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Textilerei Mannheim

Nico Hoffmeister | style in progress

Start-ups schaffen Frequenz

Verödete Stadtteile, Abwanderung von Industrie, Einzelhandel und Kunden – viele Großstädte stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Mannheim hat sich vorgenommen, es besser zu machen. Gründerzentren fördern Start-up-Unternehmen und investieren gleichzeitig in die Stadtentwicklung.

Mannheim handelt: Die Mannheimer Gründungszentren GmbH betreibt als städtisches Tochterunternehmen zielgruppenspezifische Existenzgründungszentren. Neben Mode- und Textilwirtschaft sind das Musik, Tech, Medizintechnologie und weitere Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Insgesamt rund 28.000 Quadratmeter Fläche stehen zur Verfügung, rund 300 junge Unternehmen werden allein dort unterstützt. Nico Hoffmeister, Community Manager der Textilerei, ist seit 2015 bei Start-up Mannheim. Damals eröffnete das Gründungs- und Kompetenzzentrum für Mode und Textilwirtschaft in einem denkmalgeschützten Haus in der Innenstadt. Elf Unternehmen, 400 Quadratmeter Fläche – das klingt zunächst nach nicht viel. Wichtig seien jedoch die Bündelung des Know-hows und der Aufbau einer Infrastruktur: Über das Kompetenzzentrum gig7 für „Frauen in der Wirtschaft“ stehen neben Hoffmeister zwei Fachberaterinnen speziell für den Bereich Mode zur Verfügung. „Gründer wissen oft nicht, wo und wie sie anfangen sollen. Wir können sie hier mit Wissen, Workshops und Seminarformaten in der Selbstvermarktung unterstützen sowie Kontakte in den Handel vermitteln. Sie können ihre Produkte im Shop der Textilerei verkaufen und wir helfen ihnen z. B. bei Messeauftritten, bei der Vermarktung und im Vertrieb.“ Hoffmeister kommt seine langjährige Berufserfahrung in der Modewirtschaft, wie bei Falke und zuletzt bei der Sixty Group, zugute.

In der Textilerei stehen Ateliers mit Maschinenpark zur Verfügung, in denen Produkte und Kleinserien gefertigt werden können. Ein wichtiger Bestandteil sei der Aufbau von Netzwerken mit lokalen Unternehmen und Einzelhändlern wie beispielsweise dem Quartier Q6Q7, Engelhorn, der Trendfabrik oder dem Luxury Loft. Zu lange soll die Unterstützung durch die Textilerei nicht dauern – die Mietverträge laufen über zwei Jahre und werden maximal auf fünf Jahre verlängert, damit immer wieder neue Start-ups unterstützt werden können. Schließlich soll die Unternehmensidee so skalierbar sein, dass die Gründer irgendwann auf eigenen Beinen stehen können.

 

„Wir haben uns als Anlaufstelle etabliert“

Nico Hoffmeister, Community Manager Textilerei des Mannheimer Kreativwirtschaftszentrums C-HUB im Interview.

Was macht Mannheim in der Stadtentwicklung anders als andere Städte?

Mannheim hat sehr früh entschieden, themenbezogene Anlaufpunkte für Gründer zu finden und bestimmte Bereiche gezielt zu fördern. Zudem sind die Wege kurz – es gibt zentrale Anlaufstellen für Gründer. Die Zusammenarbeit ist sehr eng mit dem Rathaus. Wirtschafts- und Strukturförderung werden in Mannheim sehr ernst genommen. Wir haben mit dem Auftrag, in Mannheim ein gesundes und lebendiges Start-up-Ökosystem zu schaffen, auch die Verantwortung, Bewegung in die Stadtentwicklung zu bringen.

Wie hat die Eröffnung der Textilerei Mannheim verändert?

Das Projekt ist sehr erfolgreich angelaufen und hat sich in der Zwischenzeit professionalisiert. Zunächst einmal geht es um den Anschub der jeweiligen Einzelunternehmen und deren Vernetzung. Das ist uns mit einigen Labels schon sehr gut gelungen – wir pflegen ein großes Netzwerk, weit über Mannheim hinaus. Darüber hinaus leisten wir mit den Gründerzentren und vor allem den dort ansässigen Firmen und Protagonisten einen Beitrag zur Stadtentwicklung, wir sehen uns dabei auch als Motor: Der Stadtteil Jungbusch zum Beispiel, Standort des Kreativwirtschaftszentrums C-HUB, das ich ebenfalls leite, war früher ein Problemviertel der Stadt und bekannt für eine hohe Kriminalitätsrate. Das hat sich mittlerweile sehr zum Positiven verändert. In der Zwischenzeit hat er sich zum Szene- und Ausgehviertel entwickelt. Wir kreieren über unsere Infrastrukturen der diversen Zentren und kulturellen sowie kreativen Player der Stadt Events, besetzen soziale Flächen um, lassen Pop-up-Galerien und -installationen bewusst an Un-Orten auftreten, damit sich das Image dort wandelt.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der realen Wirtschaft?

Mittlerweile haben wir uns als Anlaufstelle für beide Seiten etabliert: Die Immobilienwirtschaft hat gesehen, dass das Konzept Kreativität funktioniert. Im Quartier Q6Q7 konnten wir eine Pop-up-Fläche von 500 Quadratmetern unter dem Motto Hometown Glory eine Woche lang mit einem Lifestylemix aus Fashion, Schmuck, Beauty, Kunst und Gastro bespielen. Das war so erfolgreich, dass wir es im Herbst 2018 wiederholt haben. Die Center-Manager rufen mich mittlerweile an: Gibt es temporären Leerstand, können unsere Labels die Flächen in der Zwischenzeit vergünstigt oder sogar mietfrei nutzen und bespielen. So profitieren beide Seiten, manchmal entsteht daraus auch eine langfristige Partnerschaft. Das Label Liebesglück beispielsweise betreibt seinen anfänglichen Pop-up-Store nun regulär im zweiten Jahr.

Was ist für die Zukunft geplant?

Wir wollen unsere Rolle als Kompetenzplattform und Schnittstelle zum Handel noch weiter stärken, das Bewusstsein und Vertrauen im Einzelhandel für junge, kreative Impulse intensivieren und unsere Marken auch überregional positionieren. Ebenso wollen wir die Einbindung der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie die eigene Infrastruktur innerhalb der Stadt forcieren, um somit den Gründerstandort Mannheim für junge und ambitionierte Start-ups aus der ganzen Welt noch attraktiver zu gestalten.

www.startup-mannheim.de