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Dorothee Schumacher

Dorothee Schumacher

Dorothee Schumacher

„Starke Frauen berühren mich“

Designerin, Unternehmerin, Mutter von vier Kindern – und Frauenflüsterin. Was mit drei T-Shirts begann, ist heute ein solides Mittelstandsunternehmen. Jede Kollektion ein erneutes Zeichen der Reife Dorothee Schumachers, ihrer Empathie für und mit Frauen.

Als Unternehmerin haben Sie Großes geschaffen – wie hat Ihr Frausein diesen Weg beeinflusst, geprägt, gefördert oder behindert?

Es ist ein entscheidender Teil meines Weges. Ich bin davon überzeugt, dass die Stärke einer Frau in ihrer Weiblichkeit liegt – und das wird mir immer wieder in den Begegnungen mit meinen Kundinnen und mit Frauen auf der ganzen Welt gespiegelt.

Ihr Unternehmen hat einen hohen Frauenanteil. Sie sind dafür bekannt, Frauen viel zuzutrauen und in verantwortliche Positionen zu bringen. Selbstverständnis oder bewusste Wahl?

Selbstverständnis. Was könnte es Schöneres geben, als Frauen, die sich gegenseitig bestärken? Ich schätze mich glücklich, von so vielen Frauen täglich umgeben zu sein. Jede schreibt ihre eigene Geschichte und die teilweise jahrelange Zusammenarbeit bereichert und prägt mein Verständnis für Frauen bis heute jeden Tag.

Nur wenige ihrer Mitbewerber verstehen so gut, wie sich moderne, erfolgreiche Frauen kleiden wollen. Während Jil Sander noch gesagt hat, sie gebe den Frauen Rüstungen, haben Sie einen viel sensitiveren, spielerischen, leichten und selbstverständlicheren Zugang im Design. Was muss denn die Mode heute für Frauen wie Sie leisten?

Es geht mir nicht nur um schöne Kleider, sondern um schöne Frauen. Schönheit, die von innen kommt, Stärke die schon existiert, Persönlichkeit die gelebt wird – hierfür möchte ich mit meiner Mode eine Antwort finden. Es ist nicht das Kleid, dass die Frau zum Strahlen bringt. Sie strahlt schon und ihr Look bietet ihr die Möglichkeit, ohne Worte zu kommunizieren, wer sie ist. In diesem Sinne verstehe ich Mode als wundervolle Möglichkeit, sich selbst auszudrücken – und das auf den ersten Blick.

Sie hatten schon immer hochloyale Kunden im Handel und unter Endverbraucherinnen– in den letzten Monaten allerdings habe ich so viele positive Stimmen wie nie zuvor über Ihre Marke gehört. „Auf den Punkt“, „absolut treffsicher“, „wunderschön“, „sie hat sich neu erfunden“, „so zeitgemäß“. An welchen Stellschrauben haben Sie gedreht? Erleben Sie es selbst auch so, dass Sie noch mal einen draufgesetzt haben?

Natürlich hört eine Marke niemals auf, sich weiterzuentwickeln – wie auch eine Frau, oder Menschen generell mit 23 noch nicht so sind wie vielleicht 30 Jahre später. So geht auch eine Marke mit der Zeit. Ich glaube, dass Möglichkeiten wie Digitalisierung und soziale Medien es noch einmal ermöglicht haben, viel direkter und noch persönlicher mit meinen Kundinnen zu kommunizieren. Die unmittelbare Verbundenheit ist immer stärker geworden, der Dialog immer schneller und facettenreicher. Das ist eine große Entwicklung, und auch diese steht nicht still. Und gleichzeitig ist es ein wundervolles Gefühl, bei meinen Partnern im Handel unverbrüchliche Loyalität und gleichzeitig den Enthusiasmus zu verspüren, mit uns weiterzugehen, zu wachsen und Neues zu entdecken. Es ist ein Zusammenspiel von Innovation und Tradition, das immer nahtloser miteinander verschmilzt und dadurch eine aufregende Strahlkraft entwickelt.

Ist man als Frau erfolgreich, wird ganz automatisch auch Privates publiziert: Dass Sie Mutter sind, dass Sie mit Ihrem Exmann gemeinsam gegründet haben. In kaum einen Bericht über eine männliche Führungskraft findet man solche Details. Was wünschen Sie sich: Dass die erfolgreichen Frauen sich nicht mehr rechtfertigen müssen, dass sie auch Privates im Griff haben oder dass die Männer auch mal erklären müssen, wer denn jetzt gerade bei den Kindern ist, während sie von Termin zu Termin hetzen?

Ich bin umgeben von Frauen, die auf ihre Weise intuitiv ihr Privatleben mit beruflichem Erfolg in Einklang bringen. Für mich kann ich nur sagen, dass beides untrennbar miteinander verbunden ist. Ich schätze mich sehr glücklich, ein Familienunternehmen zu führen. Und das nicht nur in dem Sinne, dass meine eigenen Kinder teilweise in das Unternehmen hineinwachsen und es mitgestalten, sondern auch mit Bezug auf den Spirit, den wir als Team leben. Wir agieren gemeinsam wie eine große Familie – die Parallelen sind berührend und ergänzen sich perfekt.

Das Frauenbild wandelt sich sehr stark – und dazu muss man nicht erst Schlagworte wie #MeToo oder new feminism bemühen. Wie weit sind Ihre Entwürfe mit gesellschaftlichen Strömungen verwoben, wie sehr beeinflusst Sie dieses Zeitgeschehen?

Es ist berührend, zu sehen, wie weitreichend Tabus gebrochen werden und wie viele Menschen sich an der offenen Diskussion zu Themen beteiligen, die uns alle angehen. Genau dieser Dialog ebnet neue Wege. Mode in diesem Kontext ist natürlich immer ein Teil des Zeitgeschehens. So wie Menschen in gesellschaftspolitischem Kontext miteinander interagieren, ist auch die Mode ein Teil des bigger pictures. Nur wenn sie am Puls der Zeit mitgestaltet, kann sie die Menschen berühren. Und dabei geht es nicht um Trends, sondern vielmehr um große Empathie.

Sie unterstützen Frauen nicht nur in ihrem Unternehmen, sondern wenden sich auch denjenigen zu, die Hilfe brauchen: Mädchen in Nepal, an Brustkrebs erkrankte Frauen. Empfinden Sie eine Verantwortung, zurückzugeben?

Mich berühren starke Frauen. All diese Projekte finden ihre Gemeinsamkeit darin, dass vermeintliche Schwächen eigentlich eine Stärke sind. Jüngst habe ich zum Beispiel mit Rita in Palma, einer tollen Initiative einer noch tolleren jungen Frau, die traditionelle Handwerkskunst mit modernem Design verbindet, zusammengearbeitet. Für uns haben sie eine limitierte Kette aufgelegt, die ich jeden Tag bei mir trage. Rita in Palma ermöglicht Frauen mit Migrationshintergrund die Kreation von Accessoires mit traditionellen Techniken und im Gegenzug einen Start in ein unabhängiges Leben durch eine gut bezahlte Anstellung. Das sind Geschichten, die mich berühren. Frauen, die einander durch ihre unterschiedlichen Facetten gegenseitig bestärken!

Was wollen Sie als Unternehmerin und Designerin für die nächste Generation erreicht haben? Was wünschen Sie jungen Frauen und Mädchen?

Ich hoffe, dass immer mehr Frauen ihren eigenen Weg gehen, dass das, was frühere Generationen erkämpft haben, mit Selbstverständlichkeit in die Zukunft geführt wird. Vielleicht kann ich durch meine Geschichte junge Frauen inspirieren – das ist ein großer Herzenswunsch.

Feminismus ist gerade ziemlich hip. Tut das der Diskussion gut?  

Jede Bewegung, jede Entwicklung hat eine Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft. Momentan beteiligen sich viele an diesem Dialog – und das ist gut so.

Und wann sind wir Frauen in der Mode am Ziel?

Ich hoffe niemals, denn diese wundervolle Reise sollte nie zu Ende gehen.

 

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