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„Es wird nie ein zweites Colette geben.“

„Es wird nie ein zweites Colette geben.“

„Es gibt keine Zauberformel. Ich muss einfach jeden Tag im Laden sein, fokussiert bleiben und auf meine Kunden hören.“

Sarah Andelman ist eine der einflussreichsten Einkäuferinnen der Welt. Sie hat sich die Leitung von Colette, dem Conceptstore in Paris, zur Lebensaufgabe gemacht und die Adresse in der Rue St. Honoré im ersten Arrondissement in das ultimative Shopping-Mekka verwandelt. Menschen aus aller Herren Länder pilgern in ihr Geschäft, um zu sehen was Sarah Andelman auf ihren Reisen in die Modemetropolen der Welt Wert befunden hat, einzukaufen. Colette listet nur Kleidung direkt vom Laufsteg, die Boutique ist Pionier in Bezug auf exklusive Kooperationen mit namhaften Designerlabels wie Dior, aber auch mit Avantgardisten wie Raf Simons. Andelman ist für ihre recht zurückhaltende Art bekannt. Sie lässt lieber ihren Store für sich selbst und ihre Arbeit sprechen. style in progress hat es geschafft, im Exklusivinterview mit ihr über Verschiebungen im Modeeinzel- und Onlinehandel zu sprechen, aber auch um mehr über jene Erfolgsformeln zu erfahren, die sicherstellen, dass sie in diesem so hart umkämpften Markt immer einen Schritt voraus ist.

Designer, Marken, die Presse, Einkäufer und jetzt die breite Öffentlichkeit… In den 1980er-Jahren war die Presse das Maß aller Dinge, in den 1990er-Jahren folgten die Designer und dann die Marken selbst. Wer hat ihrer Meinung nach heute das Sagen?

Ich glaube, die breite Öffentlichkeit hat jetzt am meisten Einfluss. Soziale Medien haben die Spielregeln auf den Kopf gestellt. Aber für uns Einzelhändler war der Kunde ja immer schon König. Wenn wir nichts verkaufen, sterben wir.

Wenn die breite Öffentlichkeit so viel Einfluss hat, hat sich das Profil des Einkäufers verändert? Kaufen Sie heute, was der Mehrheit gefällt?

Auf uns trifft das nicht zu. Mein erster Gedanke gilt immer unserer Identität und unserem Anspruch, anders als alle anderen zu sein. Wir müssen unsere Kunden überraschen. Aber es gibt spannende Konzepte da draußen. Ich finde den Onlinehändler Moda Operandi besonders interessant. Er befriedigt den Wunsch der Konsumenten, direkt ab Laufsteg einzukaufen (Anmerkung der Redaktion: Moda Operandi ist ein Onlinehändler, der Deals mit Designermarken aushandelt und deren gesamte Kollektion einen Tag nach Präsentation auf dem Laufsteg, also vier bis sechs Monate vor anderen Geschäften, verkauft). Es bedient Fashion Victims und ich weiß, dass es davon sehr viele gibt. Das ist also ein exzellentes Beispiel dafür, wie ein Konsumentenbedürfnis sich in einer Geschäftsidee manifestieren kann. Aber nochmals, auf uns trifft das eben nicht zu.

Ist es also gut, dass eine so exklusive Industrie sich dem Konsumenten öffnet?

Oh ja. Ich freue mich darüber, dass immer mehr Leute junge Marken wahrnehmen. Wir sollten auch nicht vergessen, dass Designer und Marken viel Geld für ihre Shows ausgeben. Demnach ist es durchaus positiv, dass sich die Reichweite dieser Shows erhöht.

Haben es junge Designer in diesem neuen Umfeld einfacher?

Es ist auf jeden Fall einfacher, Menschen zu erreichen und sich einen Namen zu machen. Meiner Meinung nach kommt es am Ende des Tages aber immer auf dieselben entscheidenden Faktoren an: Talent und ein gutes Netzwerk. Ich bin immer noch überrascht wie schnell Vetements eine Erfolgsgeschichte wurde. Nach der Präsentation der ersten Kollektion ging ich in den Showroom und bestellte. Und wissen Sie was? Die Kollektion war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und sie konnten nicht nachliefern. Sie waren einfach nicht auf so einen schnellen Erfolg vorbereitet.

Und Vetements für Balenciaga?

Balenciaga ist eine Marke, die wir nie im Angebot hatten. Während Nicolas Ghesquière dort war, gab es immer einen Exklusivvertrag mit Maria Luisa (Anmerkung der Redaktion: Eine bekannte Pariser Einzelhändlerin mit einer engen Verbindung zu John Galliano etc., die erst kürzlich verstorben ist), also hatten wir die Marke nie bei uns. Wang war toll, aber ein Haus mit so viel Geschichte könnte einen besseren Job machen. Ich bin also neugierig, wie Vetements funktioniert.

Lassen Sie uns über andere Social-Media-Hypes sprechen. Zum Beispiel Balmains Olivier Rousteing und seine H-&-M-Kollektion. Was denken Sie darüber? Ist das ärgerlich, einfach Zeichen der Zeit oder schon Popkultur?

Ich sehe mich selbst als Arbeiterin im Modezirkus. Es bereitet mir also schon Kopfzerbrechen, wenn ich eine Show besuchen will und der VIP-Eingang ist heute größer als der Eingang für Einkäufer. Ich hatte kürzlich Probleme, bei einer Givenchy-Show überhaupt hineinzukommen. Ich finde es ist für eine Marke peinlich, wenn die VIP-Kultur wichtiger als die Mode selbst ist. Ich verstehe schon, dass es helfen kann, eine Kollektion zu pushen, aber Marken müssen vorsichtiger sein, wenn sie denken, dass Reichweite wichtiger als Respekt für ihre Kunden ist. Und wenn sie mich nach meiner Meinung zu dieser Kooperation von Balmain und H&M fragen: Ich habe die Fotos gesehen, auf denen die Polizei bei den Warteschlangen vor den Läden einschreiten musste. Aggressives Verhalten und hässliche Szenen – ich denke solche Bilder sind für H&M und Balmain nicht positiv. Manchmal ist genug einfach wirklich genug.

Welche Kultur spiegelt das wider?

Mir ist es wichtig, klarzustellen, dass Colette die Popkultur liebt. Wir haben immer schon Candy and Lollipops, wie ich es nenne, denselben Raum und dieselbe Aufmerksamkeit wie der Mode gewidmet. Wir lieben Warhol, aber ich bin mir nicht sicher, ob solch chaotische Szenen noch etwas mit Popkultur zu tun haben.

Was waren denn die verrücktesten Warteschlangen vor dem Colette Store?

Wir richten die Warteschlange immer in Richtung der Rue Rivoli aus, um sicherzustellen, dass die anderen Geschäfte in der Rue St. Honoré nicht gestört werden. Kate Moss for Topshop erzeugte riesigen Andrang, genau wie die Apple Watch. Aber auch eine Autogrammstunde mit Scott Schumann von The Satorialist kann eine lange Warteschlange verursachen. Noch verrückter war sicherlich die Markteinführung des Parfüms von Zlatan Ibrahimovic, dem PSG-Star. Das war ein regelrechter Sturm. Wir mussten allerdings erst ein Mal das Geschäft schließen, und zwar für den kanadischen Rapper Drake. Wir waren darauf nicht vorbereitet. Er war damals noch nicht so berühmt, als wir eine limitierte Kollektion mit ihm auf den Markt brachten. Wir haben einfach nicht mit so einem verrückten Ansturm gerechnet.

Colette und Kooperationen – das ist mittlerweile Kult. Welche Kooperationen sind Ihnen in besonderer Erinnerung?

Oh wow, das sind so viele. Erinnern Sie sich an die Zeit, als es auf der Rue St. Honoré noch eine Tankstelle gab? Dort ist jetzt ein Balenciaga-Geschäft. Wir organisierten in der Tankstelle einen Pop-up-Store für Chanel. Karl und das Chanel-Team überließen uns die gesamte Organisation. Wir ließen also Yazbukey eine Karl-Lagerfeld-Brosche kreieren und andere ausgefallene Dinge. Ein weiteres Highlight war der Hermès-Pop-up-Store in unserem Colette-Geschäft. Hermès verkaufte sein Seidentücher und eines war im in Colette-Blau. Oh ja, es gab so viele besondere Momente. Wir legen immer Wert darauf, dass eine Kooperation nicht einfach nur ein Produkt mit dem Colette-Logo drauf ist. Es muss ein Produkt sein, das für sich alleine steht. Eines der größeren Projekte der Zukunft ist eine Kooperation mit Coach. Sie haben ihre Kunden aufgefordert, Vintage-Taschen im ganzen Land zu sammeln. Das Projekt steht bald bei Colette an.

Ist das das Geheimnis ihres anhaltenden Erfolgs?

Ich glaube, es gibt eine gewisse Erwartungshaltung. Leute erwarten, hier etwas Besonderes zu finden. Zum Beispiel: Bei der Zusammenarbeit mit Ladurée wollten wir einen der legendären Macarons mit Barbapapa-Geschmack. Ihr Patisseriemeister willigte ein und machte sich sofort an die Arbeit. Das ist doch verrückt, nicht wahr? Unser zweiter Macaron mit ihnen war ein Projekt mit Pharrell Williams. Er wollte eine Makrone mit Oreo-Cookies-Geschmack. All diese verrückten Ideen können bei uns Wirklichkeit werden.

Die italienische Prada-Gruppe hat im März 2014 die Mehrheit an Pasticceria Marchesi, einer historischen Konditorei, erworben. Während der Fashionweek eröffnete dann der erste Pasticceria Marchesi Flagshipstore unter der Führung von Prada in der Via Montenapoleone. Ist diese Verbindung von Essen und Mode ein neuer Trend?

Mode kann so viele Dinge beeinflussen. Ich freue mich sehr, dass die Modewelt sich jetzt fürs Essen interessiert. Und um ehrlich zu sein, wenn ich reise, besuche ich ausschließlich Lebensmittelgeschäfte.

Sie genießen in der Branche einen legendären Ruf. Wenn Sie etwas kaufen, dann hat es das Potenzial eine It-Marke zu werden. Beeinflusst Sie das?

Ganz und gar nicht. Ich kaufe, was ich mag. Das ist alles. Ich könnte es auch nicht anders tun.

Was mögen Sie denn nicht?

Einige Marken liefern wirklich schlecht aus, solche Marken kaufe ich also nicht mehr, auch wenn ich sie unter Umständen mag. Andere Marken erneuern ihren Auftritt über den Zeitraum von ein paar Saisons einfach nicht genug. Auch die lassen wir fallen und kaufen sie nicht mehr. Eine Saison habe ich die Raf Simons Männerkollektion nicht geordert und er war unglaublich verärgert. Die Dinge ändern sich ununterbrochen. Diese Saison haben wir zum Beispiel nicht bei Fendi bestellt.

Wer überbringt die schlechte Nachricht?

Oh, das mache schon ich. Wir sind einfach sehr realistisch und ehrlich in dieser Hinsicht. Das bedeutet ja nicht, dass sich die Dinge nicht wieder ändern. Es ist wichtig für unsere Kunden, dass sie spüren, dass es eine lebendige Landschaft von Marken ist, die wir kaufen.

Resort, Spring, Summer, Pre-Collection, Autumn, Winter, Flash… Es gibt so unglaublich viele Kollektionen. Wie sehen sie dieses Thema?

Für uns ist das perfekt. Immerhin bedeutet das, dass wir immer neue Produkte im Store haben und das ist ja, was wirklich zählt. Aber ich betone, dass die Hauptkollektion, die auf dem Laufsteg gezeigt wird, die wichtigste für uns ist. Wir wollen unseren Kunden ein vollkommenes Modeerlebnis bieten und kaufen dazu auch oft Teile, die sich nur schwer verkaufen lassen. Aufgrund der Entwicklung, die mit Websites wie Moda Operandi begann und jetzt von Burberry und Tom Ford vorangetrieben wurde, gibt es immer mehr Marken, die auch bei uns schon kurz nach der Show erhältlich sind. Wir bieten das jetzt mit Marken wie Versus by Vaccarello, Loewe und Moschino by Jeremy Scott. Da wird sicher noch mehr kommen, es läuft gut. Außerdem bieten uns immer mehr Marken heute eine Capsule-Kolektion gleich nach der Show an.

Was ist ihre neueste Entdeckung?

Im Moment mag ich Simone Rocha sehr. Was J. W. Anderson für sein eigenes Label und mit Loewe macht, ist einfach unglaublich. Das macht Mode so spannend. Es kommen immer neue Talente nach, da staunt man in Ehrfurcht. In der Vergangenheit habe ich die Rodarte-Macherinnen verehrt, auch wenn wir dort momentan nicht bestellen. Wir hatten schon immer ein Naheverhältnis zu Jeremy Scott und Julien David liegt mir auch sehr am Herzen.

Wie sehen Sie Simons Rückzug von Dior?

Ich kann nur sagen: Sehen Sie sich Karl Lagerfeld an. Gibt es einen Menschen, der mehr arbeitet als er? Ich denke, dass alle Designer sich der Tatsache bewusst sein sollten, dass ihre Arbeit viel Engagement verlangt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Haben Sie irgendwelche Ideen in Bezug auf den nächsten Designer?

Ich finde Erdem würde dort einen tollen Job machen. Er ist wirklich sehr gut.

In einer Zeit in der all dieselben Kritiken lesen, dieselben Blogs aufrufen und dieselben Fotos auf Instagram sehen. Wie entscheiden Sie, was Sie wollen?

Es ist eigentlich recht einfach. Während der Saison habe ich nicht die Zeit, WWD zu lesen, also folge ich einfach meinen Instinkten. Am Ende des Tages habe ich dann oft trotzdem das Gefühl, nicht genug Termine wahrgenommen zu haben.

Haben Ihre Instinkte jemals so richtig falsch gelegen?

Klopf auf Holz! Bis jetzt habe ich noch nichts gekauft, was sich gar nicht verkaufen ließ. Ich hatte wohl Glück. Wenn sie mir vor einem Jahr gesagt hätten, dass Gucci ein Comeback feiern wird, dann hätte ich Sie für verrückt erklärt. Aber als ich die Bilder von Alessandro Micheles ersten Shows online sah und den pelzgefütterten Gucci-Loafer erspähte, war mir sofort klar, dass die Marke wieder zurück ist. Wir haben eine riesige Order geschrieben und waren sofort ausverkauft.

Gibt es für sie ein Preislimit nach oben?

Nein, gar nicht. Wenn das Produkt gut ist, dann kaufen es die Leute auch, egal wie verrückt teuer es ist.

Ich würde gerne noch ein wenig über die Kooperationen sprechen. Fehlt in der Hinsicht noch etwas? Vielleicht ein Auto, oder eine Airline …?

Wenn Sie so fragen, wir haben schon einen Aston Martin und einen Smart gemacht. Und bezüglich Airlines habe ich eine tolle Geschichte für Sie. Ich fliege immer mit La Compagnie nach New York, weil sie ein Business Class Shuttle zwischen New York und Paris anbieten. Als ich vergangenen September – nach den Fashion Shows – wieder aus New York abreisen wollte, steckte ich in einem schrecklichen Stau in der Broome Street. Ich wollte aber so schnell wie möglich nach Hause, also fing ich an in meinen Instagram Postings zu betteln, dass sie auf mich warten. Man glaubt es kaum, ich kam schließlich 20 Minuten vor Abflug am Flughafen an und sie hatten tatsächlich auf mich gewartet. Ich war natürlich überglücklich und dankbar, was ich mit noch mehr Postings zum Ausdruck brachte. Ein paar Tage später traten sie an uns heran und jetzt planen wir gemeinsam einen Skiclub in den Catskills. Wir werden eine ausgewählte Gruppe von Colette-Fans mit La Compagnie nach New York fliegen und ihren Aufenthalt dort in eine einzigartige Colette Experience verwandeln. Das ist was Neues bei Colette: Wir bringen Leute in Yoga-Kurse oder laden sie zum Surfen ein. Wir wollen sie eine Colette Experience außerhalb des Stores erleben lassen. Wir haben uns zum Beispiel mit Quiksilver und Julien David zusammengetan, um Kunden in Biarritz das Surfen beizubringen. Es war ein unglaublicher Erfolg und jetzt wollen wir dasselbe mit Skifahren machen. Da haben Sie also den Beweis; nicht einmal der Himmel setzt uns Grenzen.

Erzählen Sie mir noch einmal, was mit Saint Laurent und Hedi Slimane passiert ist?

Das ist immer noch ein heikles Thema. Wir haben Hedi von Anfang an unterstützt, seit seinen ersten Männerkollektionen für Yves Saint Laurent. Wir haben ihn natürlich auch während seiner Zeit bei Dior Homme unterstützt, ebenso seine Bücher und sogar die Möbelkollektion, die er mit Cappelini entwickelt hat. Dann haben wir Saint Laurent aufgenommen und hatten schon Pläne für die Schaufenster gemacht. Wie Sie sicher wissen, lieben wir es bei Colette, T-Shirts zu verkaufen. Wir hatten diese echt witzigen Shirts mit dem Aufdruck „Ain’t Laurent without Yves“. Hedi wurde so wütend, dass er unsere Zusammenarbeit aufgekündigt hat. Und lassen Sie mich eines klarstellen, das war ein großer Teil unseres Geschäfts. Ich bin immer noch bestürzt.

Erzählen Sie mir mehr über ihre E-Commerce-Aktivitäten.

Das entwickelt sich, wir bedienen Kunden rund um den Globus und E-Commerce steuert 20 Prozent zu unserem Umsatz bei. Wissen sie, wir haben nur dieses eine Geschäft. Wir kriegen regelmäßig Angebote, unser Unternehmen auszubauen, aber wir glauben an die Strategie, uns auf eine Location zu konzentrieren. Es ist einzigartig. Wir hatten einmal mit Comme des Garçons einen Pop-up-Store in Tokio. Ich bin ein paar Mal hingeflogen, aber ich war nie besonders glücklich damit. Daher kann ich mit Sicherheit sagen, dass es nie ein zweites Colette geben wird.

Sehen Sie sich eigentlich noch als Laden, der von Kopf bis Fuß einkleiden will, oder ist Ihr Service der der Selektion?

 Ich mag die Idee, alle glücklich machen zu können: eine ältere Dame, ein junges Mädchen, einen Teenager … Sie können auf einen Kaffee vorbeischauen, eine CD kaufen oder ein Kunstwerk aus unserer Galerie erstehen. Wir befriedigen eine ganze Reihe von Bedürfnissen.

Welche Rolle spielt die Galerie?

Wissen Sie, es bereitet mir Freude die Künstler kennen zu lernen. Das ist alles.

Als Einzelhändlerin, verraten Sie uns einige Ihrer Geheimnisse? Beleuchtung, Musik, Personal …?

Unsere Mitarbeiter kommen aus aller Herren Länder, wir achten auf alles im Laden und wir verändern uns ständig. Letzte Woche hatten wir ein richtig schönes Schaufenster mit Burton Snowboards. Einen Tag später entschieden wir, Kunstschnee hinzuzufügen. Dann änderten wir die Beleuchtung wieder ein wenig. Es gibt keine Zauberformel. Ich muss einfach jeden Tag im Laden sein, fokussiert bleiben und auf meine Kunden hören. Man darf Erfolg niemals als etwas Selbstverständliches sehen. Wir arbeiten hart hier.

Letzte Frage: Kennen Sie Ihren besten Kunden?

Ja. Das ist Karl Lagerfeld. Er kommt einmal pro Woche und kauft ordentlich ein.

Müssen Sie für ihn nicht das Geschäft schließen?

Ganz und gar nicht. Karl ist wirklich ein Schatz. Er kommt immer mit Sebastian, seinem Assistenten und Leibwächter. Sie handhaben den Einkauf und die Aufmerksamkeit, die Karl auf sich zieht ohne Probleme. Manchmal hält er inne und macht Selfies mit Kunden, manchmal nicht. Aber er ist unser bester Kunde und darauf bin ich unglaublich stolz.

Was steht als nächstes an? Haben Sie besondere Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Wissen Sie, ich liebe meinen Job so sehr, weil ich ständig von neuen Dingen überrascht werde. Ich bin in der privilegierten Position, so viel angeboten zu bekommen. Ich sehe diese Dinge vor allen anderen. Ich bin im Herzen ein echter Modemensch; das soll sich einfach nicht ändern.

Factbox

 Sarah Andelman wuchs in einem kleinen Dorf in unmittelbarer Nähe zu Versailles auf. Ihre Familie zog nach Paris, als sie 15 Jahre alt war. Das Eckgebäude mit der Adresse 213, Rue St. Honoré war ursprünglich lediglich ihr Zuhause. Die Familie wohnte im oberen Stockwerk, während Sarah am École de Louvre Kunstgeschichte studierte. Die riesige Fläche im Erdgeschoss lag zu der Zeit brach, hauptsächlich weil die Rue St. Honoré in den frühen 1990er-Jahren alles andere als hip war. Die Gegend war damals eher als eine der toten Ecken von Paris verschrien. Andelmans Mutter leitete ein kleines B2B-Geschäft namens Le Sentier im zweiten Arrondissement, dem Stoffbezirk von Paris. Der Leerstand im Erdgeschoss ihres Wohnhauses ließ Sarah und ihre Mutter nie los, sie begannen Gedanken zu spinnen, wie er genutzt werden konnte. Zu dieser Zeit war Muji gerade trendy, Sarah träumte von etwas Ähnlichem. Ihre Mutter entschied, die Räumlichkeiten anzumieten und eine Modeboutique zu eröffnen. An ihrer Seite war ein junger Mann namens Milan Vukmirovic, ihr Schaufensterdekorateur im Le Sentier. Ja, derselbe Vukmirovic, der später in Deutschland die Modewelt auf den Kopf stellte, als er von Patrizio Bertelli als Nachfolger von Jil Sander bestellt wurde und der heute als Designer bei Ports 1961, einer italienischen Sportswearmarke, arbeitet. In Bezug auf den Namen für das neue Geschäft erwog das Mutter-Tochter-Gespann viele Möglichkeiten, mit einer Präferenz für etwas Japanisches. Aber am Ende wurde es Colette, der Vorname von Andelmans Mutter, als Spannungsbogen zwischen dem klassischen, französischen Namen und den modernen, geradlinigen Räumlichkeiten. Als Vukmirovic das Unternehmen 2000 in Richtung Tom Ford und Gucci Group verließ, übernahm Sarah die alleinige Verantwortung für das Geschäft. Davor war sie für künstlerische Projekte bei Colette verantwortlich. Colette wurde 1997 im ersten Arrondissement in Paris eröffnet. Der Laden gilt als Mutter aller Conceptstores, weil er neben Designermode auch Streetwear, Gadgets, Kosmetik, Kunst und Hightech-Geräte anbietet. Legendär ist auch die Wasserbar.
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