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Der weite Horizont des Gebirgsstätters

Markus Meindl

Der Meindl-Flagshipstore in Salzburg gibt einen Ausblick auf das internationale Potenzial der Marke.

Die Eröffnung des Meindl Stores in Salzburg ist sinnbildlich auch der Beginn eines neuen großen Kapitels in eurer Firmengeschichte.

Ich erfülle mir mit diesem Store einen langjährigen Traum und sehe ihn tatsächlich als Milestone. Wir wollen hier im Herzen Salzburgs unsere Marke in ihrer Gesamtheit präsentieren. Wir wollen zeigen, was wir alles können, wie wir unsere Werte leben und in hochwertige Produkte übersetzen und „Authentic Luxury“ erlebbar machen. Das gilt auch für das komplett selbst entwickelte Design des Stores, das wir ausschließlich mit Handwerksbetrieben aus der Region realisiert haben. Zeitlos, nachhaltig und gleichzeitig zukunftsorientiert.

Gleichzeitig zeigt ihr hier in Salzburg auch, dass Meindl für weit mehr als für Tracht im oft missverstandenen Sinn steht. Habt ihr vor, das auch auf internationaler Ebene weiterzuentwickeln?

Das schließen wir auf jeden Fall nicht aus. Wir sehen diesen Store als gute Blaupause für zukünftige Projekte. Wir wollen lernen, Erfahrungen sammeln und auf dieser Basis die nächsten Schritte überlegen. Das war schon immer unser Weg. Ein Beispiel: Der „Gebirgsstätter“ ist ein Begriff, den ich schon vor 20 Jahren als Marke eintragen lassen habe. Er beschreibt das Spannungsfeld zwischen der Stadt und dem Gebirge, zwischen Urbanität und der archaischen Natur als Sehnsuchtsort – eigentlich ist dieses Thema heute aktueller denn je. Und in eben diesem Spannungsfeld bewegen wir uns mit Meindl. Das tolle an diesem Standort ist, dass wir uns hier auch auf internationaler Ebene mit Marken wie Prada oder Luis Vuitton messen können. Das ist sehr spannend für uns.

Markus Meindl
Markus Meindl eröffnet in Salzburg nicht nur einen Store – er öffnet seine und die Welt seiner Marke.

Viele wissen beispielsweise nicht, dass zur Meindl-Welt auch eine sehr breite Palette von Accessoires und Möbeln gehört. Werdet ihr das in Zukunft stärker kommunizieren?

Das werden wir hier im Store zeigen und die Reaktionen darauf live miterleben und daraus unsere Schlüsse ziehen. Klar ist, dass wir die Marke intelligent weiterentwickeln. Dazu gehören auch neue Produktgruppen. Es wird auch regelmäßig Kooperationen mit großen internationalen Marken geben. Vergleichbar mit dem großartigen Erfolg, den wir gemeinsam mit Hublot feiern konnten.

Der Store soll plastikfrei sein?

Ja, das ziehen wir durch. Generell versuchen wir schon immer, so ressourcenschonend wie möglich zu arbeiten. Die gesamte Industrie, aber auch jeder Einzelne ist aufgerufen, sich diesem Zukunftsthema zu stellen.

Durch den Qualitätsanspruch eurer Produkte habt ihr auch einen sehr hohen Anspruch an die Servicequalität. War es schwer, das richtige Personal zu finden?

Die Leute, die wir hier in Salzburg neu angestellt haben, haben wir zuvor vier Monate in Kirchanschöring geschult. Wir haben sie sehr sorgfältig ausgewählt und ausgebildet und schon früh auch über unsere eigenen Netzwerke gesucht. Viele kamen auch auf persönliche Empfehlung. Der gute Name der Marke hat uns dabei enorm in die Karten gespielt.

Und wie sieht es mit den Facharbeitern in der Produktion aus? Meindl-Produkte setzen ja auch hier ein großes Know-how voraus. Wie schwierig ist es, die Produktion mit guten Leuten zu besetzten – jetzt und in Zukunft?

Das ist eine Herausforderung. Wenn wir in der Fertigung nicht schon sehr früh angefangen hätten, aktiv beispielsweise in Ungarn oder Kroatien Fachkräfte zu suchen, die wir dann mit Familienanschluss und Wohngelegenheit zu uns holen, hätten wir wohl ein Problem. Aber weil es den Leuten bei uns gut gefällt und wir dadurch auch einen gewissen Zulauf haben, haben wir vorerst dem Engpass in der Produktion vorgebeugt.

In Deutschland und Österreich würde man sie nicht mehr finden?

Das ist nach wie vor schwierig. Sehr lange wurde den jungen Menschen zum Wert des Handwerks und der Berufsausbildung ein völlig falsches, negatives Bild vermittelt. Auf der anderen Seite haben wir jetzt schon die zweite Gymnasiastin, die nach dem Abitur bei uns eine Schneiderlehre absolviert. Das ist ideal. Denn es ist eine wirklich bewusste Entscheidung. Teilweise finden wir auch Quereinsteiger aus anderen Unternehmen. Es gibt sie noch, die guten Leute. Aber man muss auch als Unternehmen etwas bieten. Und im Zuge des Trends, der uns gerade überall begegnet, dass man sich wieder dafür interessiert, woher ein Produkt kommt, wie es produziert wurde und was dahintersteht, gewinnt auch die Ausbildung im Handwerk wieder an Bedeutung.

Ihr habt ja auch mit Flüchtlingen gearbeitet. Wie waren die Erfahrungen?

Gut, teilweise sogar sehr gut. Wir hatten Mitarbeiter in der Näherei und im Zuschnitt, die wir mit einer gewissen Vorbildung übernommen haben. Für mich ist nicht nur die fachliche, sondern vor allem die soziale Kompetenz der Mitarbeiter entscheidend. Das wird oft unterschätzt, ist aber die Basis des gemeinsamen Erfolges.