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Baldessarini | „Eine Marke muss sich heute positionieren“

Baldessarini | „Eine Marke muss sich heute positionieren“

Die Heritage der von Werner Baldessarini gegründeten Kollektion ist selbstbewusste Maskulinität. Die Zukunft sieht vielschichtiger aus, sagt Managing Director Florian Wortmann, der Baldessarini mit neuer Spannung auflädt – und mit Haltung.

Interview: Nicoletta Schaper. Fotos: Baldessarini.  

Baldessarini ist stark mit der eigenen Historie verbunden. Wie führt man das in die Zukunft?  

Als ich im vergangenen Januar gestartet bin, habe ich den Kontakt zu Werner Baldessarini gesucht, um die Marke zu verstehen. Ich bin überzeugt, dass man zu den Wurzeln zurückgehen muss, um sie glaubwürdig erneuern zu können. Ein Mann, der Baldessarini trägt, braucht eine hohe Selbstkenntnis – dieser Claim gilt bis heute. Doch so betont maskulin wie ursprünglich angelegt passt das nicht mehr zum modernen Männerbild. Männliche Looks sind absolut okay, aber sie sollten immer auch spielerisch und mit einem Hauch Ironie versehen sein.  

Spannend, bitte erklär das mal genauer.  

Unser modisches Leitbild heißt New Hollywood, mit der Aufbruchsstimmung und dem Lebensgefühl von 1969, das wir ins Jetzt transformieren. Es geht um die Lust am Experimentellen und darum, auch mal Grenzen zu überschreiten. Wer sagt, dass unsere Menswear nicht auch von Frauen getragen werden kann? Unsere Hemden aus fließender Viskose oder Seide zeigen, dass die Grenzen von DOB und HAKA mehr verschwimmen. Deshalb könnten wir uns auch vorstellen, in Zukunft eine kleine Kapsel mit unisex tragbaren Essentials herauszubringen – why not?  

Du beschäftigst dich viel mit der Generation Y und Z. Was bedeutet das für Baldessarini, zumal Konfektion zum Markenkern gehört?  

Ich glaube sogar stark an die Rückkehr der Konfektion, die aber anders interpretiert wird: Mit weiteren Silhouetten als Ausdruck der Sehnsucht nach Freiräumen, die auch mehr Komfort generieren. Das ist für mich genauso unverzichtbar wie die Auseinandersetzung einer Premiumbrand mit Nachhaltigkeit. Dafür steht unser Claim „Tribute to Nature“, beispielsweise ist unser Denim ab September BCI-zertifiziert und wir setzen zunehmend natürliche und naturbasierte Stoffe mit wenig Wasserverbrauch ein. Wir informieren die Kunden darüber auch über den QR-Code, denn wir wollen für Verständnis sorgen.  

Überhaupt ist die Mode heute konsumentengetriebener.

Ja, wobei die neue Generation die Trends vorgibt. In dem Zusammenhang wandelt sich auch das Produktmarketing zum Beziehungsmarketing, denn die Marke lebt vom Zusammenspiel mit der Community, die sich ein Lebensgefühl teilt. Wir wollen sie an den digitalen Touchpoints abholen, weshalb wir Content, Mode und Videos nicht nur in den Kinos zeigen, sondern auch über Social Media wie Instagram. Ebenso macht unser E-Shop Baldessarini erlebbar, wobei wir klar Fachhandelsmarke bleiben. Vor allem muss sich eine moderne Marke klar positionieren: zu Diversity, gegen Rassismus. Sich aus allem herauszuhalten, funktioniert nicht mehr. Nur wenn die Marke Haltung zeigt, kann ihre Mode zum Ausdrucksmittel werden. Das gibt ihr auch wieder ihre Bedeutung und Wertschätzung zurück. 

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