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Es gibt (keine einfachen) Antworten! | Ein Kommentar von Stephan Huber

Es gibt (keine einfachen) Antworten! | Ein Kommentar von Stephan Huber

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Gesellschaftspolitische Debatten prägen das Einkaufsverhalten stärker denn je. Beziehungsstatus zwischen Industrie, Handel und Konsumenten: Es ist kompliziert. Und dann doch wieder nicht.

Ein Kommentar von Stephan Huber

Ach wie war doch früher alles einfach. Die Produzenten haben produziert, die Händler haben gehandelt (oder zumindest verkauft) und die Konsumenten haben konsumiert. Und zwar genau und immer in dieser Abfolge. Straight und one way. Die Konsumgesellschaft von heute ist ein extrem komplexes Geflecht, volatil, geprägt von immer vielfältigeren Interaktionen zwischen den einzelnen Marktteilnehmern einerseits, und konfrontiert mit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen (Klimawandel, Freihandel, Robotisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt …) der Zukunft andererseits.

So wird beispielsweise eine völlig neue Form der Moraldebatte das Konsumverhalten wesentlich stärker prägen, als wir uns das heute vorstellen können und vielen lieb ist. Bzw. wir sind ja schon mitten in dieser Debatte. Die populärphilosophische Allzweckwaffe RD Precht fordert Verbote zur Verteidigung der Freiheit und hat damit dummerweise nicht ganz unrecht. Parallel entwickelt sich schier endloses Schampotenzial. Flygskam? Alter Hut! Da geht noch mehr: Diesel-Scham, Steak-Scham, ganz neu Streaming-Scham. Ich wünsche mir eine Ein-Euro-T-Shirt-Scham.

Das Problem ist allerdings, dass nirgendwo der Graben zwischen Theorie und Praxis so ausgeprägt ist wie beim individuellen Konsumverhalten. Es wird mehr denn je geflogen, die Zulassungszahlen für SUV erreichen ständig neue Rekordwerte und mein bissl Streaming ermordet bitte keine isländischen Gletscher. Wirksam wären höhere Preise. Aber die „Entdemokratisierung“ der Flugreise oder gar des Schnitzels würde wiederum die Fahnenträger der sozialen Gerechtigkeit auf den Plan rufen. Von einer Moraldebatte also nahtlos in die andere. Das alles scheint komplizierter als jeder Beziehungsstatus (Facebook-Scham!).

Wer also wird in Zukunft was, wann, wie, wo und warum kaufen? Good News: Wer eine überzeugende Antwort auf die Frage nach dem Warum bieten kann, hat eigentlich auch einen Haken unter allen anderen W-Fragen. Einfach den Selbsttest machen:

Warum? Weil ich es brauche!
Warum? Weil ich es will!
Warum? Weil es mich glücklich macht. Echt jetzt!
Warum? Weil es billig ist … ääähhh … weil … ja doch: Weil es billig ist!
Usw.

Alle anderen Fragen sind also tatsächlich nachgereiht. Allerdings gibt es auf das Warum keine Einheitsantwort von der Stange. Schon gar nicht in Zeiten der immer heterogeneren Partikularzielgruppen. Sollte ich also kurz die Hoffnung auf eine einfache Antwort geweckt haben, sorry – die gibt es nicht nur in der Politik nicht.

Aber es könnte gut sein, dass Sie den Anstoß für Ihre individuelle und letztlich vielleicht gar nicht so komplizierte Antwort auf den kommenden Seiten von style in progress finden.

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