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Stetson Europe | „Transparenz schaffen, ohne Know-how zu verlieren“

Stetson Europe | „Transparenz schaffen, ohne Know-how zu verlieren“

Ein faires Produkt zu fairen Konditionen, das ist bei Stetson Europe elementar in der Marken-DNA verankert. Wie viel Sinn macht Transparenz in der Lieferkette allerdings für ein Unternehmen, dessen Wettbewerbsvorteil sich auch darauf gründet, dass es die richtigen Heim- und Handarbeiter verpflichten kann? Ein Gespräch mit Klaus Kirschner, CEO Stetson Europe.

Text: Stefanie Buchacher Fotos: Europe GmbH

Was tut Stetson in Sachen Transparenz? Was steckt hinter dem Stetson Wiki?

Wir versuchen 100 Prozent transparent zu sein, ohne dabei unser Know-how für jeden zugänglich zu machen. Wir leben davon, dass wir überall auf der Welt nach den besten Herstellern für jede Produktkategorie suchen, und würden wir Namen und Adressen öffentlich zugänglich machen, nähme uns das unseren Wettbewerbsvorteil. Aber wir nennen schon lange das Ursprungsland in jedem Artikel, sodass jeder Verbraucher selbst entscheiden kann, was er möchte. Unser Wiki ist ein Service für die Verbraucher. Da nicht in jedem Laden, der Stetson vertreibt, immer ein Verkäufer zur Verfügung steht, der alles über den Artikel weiß. Über das Wiki kann der Verbraucher sich über den Scan des QR-Codes die Informationen selbst beschaffen.

Transparenz ist derzeit fast in aller Munde. Worin liegen die Herausforderungen, um Transparenz und Rückverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette herzustellen? Bedeutet ein nachhaltigeres und rückverfolgbares Produkt auch höhere Kosten?

Bis zu einem gewissen Grad ist das machbar, da wir aber stark handarbeits-lastige Produkte vertreiben, nutzen viele unserer Partner Subunternehmer oder Heimarbeiter – diese wechseln auch immer wieder und natürlich ist das auch der Wettbewerbsvorteil unserer Produktionspartner, die natürlich kein gehobenes Interesse daran haben, uns jede Heimarbeiterin und jeden Subunternehmer persönlich vorzustellen. Extrem aufwändig wird es, wenn man das alles dokumentieren und regelmäßig prüfen möchte. Damit kommen wir zur Kostenseite. Aus meiner Sicht ist es ohne große Mehrkosten machbar, auf die gesamte Lieferkette zu achten und die Partner zu einer fairen Produktion anzuhalten, bis hin zu der Konsequenz, die Zusammenarbeit mit Partnern zu beenden, wenn es Missachtungen gibt. Das leben wir auch schon. Kostenintensiv wird es mit der Dokumentation und der Beweispflicht.

Durch Transparenz – insbesondere durch das Lieferkettengesetz – wird Verantwortlichkeit für die einzelnen Produktionsschritte festgemacht. Welche Konsequenzen bringt dies mit sich?

Jeder Produktionsschritt erfordert dann eine exakte Dokumentation, wir schaffen also Bürokratie.

Sehen Sie Gefahren darin, alle Produktionsinformationen offenzulegen, auch beispielsweise Informationen zu Produzenten?

Ja, Unternehmen wie wir, die nicht bei den anderen kopieren, sondern in Kooperation mit den Produzenten neue innovative Produkte entwickeln und optimieren, müssen sehr viel Zeit und Geld für diese Entwicklung investieren – während andere, die das Produkt lediglich nachstellen, sich diese sparen. Die Offenlegung von allem nimmt uns ein bis zwei Saisons Wettbewerbsvorteil gegenüber den Kopierern.

Klaus Kirschner, Europa CEO von Stetson sieht in völliger Transparenz die Gefahr, kopiert zu werden und damit Wettbewerbsvorteile zu verlieren.

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