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Andreas Weitkamp | „Ich habe Bock, was auszuprobieren“

Andreas Weitkamp | „Ich habe Bock, was auszuprobieren“

Andreas Weitkamp | style in progress
In seinem Weitkamp Store zeigt Andreas Weitkamp seit dem Frühjahr keine Sportswear mehr, sondern setzt den Anzug neu in Szene. Ist das nun anachronistisch oder ein zukunftsweisender Schritt? style in progress hat nachgefragt.  
Interview: Nicoletta Schaper. Foto: Studio Egotrips  
Andreas, überall verdrängt der Sportsweartrend die Konfektion. Und du eröffnest deinen Weitkamp Store neu mit allem rund um den Anzug.  

Dafür wurde ich auch von einigen für verrückt erklärt. Das macht doch gerade keiner, bekam ich zu hören. Aber vielleicht ist es gerade jetzt richtig, gegen den Strom zu schwimmen.  

Bitte erklär das mal genauer.  

Bisher war der Weitkamp Store der Sportswear gewidmet, aber je stärker der Trend wurde, desto mehr haben wir sie sowohl im Weitkamp Store als auch gegenüber im Modehaus Schnitzler gezeigt. Warum gibt es beispielsweise Moncler und Herno für Damen im Haupthaus, aber Moncler und Herno für Herren im Weitkamp Store? Für viele war das nicht mehr nachvollziehbar. Jetzt zeigen wir die Sportswear von Stone Island über Dondup bis hin zu Herno und Jacob Cohën im Modehaus Schnitzler und präsentieren die Konfektion in sich geschlossen im Weitkamp Store. Damit geben wir ihr die Wichtigkeit, die sie nach wie vor hat.  

Was überzeugt dich davon?  

Die Männer wollen wieder etwas anderes tragen als die Jogginghose. Ich habe da immer Joko Winterscheid vor Augen, der in seiner Sendung „Wer stiehlt mir die Show“ Anzug trägt, auf eine coole, moderne Art. Auch wir wollen das Thema modern präsentieren, mit Sakkos und Chinos, Hemden, Strick und ergänzender Outerwear.  

Wie inszenierst du das neu?  

Indem wir viele inspirierende Looks zeigen; der Dreiteiler von Tagliatore, ein Anzug aus einem besonderen Material oder das Overshirt zur passenden Hose für die Jungen. Ganz sicher funktioniert Konfektion nicht mehr als Ärmelparade oder mit vier dunkelblauen Anzügen im Schaufenster.  

Also braucht es eine neue Stilistik, auch mit weiteren Silhouetten?  

Die greift zum Teil schon und das bewegt sich auch in kleinen Schritten weiter. Ich meine aber keinen modischen Paradigmenwechsel, sondern eine andere Darstellung, ein Look, mit dem sich die Männer wieder gut anziehen wollen, für den Theater- oder Restaurantbesuch oder für das Treffen mit Freunden. Der Weitkamp-Kunde war immer schon der informierte Kunde, der hier früher als Erstes Moncler, Stone Island, Jacob Cohën gekauft hat. Jetzt überraschen wir ihn wieder mit etwas Neuem.  

Darin bist du gern auch mal bewusst dickköpfig.  

Ich bin Steinbock und Westfale, frag mich, ob ich dickköpfig bin! Ich habe auch mal Bock, was auszuprobieren, worüber andere erst mal den Kopf schütteln. Wer Emotion verkauft, muss sich auch von Emotionen leiten lassen. Vielleicht ist die Idee Unsinn. Vielleicht sind wir aber auch die ersten, die etwas umsetzen, worauf alle gewartet haben.  

Weitkamp Store, Prinzipalmarkt 6/7, Münster/Deutschland 

Marken: Boglioli, Eduard Dressler, Drykorn, Fay, Kiefermann, Tagliatore, Weber + Weber Sartoria, Windsor 

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