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Mehr von allem, nur nicht mehr Ware

Mehr von allem, nur nicht mehr Ware

Als Valentino de Luca vor zehn Jahren mit seiner Hemden- und Blusenkollektion Lucky de Luca startete, stellte er viele bis dahin als selbstverständlich gelebte Gesetzmäßigkeiten der Branche radikal in Frage, kreierte intuitiv seine charakteristische, mit guter Laune aufgeladene, eigene Handschrift. Er ist ein Designer, der sich in Prozesse bis ins kleinste Detail hineinfuchst. Seine Spezialität ist: Er nennt die Dinge beim Namen.

Mehr Flexibilität! Ist das dein Appell an sämtliche Protagonisten unserer Branche?

Man muss heute einfach schneller und progressiver sein als früher, das ist der Anspruch, den ich in erster Linie an mich selbst stelle. Ich versuche immer, den Blick weiter nach vorne zu richten und mich den Veränderungen des Marktes anzupassen. Meiner Meinung nach ist das alles zu statisch. Die Panikreaktion der Händler und auch einiger Marken in den letzten miserabel gelaufenen Herbstmonaten haben mir wieder gezeigt, dass es einfach mehr Flexibilität von allen Seiten braucht. Vor allem von Seiten des Handels, der mal seine eingefahrenen Schienen verlassen muss und sich auch trauen muss, neu zu denken, gerade hinsichtlich der Taktung. Ich habe glücklicherweise eine Produktgruppe, die wetterunabhängig ist. Wir können uns heute nicht mehr auf Saisons verlassen. Warum also davon abhängig im Produkt machen? Es geht doch viel mehr um progressive Kollektionen, um schnelle und flexible Lieferrhythmen, um eine partnerschaftliche Planung der Kollektionstaktung über das Jahr hinweg – wer bietet denn sowas? Lieber bieten wir viele kleine Fenster als die großen saisonalen Falltüren an, wo der Händler dann auf Massen von Ware sitzen bleibt. Wir brauchen keine zusätzlichen Kollektionen, keine Lager! Wie liefert man denn Innovation übers Lager? Das letzte, was der Markt jetzt braucht, ist noch mehr Ware! Der überholt sich doch gerade selbst. Lieber verknappen wir Dinge, als sie unendlich verfügbar zu halten.

Einer festen Instanz unserer Branche steht gerade die große Bewährungsprobe an: den Messen. Welche Relevanz haben sie eigentlich noch?

Das steht gerade auf der Kippe. Für mich entscheidet es sich in diesem Januar. Die Premium hat ja einen großen Relaunch angekündigt, jetzt muss sie natürlich auch liefern. Denn die Labels einfach nur anders zu platzieren, funktioniert nicht. Die momentane Monopolstellung der Messen gerät durch die Konkurrenz der Onlineshowrooms und Düsseldorf als stark frequentierter Ordertermin unter Druck. Auch hier geht es um das Thema Flexibilität. Der Kunde möchte heute einfach selbst entscheiden, wann er wo ordert und welche Wege er dafür auf sich nimmt. Für einen Stammkunden macht es heute mehr Sinn, die Kollektion digital zu sehen und anhand von Stoffproben zu entscheiden. Da müssen wir ein entsprechendes Angebot schaffen und unsere Kollektionen so anspruchsvoll präsentieren, dass es ihn anspricht. Prinzipiell ist der Pitti Uomo in Florenz gerade die stärkste Messe, aber für mich steht hinter dem ganzen Thema ein großes Fragezeichen.

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