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Sportalm Ulli Ehrlich

Sportalm: „Wir haben noch viel Potenzial!“

Sind die eigenen Wurzeln immer auch Segen? Die Marke Sportalm Kitzbühel kommt traditionell aus der Tracht und aus der Skibekleidung und hat sich darüber hinaus als internationale Modemarke etablieren können. Das 65-jährige Firmenjubiläum nehmen Geschäftsführerin Ulli Ehrlich und style in progress Chefredakteur Stephan Huber zum Anlass, über Erreichtes und künftige Ziele zu sprechen, und darüber, was es heißt, als Frau und fünffache Mutter ein Unternehmen zu leiten.

Vor 15 Jahren haben Sie begonnen, Sportalm Kitzbühel aus der Trachten- und Skiwelt hinaus als Fashionmarke zu positionieren. War die Entscheidung dazu eine Notwendigkeit?

Ulli Ehrlich, Geschäftsführerin Sportalm Kitzbühel: Es war eher intuitives Gespür mit der dazu notwendigen Unbefangenheit, einen solch mutigen Schritt zu gehen. Hätten wir gründlich überlegt und Marketingstudien in Auftrag gegeben, hätten wir es wahrscheinlich gelassen und wären nie so weit gekommen. Es freut uns natürlich sehr, dass es uns geglückt ist, einen einzigartigen Stil in die Welt zu tragen.

Wie gelingt das einem vergleichsweise kleinen Familienunternehmen?

Unsere große Stärke ist unser Werteempfinden und dass wir mit eigenem Produktionsbetrieb und made in Europe auch für Nachhaltigkeit stehen, etwas, für das die Konsumenten immer sensibler werden. Das gibt uns ein gewisses Rüstzeug für die Zukunft.

Ist die Herkunft Tracht und Ski eine Hürde, noch dazu wenn die Marke aus Kitzbühel stammt?

Es kann eine Hürde sein, wenn impliziert wird, dass unsere Mode nur mit Walk oder Loden zu tun hat. Das war aber lediglich anfangs im deutschsprachigen Markt so. Heute stehen wir für eine einzigartige Handschrift im Design. Wir können nur Sportalm und wollen nur Sportalm, wir können unsere DNA nicht verleugnen, zumal immer noch 30 Prozent unseres Umsatzes auf die Skimode entfallen und zehn Prozent auf die Tracht. Unser stärkstes Standbein ist heute die Mode, mit der wir auch international erfolgreich sind, zum Beispiel in Tschechien, wo man uns auf Anhieb als coole Marke wahrgenommen hat, ohne uns auf das Thema Tracht zu reduzieren.

Was der Marke auf lange Sicht zugute kommt, ist der allgemeine Trend in Richtung Sportivität und damit verbunden Funktionalität.

Mit unserem Know-how sind wir in der Lage, Mode und Funktion miteinander glaubwürdig zu verbinden, etwas, was anderen Modemarken schwer oder gar nicht gelingt. Bei einem Sportalm-Parka ist es selbstverständlich, dass er auch mal Wind, Regen oder Schnee aushalten muss. Bei einer Schulung in unserem Showroom hat einer der Verkäufer zu mir gesagt, dass die Daunenjacke der Marke XY viel weicher sei. Weil die Funktion fehlt, habe ich geantwortet, denn sobald man Nylon technologisch ausrüstet, bekommt die Ware mehr Stand. Das hat ihm sofort eingeleuchtet, es war für ihn ein richtiges Aha-Erlebnis.

Gab es auf dem Erfolgsweg auch herausfordernde Phasen?

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im russischen Markt haben uns schon zu schaffen gemacht, zumal der Markt wichtig für uns ist. Gleichzeitig haben wir mit der Insolvenz von Sport Eybl 2014 einen großen Handelskunden verloren. Dass sich beides miteinander verbunden nicht existenziell auf Sportalm ausgewirkt hat, ist der konservativen Finanzpolitik meines Vaters Wilhelm Ehrlich zu verdanken. Wir haben daraufhin alle Kosten einer genauen Prüfung unterzogen, unsere Märkte analysiert und natürlich die Kollektion optimiert. Das hat uns wieder auf Kurs gebracht.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Wir haben noch viel Potenzial sowohl in den bestehenden Märkten als auch in künftigen. Meine Vision: Sportalm Kitzbühel als Lifestylemarke zu etablieren. Auch wenn der Begriff abgedroschen sein mag, kenne ich keinen besseren. Und ich bin überzeugt, dass wir mit unserem Gesamtpaket das Zeug dazu haben. Unsere Heritage, unser Standort Kitzbühel, der für Sportivität und Traditionsverbundenheit mit einem Hauch Glamour steht, verleihen der Marke die Emotion, die es heute braucht, um erfolgreich zu sein. Sei es in China, wo wir aktuell mit unserer Skiwear starten, oder in unseren Stammmärkten, wo wir vorrangig mit unseren Handelspartnern weiter wachsen wollen.

Frauen in Führungspositionen sind selbst in unserer frauendominierten Branche eine Seltenheit. Wären nicht gerade sie prädestiniert, sich in die eigene Zielgruppe stärker einzufühlen?

Es stimmt, es ist nicht logisch, dass Männer Unternehmen führen, in denen es in erster Linie um Frauen geht. Aber als Frau in führender Position zu arbeiten ist schon auch sehr familienfeindlich. Ich selbst habe als Unternehmerin den Luxus der Betreuung meiner fünf Kinder und darüber hinaus die Unterstützung meiner Familie. Außerdem kann ich mir meine Zeit selbst einteilen, ich will bei der Schultheateraufführung oder beim Skirennen dabei sein und ich kann meinen Sohn abholen, wenn ich wie heute morgen einen Anruf von der Schule bekomme, dass er krank ist. In einer Angestelltenfunktion hätte ich diese Flexibilität nicht. Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, wie ich es fände, eine Angestellte wie mich mit fünf Kindern zu haben. Umso größer ist mein Respekt vor alleinerziehenden Müttern, die alles allein stemmen müssen!

Also scheitert die echte Gleichberechtigung auch in unserer Branche an der gläsernen Decke?

Schon. Es mag Firmen wie Google gelingen, den Frauen Kinderbetreuung zu bieten, aber als Modeunternehmen können wir uns das nicht leisten, zumal wir nicht die Gewinnmargen eines Technologieunternehmens haben. Abgesehen vom Thema Kinder stehen die Frauen sich immer noch selbst zu oft im Weg. Männer sagen: „Ich“ und trommeln sich sprichwörtlich auf die Brust. Frauen hingegen sagen: „Wir“ und sind zu bescheiden, die eigene Leistung herauszustellen. Auch ich ertappe mich dabei! Zum Erfolg gehört Unternehmertum und die nötige Risikobereitschaft. Egal, ob Mann oder Frau: Das Glück ist mit den Tüchtigen, und dieses Glück braucht es auch, damit die Saat aufgeht.

Ulli Ehrlich führt das Unternehmen in Kitzbühel in zweiter Generation. Sportalm steht heute vor allem für Mode, ohne je den Markenkern Tracht und Skibekleidung zu verleugnen.

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