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Nous: Der Anfang der Ära Wir

Colette ist tot – es lebe das Wir! Unweit des alten Stores haben ehemalige Mitarbeiter des Pariser Kultladens in der Rue Cambon ein neues Retailkonzept für Männer eröffnet, das Streetwear, Luxus und Technik verbindet.

Das Ende einer Ära – besser kann man die Schließung des Pariser Conceptstores Colette nicht beschreiben, der Jahrzehnte lang ein internationaler Fixstern in der Modeindustrie und Vorreiter innovativer Retailkonzepte war. Die namensgebende Gründerin Colette Rousseaux ist vergangenen Dezember in Rente gegangen und ihre Tochter und Nachfolgerin Sarah Andelman, zuletzt Kreativdirektorin von Colette, ist mit ihrem neuen Projekt Just An Idea in das lukrative Geschäft der Beratung eingestiegen. Das Kultgeschäft wurde so schmerzlich vermisst, dass – so heißt es – ein loyaler europäischer Colette-Kunde bald in einen Quasinachfolger investiert haben soll. Pünktlich zur Männermodewoche, nur einige Wochen nach der Schließung wurde im Januar 2018 der neue Conceptstore Nous, zu deutsch „Wir“, von ehemaligen Colette-Mitarberitern erdacht und geführt, eröffnet.

An der Spitze stehen Sébastien Chapelle, der 14 Jahre lang für das Uhrensortiment und die Technikabteilung von Colette verantwortlich war, und Marvin Dein, der neun Jahre lang den Streetwearbereich gestaltete. Mit der Expertise der Gründer richtet sich das neue Konzept vornehmlich an Mann, aber ein Großteil des Sortiments ist durchaus unisex-tauglich. Mit Sichtbeton, edelstählernen und schwarzen Interieurs wurden die 150 Quadratmeter als White Cube gestaltet: Verantwortlich zeichnet die Pariser Architekturagentur Atelier HA.

Bekanntes Konzept und eigene Handschrift

Wenn auch spitzer, ist die Blaupause doch Colette: Im Sportswear-fokussierten Sortiment gibt es High-End-Luxus ebenso wie erschwingliche Souvenirs: Kollektionen bekannter Marken wie Nike und Balenciaga hängen neben Newcomern wie dem Modekollektiv Rokit aus Los Angeles, es gibt Sondereditionen von Converse und Vans, Casio-Uhren für 100 Euro neben Rolex-Sondermodellen für 51.000 Euro, dazu kulinarische Mitbringsel wie Champagner mit Cannabisgeschmack, Indie-Magazine, Handyhüllen, Kameras sowie Marken, die von Colette übernommen wurden wie etwa Sonnenbrillen von Thierry Lasry und Illesteva, Kerzen von Mizensir oder Schmuck von Eyefunny.

Mode- und Lifestyle-Afficionadas scheinen jedenfalls nur darauf gewartet zu haben: Schon zum Soft-Opening standen die ersten Kunden Schlange, um zur ersten Stunde – die mit dem Launch des OnePlus 5T Android-Smartphones zelebriert wurde – dabei zu sein. Nous hat nicht nur das Colette-Konzept revitalisiert, es trifft auch mit den Sondereditionen und dem Fokus auf Sportswear genau den Zeitgeist. Und nicht nur Konzept und Marken könnten dem einen oder anderen Colette-Kunden bekannt vorkommen: Viele Mitarbeiter des alten Stores wurden übernommen – von den Verkaufsberatern bis hin zu den Sicherheitsmännern. Es bleibt also nicht nur konzeptuell, sondern auch auf ganz persönlicher Ebene vieles Neue beim Alten.