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Die Hoffnung ist weiblich

Martina Müllner-Seybold

Die Hoffnung ist weiblich

Wenn einer profitiert, sind es andere, die leiden. #MeToo, Timeisup, New Feminism – samt und sonders lobenswerte Initiativen, etwas in Balance zu bringen, was von großem Ungleichgewicht geprägt war. Frauen in Verantwortung markieren dennoch erst den Anfang. Denn ihre Aufgabe ist so viel größer, als die 50 Prozent Hürde zu nehmen oder Rollenbilder neu zu definieren. Wer heute Feminismus proklamiert, kann das nicht ohne einen weiter gefassten Rahmen. Wie kann man von Empowerment in der Mode sprechen, wenn übel bezahlte Arbeiterinnen die T-Shirts mit den ach so modischen feministischen Sprüchlein nähen? Wie kann man den Gehaltssprung, den Equalpay bringen soll, darauf verwenden, weiterhin zu konsumieren, als wäre es nicht längst evident, dass unser Fast-Fashion-Wahnsinn Natur und Klima unwiederbringlich zerstört?

Das Erwachen, das diese Branche braucht, ist ein viel profunderes als in den meisten feministischen Thesen gefordertes. Gerade deshalb ist die Hoffnung weiblich: Weil Frauen empathischer, umsichtiger, sensibler sind, weil Frauen Meisterinnen sind, viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten.

Die erste Tür, vor der wir kehren müssen – ja, die Hausarbeit bleibt mal wieder an uns hängen – ist die eigene. Weil Frauen so obsessiv vergleichen, ist echte Solidarität noch immer in der Ferne. Aber im Alleingang wird wohl keine Frau diesen Berg an Verantwortung stemmen. Der Schulterschluss mit Männern ist genauso entscheidend wie der untereinander. Aber solange Konsum, Kinder, Körper getrimmt und inszeniert werden, um andere vor Neid erblassen zu lassen, wird das verdammt schwierig. Den weiblichen Stars, Sternchen und Meinungsmacherinnen auf Social Media zu folgen, hat etwas von Porno. Irgendwo ganz tief drinnen weiß man, dass Tigh-Gap-Bikinibilder, die täglich wechselnde Designertasche und diese heile und so unglaublich schön frisierte Familienwelt ungefähr so viel mit der Realität zu tun haben, wie – na eben. Aber wenn man schon mal auf den Kanal gezappt hat, fände man es auch unglaublich bieder, errötet wegzuschalten.

Sich dem allem entsagen? Um Himmels Willen nein! Der Vergleich ist der Treibstoff dieser Industrie. Ohne plakative Darstellung und das anschließende (Auch-)Haben-Wollen wäre insbesondere „unser“ Segment ruiniert. Darum braucht es eine echt gemeinte Allianz, die unter die Oberfläche des schönen Scheins geht. Erst wenn Kim Kardashian und Alice Schwarzer auf wechselseitige Toleranz, Verständnis und Solidarität zählen können, sind wir da, wo wir hingehören. Was die Mode dazu beitragen kann? Viel mehr, als uns hübsch anzuziehen.