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Auf Kundenfang?

So viel wie möglich, so lang wie möglich. Sind ausgedehnte Ladenöffnungszeiten der Königsweg, um die Kunden in den Laden zu bekommen? Wo lassen sich Kräfte sparen und wo macht es wiederum Sinn, alles zu geben? Diese Händler haben ihre individuellen Antworten gefunden.

Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Gesprächspartner

Kosten, Nutzen – und Mitarbeitermotivation

„Längeren Öffnungszeiten stehen hohe Kosten gegenüber und die Tatsache, dass die Mitarbeiter mehr Freizeit haben wollen, am liebsten samstags – der Tag, an dem wir mehr als 30 Prozent Anteil des Wochenumsatz erwirtschaften! Aber länger aufzuhaben, wenn keiner kommt, ist wenig sinnvoll. An allen Standorten haben wir von 9.30 bis 19 Uhr geöffnet und überlegen, erst um 10 Uhr zu öffnen, weil die meisten Kunden erst dann kommen. Die Ausnahme bleibt Memmingen, weil die Kunden im ländlichen Raum eher früh kaufen, vor allem, wenn Markt ist. Dafür wollen die meisten nach 18 Uhr nicht mehr in die Geschäfte. In unserem Haus in Ulm dagegen ist auch nach 19 Uhr noch Frequenz, weshalb wir in Erwägung ziehen, dort wie die umliegenden Geschäfte wie Wöhrl und P&C bis 20 Uhr zu öffnen. Der Sonntag ist kein Thema bei uns, wohingegen abendliche Events vor allem in unseren größeren Häusern wichtiger geworden sind. Dafür würden wir uns wünschen, dass wir die Kunden nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in unseren Häusern in Bayern noch nach 20 Uhr ins Geschäft lassen können. Da brauchen wir eindeutig mehr Spielraum vom Gesetzgeber! Unsere Mitarbeiter lieben es, während der Events zu arbeiten, weil viel los ist und weil es uns Spaß macht, Gastgeber zu sein. Wie halte ich die Moral, wie sorge ich als Arbeitgeber, dass die Mitarbeiter motiviert sind? Beim Thema Öffnungszeiten darf die Effektivität eben nicht nur in Zahlen gemessen werden.“

Bernd Deuter, Marketingleiter Reischmann

Ich gebe vollen Service!

„Seit ich selbstständig bin, arbeite ich direkt am Kunden auf einer sehr persönlichen Ebene, was extrem herausfordernd ist. Ich habe für mich die Öffnungszeiten optimiert und bin montags bis samstags von 10 bis 13.30 Uhr im Geschäft und werde aktiv von meiner Mitarbeiterin unterstützt. Am Nachmittag habe ich nur feste Kundentermine, kümmere mich ums Büro und um meine Social-Media-Kanäle. Die Kunden schätzen meinen Laden umso mehr und richten sich gern nach mir, weil sie wissen, dass ich ihnen einen persönlichen Rundum-Service biete. Mein Vorteil ist, dass sich meine Klientel ihre Zeit flexibel einteilen kann. Hätte ich viele Kundinnen, die Vollzeit arbeiten oder wäre ich im Preissegment unter dem meines Geschäfts, würde mein Konzept wohl so nicht aufgehen. Ich glaube fest daran, dass kleine Geschäfte im gehobenen Preissegment mit umfangreicher Betreuung eine große Zukunft haben – und dass sie sich etwas Gutes tun, wenn sie sich ein bisschen rar machen. Denn alles, was permanent verfügbar ist, verliert schnell seinen Reiz.“

Martina Meier, Geschäftsführerin Max Laurenz, Wiener Neustadt

Gegen den Strom

„In den Diskussionen geht es meist darum, das Geschäft länger zu öffnen, um der Onlinekonkurrenz zu begegnen. Dann müssten wir aber 24 Stunden öffnen und sonntags auch. Wir schwimmen lieber gegen den Strom: Seit Februar bleibt unser Geschäft Frauenzimmer montags geschlossen; was wir ab Herbst auch für alle drei Stulz-Stores planen. Aus der logischen Konsequenz heraus, dass bei uns am Wochenende viel los ist und wir dann sehr gefordert sind, während man sich montags die Beine in den Bauch steht. Wir wollen dem Kunden unsere Zeit schenken, wenn er Zeit für uns hat! Wohl deshalb finden unsere Abendevents so viel Anklang. Den Montag nutzen wir für Freizeitausgleich, Administration und Kreativität. Allerdings sind wir in der Diskussion, ob es richtig ist, gleich drei Geschäfte in der Fußgängerzone zu schließen, auch wenn die anderen Ladenkonzepte nicht mit unserem zu vergleichen sind. In einer Kleinstadt kann und muss die Lösung aber individuell sein – selbst wenn sie nicht jedem gefällt.“

Thomas Wartner, Geschäftsführer Stulz – Mode: Genuss: Leben