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Theanne Schiros

Theanne Schiros

Theanne Schiros | style in progress

„Es ist möglich, ein Material mit drastisch geringerer Umweltbelastung herzustellen.“

Als Dozentin am Fashion Institute of Technology in New York hat Theanne Schiros Algen-Sneaker und Wolle aus menschlicher DNS gemacht. Erstaunlicherweise steckte dahinter kein Expertenteam und die Stoffe entstanden nicht nur im Labor, sondern auch im Tipi.

Frau Shiros, wie verwandelt man Algen in Stoff?

Alle Fasern, mit denen wir arbeiten, sind Polymere, lange Ketten von Bausteinen – Zellulose ist am weitesten verbreitet, aber es gibt viele weitere. Man kann Biopolymere aus Kelp extrahieren und zu einem Garn verarbeiten, das sich stricken oder 3D-Drucken lässt. So haben wir ein abfallfreies Tanktop aus Kelp gemacht: Man kann es kompostieren, aber es zerfällt einem nicht am Körper. Wir nennen das Just-in-Time-Abbaubarkeit.

Gibt es noch andere Materialien?

Selbstverständich! Mikroben, Pilze und Bakterien kann man als die Stofffabriken der Zukunft sehen. Für ein Projekt namens Werewool haben wir sogar mit Proteinen gearbeitet, die meine Studenten aus ihren Wangenzellen gewonnen haben. Proteine sind die Fabriken der Zellen, und in diesen Proteinen folgt die Funktion der Form. Wir haben gezeigt, dass Proteinsequenzen zu Fasern gemacht werden können und man ihnen auf DNS-Ebene Funktionen einprogrammieren kann. Das hat große Bedeutung für die Zukunft von Fasern, denn es gibt mehr Sequenzen als Sterne in der Milchstraße.

Das klingt wie Science Fiction!

In der Tat! Und man sollte bedenken: Dahinter steckt kein großes Team aus Wissenschaftlern. Ein paar Studenten der Textiltechnik haben in meinem Seminar Grundlagen der synthetischen Biologie gelernt, wir taten uns mit Sebastian Cocioba von Bionimica Labs zusammen und schafften es in nur acht Wochen vom zellulärem Protein einer Koralle zu Fasern in einer natürlichen Leuchtfarbe.

Welche Hürden mussten Sie überwinden?

Wir stießen an eine Grenze, als wir ein Kunstleder mithilfe von Bakterien züchteten, mit denen man Kombucha-Tee machen kann. Die produzieren eine Zellulosematte, die exakt in eine vorgegebene Form wächst. Nutzt man sie für Textilien, wird sie jedoch brüchig, zieht Wasser, zum Beispiel Schweiß, und bläht sich auf. Um dem Stoff nun die nötigen Eigenschaften zu verleihen, experimentierten wir mit Indianertechniken. Wir haben die mikrobielle Zellulose mit Tier- und Pflanzenenzymen gegerbt und in einem selbstgemachten Tipi über einem Feuer in meinem Garten geräuchert. Und wir staunten nicht schlecht: Das Material wurde wasserabweisend, seine Festigkeit und Flexibilität hatten sich beinahe verdreifacht, und über einer 1500 Grad heißen Flamme, die Metall schmelzen würde, fing der Stoff kein Feuer.

Wie sind Sie darauf gekommen, synthetische Biologie mit indigenen Kulturtechniken zu verknüpfen?

Unsere Forschung imitiert die Art und Weise, wie Material in der Natur entsteht. Der Natur am nächsten kommen die Traditionen der indigenen Kulturen, die eine symbiotische Beziehung zu ihrer Umwelt haben.

Was ist nötig, damit Biofabrication in Massenproduktion gehen kann?

Modern Meadow arbeitet bereits mit Stella McCartney. Die Frage der Skalierbarkeit wird dabei immer ein Thema sein, aber vor allem muss die Öffentlichkeit sehen, dass es tatsächlich möglich ist, ein Material mit drastisch geringerer Umweltbelastung herzustellen.

 

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