und Liebe und haben lustige, ansprechende Bildtexte. Das nennen wir die NA-KD Seele. Wie viel das Umsatz bringt, ist schwer messbar. Was wir aber messen können, ist der organische Traffic auf unserer Website und auch der ist höher als bei vielen Mitbewerbern. Natürlich können wir auf Instagram messen, wie viele Leute in unser Shop Feed klicken, aber die meisten Kunden nehmen eine andere Customer Journey. Instagram ist also eine gute Trafficquelle, aber uns geht es darum, dort die Seele und den Spirit unserer Marke zu transportieren.

Viele andere Young-Fashion-Marken sind gerade krisengeschüttelt, weil es oftmals keinen Grund gibt, statt beim Fast-Fashion-Anbieter bei einer Marke zu kaufen. Auf NA-KD trifft das offensichtlich nicht zu. Die Marke ist bei der Zielgruppe richtig gehypt. Was unterscheidet Sie von beiden – den Young Fashion Brands und der Fast Fashion?

Das trifft den Nagel auf den Kopf. Eine Marke aufzubauen, ist ja immer etwas vage, man kann sie nicht anfassen. Der Unterschied ist, dass wir uns Reichweite aufgebaut haben, und das was wir tun, ist für diese Zielgruppe sehr relevant. Im Markenaufbau hat sicher geholfen, dass wir gemeinsam mit anderen, externen Marken , die aber deutlich teurer als wir sind, aufgetreten sind. Das hat einen großen Unterschied gemacht, weil wir so von Anfang an positioniert waren und es uns Glaubwürdigkeit verlieh. Dann machten uns die Influencer uns glaubwürdig und es wurde über uns gesprochen: „Hast du schon von NA-KD gehört?“ Das sorgte für Markenbekanntheit. Und: Wir wissen einfach besser, wie man den Content posten muss. Ein kleines Geheimnis, das unsere eigenen Social-Media-Teams befolgen, ist zum Beispiel, dass wir auf Instagram vermeiden, Bilder zu zeigen, die mit einer echten Kamera oder sogar einem iPhone 7 gemacht worden sind. Die Kamera ist einfach zu gut, als dass das authentisch aussehen könnte. Das ist dann nichts Echtes, was diese junge Zielgruppe ansprechen kann. Sie wissen sofort, dass dieses Fotoshooting gestellt ist.

Es geht also darum, das Brand-Building ganz auf diese Zielgruppe auszurichten. Wie entscheidend ist dafür das Team dahinter? Gehe ich recht in der Annahme, dass Ihr Erfolg keiner geworden wäre, wenn die Strategie von älteren Leuten gemacht worden wäre? Veränderung passiert ja nur, wenn man disruptiv denken kann. Ich glaube, der alte Weg wird sehr bald der Vergangenheit angehören. Marken müssen schneller werden und endlich kundenzentriert arbeiten. In der Mode war es sonderbarerweise nämlich nie der Kunde, der im Mittelpunkt gestanden hat. Irgendein Designer hat sich irgendwas ausgedacht, was die Leute dann kaufen sollten. Das funktioniert doch für diese neue Zielgruppe nicht mehr.

Das ist absolut richtig. Die neue Generation verhält sich komplett anders und ist sehr egozentrisch. Sie werden immer post-materialistischer, sie überlegen sich gut, einen bestimmten blauen Sweater zu kaufen. Was total interessant ist, wie die verschiedenen Altersgruppen auf Rabatte reagieren. Je älter sie werden, umso mehr wirken Aktionen wie 20 Prozent Rabatt. Aber die junge Generation, die 68 Prozent unserer Kunden stellt, spricht auf Reduzierungen überhaupt nicht an.

Tatsächlich?

Es ist ihnen schlichtweg egal. Während eines Mid-Season-Sales bleiben unsere Zahlen gleich. Wir sehen keinen riesigen Anstieg. Diese Generation kauft nur, wenn ihnen etwas gefällt, egal ob es nun 20 Prozent billiger ist. Wenn es ihnen nicht gefällt, kaufen sie es auch nicht. Das macht es natürlich für uns schwierig, Warenüberhänge los zu werden. Aber es garantiert auch gute Margen, weil sie immer zum Vollpreis kaufen. Unserer Verkäufe erfolgen zu 85 bis 90 Prozent zum Vollpreis.

Das sind mal Neuigkeiten – denn genau diese Rabattpolitik ist ja so verheerend für den normalen Modemarkt. Glauben Sie, dass es an den ohnehin schon sehr nachvollziehbaren Preisen liegt?

Das ist sicher ein Grund, aber ich glaube, die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit ändert sich sehr. Meine Mutter ist Pädagogikprofessorin und sie sagt immer, dass mit dem Tempo, in dem sich die Gesellschaft ändert, kaum schrittzuhalten ist. Die Zahlen von ADHDS-Diagnosen bei Kindern steigt zum Beispiel gerade rapide auf eine beängstigende Höhe an. Man sagt, diese Kinder hätten Konzentrationsprobleme, aber in Wahrheit hat sich deren Aufmerksamkeitsspanne einfach verkürzt. Ich denke, das ist auf all die Information zurückzuführen, die sie konsumieren. Am Smartphone passiert dauernd etwas Neues. Frag dich doch selbst mal, wann es das letzte Mal war, dass du dir einen drei Stunden langen Film angesehen hast, ohne auch nur einmal dein Telefon in die Hand zu nehmen. Wenn diese Kinder in der Schule sitzen müssen und ein Buch lesen sollen, natürlich kommt ihnen das alles total langsam vor, keine Bilder, nichts, was einen packt. Da ist dann das Smartphone natürlich viel attraktiver. Sie können in einem Augenblick überall sein. Das ist eine völlig andere Gesellschaft. Dasselbe gilt, wenn sie einkaufen. Wollen sie immer wieder das Gleiche tragen? Denn, wenn du einen Sweater für 3.000 Euro kaufst, musst du ihn ganz schön oft tragen, um damit glücklich zu sein. Es macht viel mehr Spaß, immer wieder etwas anderes zu haben. Es geht um die Neuigkeit. Darum wird Fast Fashion immer existieren.

Haben „alte“ Marketingmethoden – Anzeigenkampagnen, PR, Out-of-Home und Fernsehen noch irgendeine Relevanz für NA-KD? Oder sind diese Instrumente schlicht zu langsam für eure Marke?

Wir verkaufen jeden Monat in 130 Länder, wir sind also vollständig global. Wir haben in Summe in 174 Länder dieser Welt Pakete verschickt. Wenn man nun über so etwas wie Fernsehwerbung nachdenkt, muss man es für jeden Markt gesondert betrachten. In manchen Ländern, aber bestimmt nicht in allen, kann sie sicher helfen. Aber generell gesprochen und für unsere Zielgruppe würde ich nein sagen. Es ist nicht relevant für unsere Zielgruppe. Wir wissen, dass unsere Zielgruppe die Handys rausholt, wenn die Fernsehwerbung beginnt. Wenn wir mit bestimmten Influencern kooperieren und ihnen Geld bezahlen, erreichen wir ein paar Millionen Leute. Und das kostet uns kein Vermögen. Wie viele Plakate müssten wir an Bushaltestellen aufhängen um zehn Millionen Leute zu erreichen? Wenn wir alle Leute ansprechen, die wir in unserer Influencer-Datenbank haben, erreichen wir drei bis vier Milliarden Leute – das ist umgerechnet jeder, der auf Social-Media-Plattformen aktiv ist. Die Arbeit mit Influencern ist also der eine wichtige Teil unserer Strategie, aber mehr und mehr ist es die Gesamtheit der Kunden unserer Marke, die sich ja auch in NA-KD zeigen. Was kann man authentischeres erreichen, als dass die Kunden für dich als Marke sprechen?

Hat der Start des Großhandelsgeschäfts das Unternehmen entscheidend verändert?

Wir hatten jeden Tag Anfragen von Händlern, die unsere Marke führen wollen. Ein Jahr lang mussten wir nein, nein und nochmals nein sagen. Dann haben wir uns irgendwann gedacht: O. k., lass es uns probieren. Wir sind im Januar 2017 ganz klein in Schweden gestartet, um die Prozesse zu lernen. Im Juni, als das B2B-System aufgesetzt war, haben wir unsere zwei unterschiedlichen Lager integriert, so dass die Händler ebenfalls kaufen konnten und fünf Tage später ihre Ware hatten. Prompt können sie aus 4.000 Produkten wählen, sie kaufen praktisch gleich wie ein Onlineendkunde. Wir liefern sogar mit den gleichen Logistikpartnern aus. Das hat gut funktioniert. Die große Veränderung kam mit Kunden der Größenordnung eines Peek & Cloppenburg. Die haben, sagen wir mal, 150 Läden und wollen zwölf Stück von jedem Style kaufen. Das sind dann 1.800 Stück von einem T-Shirt. Dafür mussten wir ein Vorordersytsem etablieren. Das war eine Veränderung für uns, aber keine massive.

Auf welche Weise beeinflussen die Daten, die Sie im Marketing generieren, das Design? Oder haben die Designer einfach die ultimative Freiheit, das zu kreieren, was sie cool und neu finden?

Das ist etwas, was sich sehr verändert hat und wir verfeinern es täglich. Zwei unserer Mitgründer sind Designer und Einkäufer, die langjährige Erfahrung in der Mode haben und ihre Tätigkeiten ausgezeichnet beherrschen. Wir können uns wirklich auf sie verlassen und haben ihnen schlicht Budgets gegeben, die sie dann einsetzen konnten. Aber natürlich beginnen wir die Daten zu nutzen. Wir teilen das Budget jetzt in drei Segmente auf: 25 Prozent geht an Produkte, die man einfach braucht. 25 Prozent an Produkte, von denen die Kunden noch nicht wussten, dass sie sie brauchen – Überraschendes, Super-Trendiges oder Kooperationen mit Influencern. 50 Prozent sind das, was die Leute von NA-KD erwarten, also sehr trendige Produkte. Innerhalb dieser drei Kategorien haben sie die Freiheit, alles zu entwerfen, was sie wollen.

Fünf Gründer ist ganz schön sportlich – aber es scheint zu funktionieren. Was ist das Geheimnis?

Wir haben einen Gründer und verschiedene Mitgründer. Jarno Vanhatapio ist der Hauptgründer, er war vorher Gründer von nelly.com, dem größten E-Commerce-Player in Skandinavien, den er dann verkauft hat. Für dieses neue Unternehmen hat er sich ein Team aus Mitgründern zusammengestellt. Wir sind alle verschieden, arbeiten aber alle unternehmerisch in unseren jeweiligen Kompetenzen.

Ist es für NA-KD essenziell, dass Sie alle Millenials und Digital Natives sind?

Ja, es macht einen großen Unterschied, dass wir alle so jung sind. Wir haben 150 Mitarbeiter, ohne die Praktikanten und die Lagermitarbeiter gerechnet. Der Altersdurchschnitt liegt bei 23 Jahren. Wir sind alle Digital Natives. Wir verstehen unsere Kunden. Wenn man etwas machen will, was ihnen gefallen soll, muss man es nach deren Regeln machen.

Welche Veränderungen kommen in den nächsten Jahren auf die Modeindustrie zu?

Es wird eine massive Veränderung geben, aber ich weiß nicht wie schnell sie kommen wird. Es ist nicht entscheidend, wie lang eine Marke schon auf dem Markt ist. Die einzige Frage ist: Wird sie sich verändern? Werden sie ihren Stolz ablegen und nicht daran festhalten, wie sie vor 20 Jahren ihr Business gemacht haben? Sehen sie diese Veränderungen als Chance, um etwas zu bewegen und neue Marktanteile zu erobern? Ohne den Willen zur Veränderung wird es leicht passieren, dass man den Anschluss versäumt – vielleicht nicht in zwei oder drei Jahren. Aber allein die Tatsache, dass diese neue Kundengeneration zwischen 15 und 28 schon heute 50 Prozent des Marktes ausmacht – stellen wir uns das mal in zehn Jahren vor … Und die jüngeren werden noch viel verrückter sein. Veränderung ist auch im Handel wichtig. Wenn sie sich nicht verändern und weitermachen, wie sie die letzten 20 Jahre gearbeitet haben, wird es schwer werden, die jungen Kunden anzuziehen. Freilich haben sie noch die älteren Kunden, die sie hoffentlich sehr glücklich machen, aber für eine neue Generation muss man eine gänzlich andere Strategie haben. Jetzt ist der Zeitpunkt, um ein Vorreiter zu sein!

Alles muss für diese neue Generation unmittelbar sein. Ist da der stationäre Handel überhaupt noch der Weg der Wahl?

Der Marktanteil von online wird sicher weiter wachsen, aber es wird immer Platz für stationäre Läden geben. Aber der stationäre Händler muss sich in Sachen Erlebnis verändern. Shopping ist etwas Soziales, es ist nicht die Befriedigung von Bedürfnissen wie ein weißes T-Shirt. Die Kunden kommen in die Stadt, weil sie ihre Freunde treffen wollen, abhängen wollen, sich treffen, einen Kaffee trinken. Warum sollten sie einen bestimmten Laden betreten? Das tun sie nur, wenn er ihnen ein gutes Gefühl vermittelt und sie etwas erleben können. Gibt es dort etwas Neues, etwas, was sie interessiert? Sie wollen Spaß haben, es auf Social Media teilen. Ein Selfie machen vor irgendeiner verrückt gestalteten Wand, damit ihre Freunde ihr „ha, ha, ha“ darunter kommentieren können. Was können wir tun, um Kunden mit dem Laden interagieren zu lassen? Es ist eine riesige Möglichkeit, ich hätte liebend gerne einen Laden, um daraus etwas wirklich Cooles und Lustiges zu machen.

Das kommt bald: In Deutschland eröffnen Sie die ersten Läden mit Partnern. Warum sucht eine so virtuelle Marke das Physische?

Zunächst wird es Shop-in-Shops in verschiedenen Departmentstores geben, Ende 2018 werden wir dann die ersten Flagshipstores eröffnen. Aber die sehen wir hauptsächlich als Brand-Building-Maßnahme, damit uns die Kunden erleben und angreifen könne. Es ist natürlich eine echte Herausforderung für uns, die wir so virtuell sind – wenn wir Stores machen, müssen die wirklich cool aussehen.

Was will NA-KD eines Tages sein?

Im Grunde wollen wir eine digitale Version von Zara werden, aber stärker als Marke wahrgenommen werden. Wie Sie vorher gesagt haben, wir sind eine Marke. Deutschland ist unser wichtigster Markt und wird das auch bleiben, ungeachtet dessen waren wir seit Tag eins eine hundert Prozent globale Marke. Wir werden versuchen, den Erfolg, den wir in Deutschland haben, auch in den anderen Märkten zu reproduzieren. Es braucht die richtigen Partner und muss sorgfältig geplant werden. Wenn wir das Herzstück etabliert haben, werden wir Land für Land in den Roll-out gehen.

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