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Weil Arbeit integriert | VAUDE

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Vaude

„Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz, das den tatsächlichen Bedarf berücksichtigt“ 

Der Outdooranbieter Vaude setzt weltweit ökologische und soziale Standards. Am Firmensitz im süddeutschen Tettnang beschäftigt das Familienunternehmen rund 500 Mitarbeiter. Für Geschäftsführerin Antje von Dewitz haben umweltfreundliche Produkte aus fairer Herstellung genauso hohen Stellenwert wie das Wohl der Mitarbeiter. Seit 2016 hat Vaude elf Festanstellungen, einen Ausbildungsplatz und zahlreiche Praktika an Geflüchtete Menschen vergeben und setzt sich konsequent politisch für ein Bleiberecht von Geflüchteten in Arbeit und Ausbildung ein.

Text: Kay Alexander Plonka. Foto: Vaude Sport

„Unsere geflüchteten Mitarbeiter sind eine Bereicherung für das Unternehmen“, sagt Antje von Dewitz. 

Als Mitglied der Initiative der deutschen Wirtschaft „Wir-zusammen“ und dem Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ haben Sie sich mit 120 anderen Unternehmen vernetzt. Außerdem haben Sie die Unternehmerinitiative „Bleiberecht durch Arbeit“ zusammen mit der Brauerei Härle gegründet, der sich inzwischen über 150 Unternehmen aus ganz Deutschland angeschlossen haben. Wie lauten ihre Forderungen für ein neues Einwanderungsgesetz und für die Umsetzung des Eckpunktepapiers der Bundesregierung zur Schaffung eines Bleiberechts für integrierte und erwerbstätige Geflüchtete?

Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz, das nicht nur für Fachkräfte nach Definition der deutschen dualen Ausbildungsberufe oder Universitätsabschlüsse, sondern auch die in der Wirtschaft tatsächlich benötigten Berufsbilder wie beispielsweise Arbeiter in Fertigungen, LKW-Fahrer, Staplerfahrer, Reinigungskräfte, Pflegekräfte etc. berücksichtigt, die in der Regel angelernt werden und keine qualifizierte Ausbildung haben oder benötigen.

Wir brauchen ein Bleiberecht für angelernte geflüchtete Arbeitskräfte, die mit hohem Aufwand bereits in den Arbeitsmarkt integriert wurden und einen wertvollen Beitrag im deutschen Mittelstand leisten, die es möglich machen, dass Produkte und Dienstleistungen in Deutschland hergestellt und erbracht werden. Der Gesetzesentwurf zur Beschäftigungsduldung reicht nicht aus, er berücksichtigt Menschen, die seit zwölf Monaten in einer Duldung sind. Viele geflüchtete Mitarbeiter, die 2015/16 nach Deutschland gekommen sind, befinden sich aber noch in der Gestattung oder erst seit kurzem in der Duldung.

Welchen wirtschaftlichen Schaden hätten Abschiebung der geflüchteten Mitarbeiter und wie groß ist der Bedarf an Arbeitskräften?

Wenn wir die Kollegen, die bei uns in der Manufaktur arbeiten, verlieren würden, rechnen wir mit einem Produktions- und Umsatzausfall von 250.000 Euro. Und wir sind bei Weitem kein Einzelfall. Zahlreiche Unternehmen aus ganz Deutschland berichten von den teilweise sogar existenziellen Bedrohungen durch den Verlust von Mitarbeitenden.

Auch beim Bedarf an Arbeitskräften sind wir kein Einzelfall. Unternehmen aller Größen und aus verschiedenen Branchen, wie u. a. Produktion, Logistik, Gastronomie, Pflege, können ihr bestehendes Geschäft heute schon kaum noch bedienen, da ihnen LKW-Fahrer, Staplerfahrer, Reinigungskräfte, Arbeiter in Fertigungen, Pflegekräfte etc. fehlen. Für weiteres Wachstum werden weitere Arbeitskräfte benötigt.

Als Beispiel die Region Bodensee/Oberschwaben, wo wir unseren Firmensitz haben: Über 60 Prozent der Unternehmen haben Probleme bei der Stellenbesetzung, denn mit 2,5 Prozent Arbeitslosenquote herrscht Vollbeschäftigung. Im IHK Konjunkturbericht Herbst 2018 steht: „Gut jedes dritte Unternehmen hofft auf Fachkräfte aus dem Ausland, jedes fünfte bemüht sich um die Einstellung Geflüchteter. Gut jedes zehnte Unternehmen gibt allerdings auch an, dass wegen des Fachkräftemangels Tätigkeiten ins Ausland verlagert werden sollen oder die Produktion beziehungsweise der Service eingeschränkt oder zumindest nicht ausgeweitet werden“.

Antje von Dewitz hat mit Vaude den LEA Mittelstandspreis 2017 für soziale Verantwortung vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg erhalten und wurde mit dem Demografie Exzellenz Award 2017 in der Kategorie „fremd & heimisch“ für das Engagement für geflüchtete Menschen ausgezeichnet.

Sie sagen, die Wirtschaft kann langfristig enorm davon profitieren, wenn wir gemeinsam dazu beitragen, dass Geflüchtete eine Perspektive erhalten. Wie funktioniert Integration bei Vaude in der Praxis?

Integration in den Arbeitsmarkt ist kein Spaziergang. Sie ist mühsam, kostet viel Zeit, Engagement und häufig auch Nerven. Es gilt, mangelnde Deutschkenntnisse zu überwinden, bei der Suche nach einer Wohnung und beim Weg durch den Behördendschungel Hilfe zu leisten. Integration gelingt nur dann, wenn sich viele Menschen im Unternehmen mit großem Einsatz dafür engagieren. Aber es lohnt sich und bietet auch einen Mehrwert für alle Beteiligten. Das zeigt sich bei uns deutlich, und darauf sind wir echt stolz. Unsere geflüchteten Mitarbeiter haben sich zu vollwertigen, hoch engagierten und motivierten Mitarbeitern und vor allem auch zu wertgeschätzten Kollegen entwickelt. Sie sind eine Bereicherung für das Unternehmen und bei uns nicht mehr wegzudenken.

www.unternehmer-initiative.com
www.vaude.com

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