,

G-Lab: „Mitunter waren wir zu früh“

style in progress | G-Lab

Schon zum Start vor neun Jahren hat G-Lab auf intelligente Textilien in Kombination mit urbanem Design gesetzt. Was heute unter der Athleisure-Flagge ganz selbstverständlich ist, nämlich Mode und Funktion zu verbinden, war für G-Lab erst mal ein Ackerboden, der bestellt werden musste. Doch nicht nur der Markt ist jetzt reif dafür: Wie G-Lab zu einer besseren Version seiner selbst wurde, erzählt Gründer Björn Gericke im Interview.

2008, als ihr gestartet sind, war es ganz schön verrückt, was ihr gemacht habt: Eine urbane Jackenkollektion, die mit ganz viel Funktion und Features überzeugt, aber diese stilistisch nie in den Vordergrund stellt.

Ja, und mitunter waren wir damals zu früh. Mein Hintergrund hat es förmlich herausgefordert, die Erkenntnisse aus dem Sport oder dem Motorradbereich auch in eine urbane, moderne Jackenkollektion zu übersetzen. Wir sind aber erst Mal in einer falschen Schublade gelandet, die Funktionalität hat den Fashionhandel überfordert, der brauchte die gar nicht. Eine Jacke musste gut aussehen und fertig. In den letzten vier bis fünf Jahren hat sich das stark gewandelt, nicht nur der Trend, sondern auch die Erwartungshaltung des Konsumenten. Die Leute haben Lust auf Dinge, die im Alltag funktionieren. Das darf trotzdem nicht in einem Hangtag-Weihnachtsbaum enden. Das Storytelling von moderner Funktion braucht andere Ansätze.

Die da sind?

Wir haben unsere Marke vor zwei Jahren optisch komplett neu aufgestellt. Neues Logo, neues Erscheinungsbild, viel modischer als früher. Damit konnten wir jetzt auch Kunden überzeugen, die früher nicht für uns offen waren. Das zeigt uns sehr deutlich, dass diese USPs – und selbstverständlich ist G-Lab weiterhin eine funktionale Jacke –, von denen wir dachten, sie wären wahnsinnig wichtig, eigentlich in der Kommunikation zurückgenommen werden mussten. Erst der Fokus auf unsere modische Kompetenz hat den Wandel gebracht.

Sprecht ihr heute nicht mehr über Funktion?

Doch, aber unser Ansatz ist konzeptionell ein anderer. Ich glaube auch, dass wir einer der wenigen Hersteller sind, die wirklich konsequent sind. Funktion heißt nämlich nicht, dass ich zur Show zwei Nähte tape, um den futuristischen Look zu bekommen, Funktion heißt, dass ich alle Nähte tape und man es im besten Fall gar nicht sieht. Wir gehen heute anders an die Sache heran: Wir haben eine Idee, die aus der Fashion kommt, und veredeln diese mit Funktion. Das heißt, dass wir ganz viel experimentieren, viel mutiger und radikaler sourcen. Wir finden einen tollen Wollstoff und setzen danach alles daran, ihn zu laminieren. Manchmal klappt das, ganz oft läuft die Mühe auch ins Leere, es ist ein permanenter Trial-and-Error-Prozess. Aber das ist es absolut Wert!

Was inspiriert euch bei der Kollektionserstellung von G-Lab?

Ich bin gerne in Japan, weil es da viele Labels mit ganz konzeptionellen Ansätzen gibt, diese tiefe Auseinandersetzung mit der Materie ist spannend und inspirierend. Aber für unseren Markt gilt es, einfach mit offenen Augen durch die Straßen zu gehen, darüber nachzudenken, für welche Anlässe man seine Bekleidung wirklich braucht. Und dann heißt es: Nie zufrieden sein, immer noch einen anderen oder besseren Weg suchen, nie stillstehen. Aber: Egal, wie tief man während der Recherche in Details abtaucht, Funktion darf nie Selbstzweck werden.