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Es braucht Idealismus

Corinna und Kurt Petter haben Phil Petter 1973 gegründet, seit 1999 ist Tochter Anja Grabherr-Petter mit im Unternehmen. Gemeinsam haben sie für ihre Strickkollektion früh auf Werte gesetzt, die heute USP sind: Spezialistentum und Made in Austria.

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„Schnelle Entscheidungen und solide Wurzeln“

Giovanna Furlanetto ist bei Furla als Presidente ranghöchstes Mitglied der Unternehmensleitung. In allen operativen Verantwortungsbereichen mit externen Managern ausgestattet, die Familie im Aufsichtsrat – so hat sich die Marke aus Bologna zum Global Player aufgeschwungen.

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„Wir sind eine Manufaktur, keine Kriegsmaschine“

Geschmack, Kreativität und Handwerklichkeit – mit diesen Werten hat sich Xacus mit Herrenhemden weltweit einen Namen gemacht. Warum es den Söhnen des Gründers jetzt auch Blusen und Sneakers angetan haben, erklärt Paolo Xoccato im Interview mit style in progress.

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„Produkt und Qualität bleiben das Herzstück“

Wanny di Filippo lässt sein Bison vom Zaum: An die Londoner Palamon Capital Partners verkaufte er sein Lebenswerk, um es international voranzutreiben und auszubauen. Mit neuem, hochkarätigem Management soll das gelingen. style in progress sprach mit CEO Sofia Ciucchi.

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Viele Bälle in der Luft

In diesem Jahr feiern das Modehaus Schnitzler und Weitkamp ihr 125-jähriges Jubiläum. Heute denkt Andreas Weitkamp das Familienunternehmen nach vorne, indem er das Bestehende wahrt, ohne jemals stehenzubleiben.

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„Ich brauche einen emotionalen Bezug“

Wie kommt ein Anwalt zu mittlerweile vier Modegeschäften? Aus Leidenschaft: Vor fast zehn Jahren hat Wilfrid Wetzl Casa Moda gekauft und auf drei Standorte ausgebaut. Seit Herbst 2016 ist er zudem Besitzer des von Stephan Lanzer geführten Traditionsgeschäftes Knilli in Graz.

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Über-Nehmer

Was sind die Herausforderungen, was sind die Freuden der Übergabe?

Zweifellos, das Thema Nachfolge im Modefachhandel ist ein besonders heikles. Umso besser, wenn sich ein Nachfolger in der Familie findet, der das eigene Lebenswerk in die Zukunft führt. Unsere Statements stellen jeweils zwei Generationen gegenüber und erzählen von dem Balanceakt, Altes zu bewahren und Neues zu wagen.

 

Stefanie Walser, Geschäftsführerin Modehaus Walser, Hohenems

Reibung erzeugt Energie

„Ich möchte für unseren Store neue Impulse setzen, ohne das Bestehende zu übergehen. Fehler müssen zugelassen werden, gerade im Einkauf ist das sichtbar. Da machen wir beide in jeder Saison unsere Erfahrungen und Fehler, werfen aber dem anderen nicht vor, wenn etwas mal nicht funktioniert. Es muss erlaubt sein, sich einmal ausprobieren zu können! Ich finde es sehr schön, mit meiner Mutter zusammenzuarbeiten. Wir verbringen extrem viel Zeit miteinander, auch außerhalb der Firma, wobei diese eigentlich allgegenwärtig ist. Ich kann von ihrem großen Erfahrungsschatz profitieren. Zum allergrößten Teil läuft es harmonisch ab, auch wenn wir viel diskutieren und gerade in der Anfangszeit unsere Reibereien hatten. Aber das hat immer Energie erzeugt und uns weitergebracht. Gerade jetzt, wo ich selber Mutter werde, schätze ich es umso mehr, dass ich mich 100 Prozent auf sie verlassen kann und die Firma auch während der Babypause mit Herzblut weitergeführt wird.“

 

Inge Walser, Geschäftsführerin Walser Modehaus Walser, Hohenems

Ein Ziel

„Wir ziehen an demselben Strang mit demselben Ziel vor Augen. Dabei sind klar abgegrenzte Aufgaben und Kompetenzverteilung wichtig. Ein respektvoller Umgang miteinander: Die Jungen machen lassen, wobei aber die Meinung der Alten immer noch zählt. Viele Entscheidungen treffen wir gemeinsam, es wird nie etwas umgesetzt, womit der andere nicht leben kann. Wir diskutieren sehr viel über Ausrichtung und Sortiment und finden eigentlich immer einen Konsens. Es hat allerdings seine Zeit gedauert, bis wir ein eingespieltes Team waren und jeder seine Rolle gefunden hat! Es macht Freude, wenn man das Geschäft dem eigenen Kind, in die nächste Generation übergeben kann. Und vor allem, wenn man sieht, dass es damit erfolgreich ist!“

 

Matthias Moser, Geschäftsführer Föger Woman Pure, Telfs

Extremer Wandel

Meine Eltern wollten, dass ich auch außerhalb unseres Unternehmens Erfahrungen sammle. So kam es, dass ich fast zehn Jahre lang für einen internationalen Konzern in vielen Ländern gearbeitet habe. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und die ich als notwendig erachte, um in der heutigen Arbeitswelt bestehen zu können. Ich habe 2015 von meiner Mutter ein über die Grenzen von Österreich hinaus bekanntes, eingeführtes, innovatives Modegeschäft übergeben bekommen, alleine das erfüllt mich mit Stolz! Von ihr habe ich sehr viel lernen können, auch wenn ich manches anders angehe, als sie das früher gehandhabt hätte. Da ich bis vor sechs Jahren in einer anderen Branche tätig war, gibt es sicherlich Menschen, die mir die Fortführung des Damenmodebetriebs nicht zutrauen, aber das spornt mich nur noch mehr an, den Erfolg meiner Mutter in der Jetztzeit und in der Zukunft fortzuführen. Ich denke, es ist immer besser, unterschätzt als überschätzt zu werden! Heute steht mir meine Mutter weiterhin als wohl wichtigste Beraterin zur Verfügung, unsere durch die Übergabe noch viel stärkere berufliche und auch private Verbindung tut auch dem Unternehmen gut. Der extreme Wandel in der Modebranche und im Handel generell ist sicher die größte Herausforderung. Die Einführung des Onlineshops sehe ich als eine wichtige Erweiterung, jedoch glaube ich wie meine Mutter auch an das Bestehen des Offlinegeschäfts. Dabei dürfen wir jedoch das Wichtigste nicht vergessen: Es geht in unserem Business um Menschen und Emotionen. Es braucht zentral und vital die richtigen Berater, Verkäufer, Stylisten, um dem enorm informierten und leider auch reiz- und warenüberfluteten Kunden zu begegnen, dessen Aufmerksamkeit mit viel höherem Aufwand gewonnen werden muss als noch vor einigen Jahren.“

 

Midi Moser-Föger, Föger Woman Pure, Telfs

Der richtige Zeitpunkt

„Man ist meiner Meinung nach gut beraten, zum richtigen Zeitpunkt loszulassen, um auch der nächsten Generation eine Chance zu geben. Ich war bei der Übergabe 66 Jahre alt oder jung!? – und stelle nun mit Freude fest, dass ich mich nun zeitweise meinen privaten Interessen widmen kann. Es macht mich auch glücklich, dass mein Sohn sehr neugierig, fleißig und engagiert ist. Die digitale Herausforderung hat er bereits sehr gut umgesetzt. Ich wäre für dieses Thema nicht mehr bereit gewesen, es hätte mich auch überfordert. Das Geschäftsleben ist eben ein enormer Lernprozess und auch immer wieder ein Risiko. So war es auch in meiner Zeit. Unternehmen kommt von ‚unternehmen‘, und ich bin überzeugt, dass bei guter Führung, Fachkenntnis und großer Bereitschaft, fleißig und innovativ zu arbeiten, der stationäre Handel mit Mode in Kombination mit Online weiterhin eine Zukunft hat. Die Herausforderung des Übergebers ist natürlich innerhalb einer Familie sehr emotional und auch risikoreich. Die Verantwortung für das eigene, erfolgreiche Lebenswerk abzugeben bedarf auch der eigenen Überzeugung, dass der Nachfolger in der Lage ist, unser Modegeschäft in eine gute Zukunft zu führen. Meine Herausforderung dabei war es, mich schrittweise loszulösen. Ich glaube, das Loslassen wird umso schwieriger, je älter man wird. Man sollte den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen.“

 

Sonja Rogger-Furrer, Inhaberin Phänomen Mode & Lifestyle, Phänomen, Luzern

Herausforderung – und Freude

„Für mich ist es eine Mischung aus Freude und Herausforderung, die Verantwortung an meine Töchter Laura und Marina abzugeben. Eine Herausforderung, weil ich meine Arbeit sehr gerne mache, wie zum Beispiel den Einkauf der Menswear. Umso erfreulicher ist es, zu sehen, wie gut neue Ideen und Labels im Einkauf, die ein kleines Wagnis sind und auf die mein Mann und ich vielleicht nicht gekommen wären, funktionieren und unser Sortiment beleben. Ganz klar überwiegt die Freude, zu sehen, wie meine Töchter die Aufgaben voller Freude und Tatendrang übernehmen. Es ist ein gutes Gefühl, dass das, was wir aufgebaut haben, auch in Zukunft Bestand haben wird.“

 

Laura Rogger, Mitglied der Geschäftsleitung Phänomen AG, Phänomen, Luzern

Balance

„Es ist nicht ganz leicht, die Balance zwischen neuen Ideen der jungen Generation und der Erfahrung meiner Eltern zu finden. So haben meine Schwester und ich verschiedene Marken neu eingeführt, von welchen meine Eltern nur wenig begeistert waren, um eine jüngere Kundschaft anzusprechen. Aber einige Marken funktionieren sehr gut und es ist toll, das wir dadurch neue Kunden gewonnen haben, darunter Freunde und Bekannte meiner Schwester und mir. Das wiederum hat meine Eltern gefreut, zu sehen, dass wir ein eigenes Beziehungsnetzwerk aufbauen. Fehler gehören auch dazu: Nicht alle neuen Marken kamen bei unseren Kunden gut an, sodass wir sie wieder aus dem Sortiment nehmen mussten. Wir lernen stetig dazu. Als Familie arbeiten wir sehr eng zusammen, was großen Spaß macht, aber auch zu Reibereien führen kann. Toll ist dann die Bestätigung für uns als Familienunternehmen, wenn wir von allen Seiten, sei es von Kunden, Lieferanten, Freunden oder Mitarbeitern, ein so positives Feedback bekommen.“

 

Nicola Schönherr, Schönherr Boutique und Sporthaus, Neustift im Stubaital

Die Welt sehen

„Für mich war immer klar, dass ich in das Sport- und Modegeschäft meiner Eltern einsteigen will. Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht, daher habe ich früh mit einem Textilbetriebswirtschaftsstudium in Nagold die Weichen gestellt. Ganz wichtig war, dass ich vor dem Heimkommen anderswo tätig war – darin haben mich meine Eltern auch immer bestärkt. Es war uns allen klar, dass ich erst die Welt sehen muss, ehe ich zurückkomme. Dieser andere Blickwinkel, den ich in meiner Zeit im Vertrieb kennen gelernt habe, ist heute sehr nützlich. Als wir dann den Einstieg diskutiert haben, war mein Wunsch, einen eigenen Verantwortungsbereich zu haben. Dem wurde auch entsprochen, indem ich erst die Verantwortung für das Modegeschäft und heute auch für die Hartware des Sportgeschäfts bekommen habe. Ich schätze den Austausch mit meiner Mutter, gerade weil wir uns sehr ähnlich sind. Wir beide sind Alphatiere, das birgt natürlich auch manchmal Reibungspunkte. Aber wir haben eine sehr gute Gesprächskultur und können alles schnell aus der Welt schaffen. Ich sehe die Nachfolge eigentlich rundum positiv, der einzige Nachteil ist vielleicht, dass einen das Geschäftliche zwangsläufig auch ins Private begleitet.“

 

Patricia Schönherr, Schönherr Sporthaus, Neustift im Stubaital

Frei sein lassen

„Wir wollten unsere Kinder immer ganz frei sein lassen – mein Mann und ich haben es selbst anders erlebt, für uns war der Weg in den elterlichen Betrieb bestimmt. Natürlich haben wir uns gefreut, dass Nicola ihren Platz bei Schönherr gefunden hat und ihn mit Begeisterung, Kompetenz und Selbstständigkeit ausfüllt. Ich schätze es sehr, dass mit ihrem Eintritt eine neue Dynamik in den Betrieb gekommen ist und es gibt uns auch neue Freiräume, die wir früher nicht gekannt haben – mal länger wegfahren zum Beispiel. Umgekehrt möchte ich ihr diese Freiräume genauso einräumen, gerade jetzt, wo sie Mutter wird. Ich möchte ihr Zeit für ihr Kind gönnen und trotzdem möglich machen, dass sie im Geschäft ist, wann immer sie es will. Für uns war eine geordnete Übergabe sehr wichtig. Wir haben genaue Regeln definiert, Bereiche abgesteckt und Nicola Schritt für Schritt in alle Felder eingeführt. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, will ich mich in fünf bis sechs Jahren auch aus dem Mode- und Sporthandel zurückziehen und ausschließlich auf unser Hotel konzentrieren.“

 

Anna Pircher, Pircher Moden KG

Erfahrung meets Digitalisierung

Ich bin nun seit zwei Jahren in der Firma und bin glücklich darüber, dass ich all meine theoretischen und praktischen Erfahrungen sowohl aus meinem Studium in Nagold als auch aus meiner bisherigen beruflichen Laufbahn einbringen darf. Ich habe das große Glück, dass meine Mama all meinen Ideen sehr offen begegnet. Wir generieren inzwischen zum Beispiel sehr gute Erfolge mit der Kommunikation über Facebook. Auch die interne Whats-App Gruppe, der alle Mitarbeiter angehören, bringt extreme Dynamik in die Firma und verbindet alle zu einer Einheit. Des Weiteren haben wir gemeinsam eine neue, effiziente Budgetplanung aufgesetzt und somit die Warensteuerung noch einmal deutlich optimiert. Für mich ist es wieder interessant, wie wichtig die jahrelange Erfahrung meiner Mama für die Firma ist. Nur Facebook und andere neue Medien machen ein Unternehmen nämlich längst noch nicht erfolgreich. Am meisten imponiert mir die Führungsqualität meiner Mama – es macht unglaublich viel Spaß, die insgesamt 16 Mitarbeiterinnen unseres Multibrandstores in Ellmau und der Monobrandstores in drei Tiroler Städten jeden Tag so begeistert und motiviert zu sehen.

 

Andrea Pircher, Pircher Moden KG

Meine Sparringpartnerin

Anna ist für mich eine positive Sparringpartnerin: Vier Augen in der Order und am PoS sehen mehr als zwei Augen. Die unbefangene, ehrliche Meinung meiner Tochter bringt neuen Spirit und ihr Input zwingt mich manchmal, alte Pfade zu verlassen, was dem Business insgesamt sehr gut tut und sich oft als richtig herausstellt. Ohne das Eintreten meiner Tochter wäre nicht so viel Dynamik in der Firma entstanden und wir hätten das neue Format der Pircher Moden KG, einen Multilabelladen im Saisonstandort Ellmau, sicherlich nicht eröffnet. Als ich vor 35 Jahren in der Branche startete, habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht – und das ist heute noch so und ich spüre, dass das bei Anna jetzt gleich ist. Das verbindet uns. Wir reden gerne und oft auch privat über das Business, denn unser Business macht uns ja Spaß. In dieser Atmosphäre, auch gemeinsam mit unseren jeweiligen Partnern, die auch in der Modebranche tätig sind, entstehen die besten Ideen.

 

Gustav Schauer, Schauer Moden, Bad Ischl

Vision

„Auch ich habe das Geschäft von meinen Eltern übernommen und aus diesen Erfahrungen gelernt. Das Schwierigste ist vielleicht, die Spannung zwischen Tradition und Zeitgeist aufzulösen. Bekleidung und Mode müssen ja am Puls der Zeit bleiben. Trotzdem macht die Geschichte unseres Unternehmens einen guten Teil seiner Identität aus. Wann immer ich versucht war, Pläne und Entscheidungen von Angelika zu bezweifeln, musste ich mich nur daran erinnern, wir haben es damals nicht anders gemacht: Mit der Zeit gehen und an den Aufgaben wachsen, die eigene Vision entwickeln und verwirklichen.“

 

Angelika Schauer, Geschäftsführerin Schauer Moden, Bad Ischl

Zeitgeist

„Mein Vater spielt da natürlich auf das Damenmodehaus PoeSie 1895 an. Das war meine große, selbst gestellte Herausforderung. Obwohl es für Bad Ischl wirklich etwas ganz Neues war und ist, habe ich im Grunde die von meinen Vorgängern begonnene Strategie fortgesetzt. Die nämlich, an den ersten Adressen der Stadt zeitgeistige Ergänzungen zu Bestehendem zu kreieren. Ich bin stolz und natürlich dankbar, dass meine Eltern diesen Weg mitgegangen sind und mich darin unterstützen, sowohl in der Mode als auch in der Tracht ein bisschen mehr Internationalität nach Bad Ischl zu bringen. Trotzdem ist das Unternehmen mehr als ein modischer Textilhandel: Das Handwerk, für das ich meinen Vater immer bewundert habe, bleibt ein fester Bestandteil von Vergangenheit und Zukunft.“

Text: Martina Müllner-Seybold, Nicoletta Schaper. Illustrationen: Claudia Meitert

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„I need a change“

Seit 27 Jahren ist Klaudia Burger mit Slips ein fester Begriff in Münchens Einzelhandelslandschaft. Wenn sie im Juni die Pforten ihres Ladens am Gärtnerplatz für immer schließt, tut sie das am Höhepunkt ihres Erfolges. Aus gutem Grund.

„Es ist verrückt, seit die Preise rot sind, geht es bei uns zu wie in einem Bienenstock.“ Im März hat Klaudia Burger den Räumungsverkauf eingeläutet, Mitte April war das Lager leergefegt, bis Juni will sie sich Zeit für den Abschied gönnen. „Freilich löst diese Entscheidung viel Emotion aus, aber ich freue mich auf die Veränderung.“ Weiterlesen