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Weil Arbeit integriert | Phil Petter

Weil Arbeit integriert | Phil Petter

Anja Grabherr-Petter

„Wir gehören zu den letzten Verbliebenen“

Das österreichische Stricklabel Phil Petter produziert in Dornbirn – was für Kunden ein schlagendes Argument ist, ist für Geschäftsführerin Anja Grabherr-Petter eine Herausforderung: Als einer der letzten verbliebenen Textilbetriebe fällt es zunehmend schwer, Facharbeiter zu finden.

Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Phil Petter

Wie schwer fällt es euch, geeignete Fachkräfte zu finden?

Vorarlberg ist eine Region mit langer Textilgeschichte, aber von den vielen Betrieben, die es hier einmal gab, sind wir unter den letzten Verbliebenen. Unseren Kunden ist das Made in Austria genauso wichtig wie uns, also werden wir daran festhalten, aber es wird zunehmend komplexer, Mitarbeiter, die in Pension gehen, zu ersetzen. Die Textilschule vor Ort hat die Ausbildung für die produzierenden Berufe eingestellt, es werden jetzt nur noch Ingenieure, Textilmanager sowie Vermarktung und Design unterrichtet. Weil es auch keine entsprechende Nachfrage mehr gab, die jungen Leute wollten diese Berufe offensichtlich nicht mehr ergreifen.

Helfen ausländische Arbeiter, diese Lücke zu füllen?

Ja, Vorarlberg hat schon von der ersten Gastarbeiterwelle in den 1970er-Jahren profitiert, denn diese handwerklichen Berufe brauchen extremes Geschick. Unsere Näherinnen sind mit herkömmlichen Näherinnen nicht zu vergleichen, denn Strick und Jersey zu nähen, ist viel komplizierter und braucht Fingerspitzengefühl. So haben zum Beispiel viele türkischstämmige Frauen tolle Arbeit bei uns geleistet, für diese Mitarbeiterinnen war es auch optimal, dass es meist Teilzeitstellen sind. Aber diese Generation erreicht jetzt das Pensionsalter.

Anja Grabherr-Petter bezeichnet die Personalsuche als große Herausforderung.

Ihr beschäftigt jetzt auch Flüchtlinge …

Ja, wir haben zwei syrische und einen afghanischen Mitarbeiter im Betrieb. Das ist eine neue Erfahrung für uns, weil bisher vorwiegend Frauen diese Arbeit ausgeführt haben. Wir arbeiten intensiv mit der Caritas zusammen, die diese Menschen vermittelt und uns auch berät, was Aufenthaltsgenehmigung und Status der Flüchtlinge betrifft, das ist ja sehr komplex. Unser Personaler muss heute extrem fit in vielen verschiedenen Disziplinen sein.

Habt ihr Hoffnung, dass diese Arbeiter dauerhaft bei euch bleiben?

Sobald die Region, aus der unser afghanischer Mitarbeiter stammt, als sicher gilt, muss er wieder zurück – und ich gehe nicht davon aus, dass man das derzeit abwenden kann.

www.philpetter.com

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