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„Das wichtigste Learning: Service darf nicht einer Elite vorbehalten sein“

„Das wichtigste Learning: Service darf nicht einer Elite vorbehalten sein“

SIPON_Mayouri Sengchanh Exalis
Mayouri Sengchanh ist Gründerin der Trendagentur Exalis, die international Kunden in zukunftsweisenden Projekten begleitet. Sie hat in Dubai und Bangkok im Marketing großer Shoppingcenter gearbeitet und erzählt style in progress, was wir von diesen Märkten für das Shopping in Zeiten von Corona lernen können.
Mayouri, Du bist Trendforscherin. Was werden wir 2021 in den Kollektionen sehen – überbordende Lebensfreude in den Designs oder aber betonte Zweckmäßigkeit frei nach dem Motto „es gibt wichtigeres als Mode“?

Mayouri Sengchanh, Inhaberin Exalis: „Für uns Trendforscher war die Schauensaison, die wir vor Corona gesehen haben, sehr herausfordernd. Farblich war alles möglich, es war schwer, etwas einzugrenzen. Das glaube ich, wird die wichtigste Änderung sein Nach-Corona: Farben werden wieder einzugrenzen sein. Schon in früheren Krisen, zum Beispiel der Finanzkrise 2008/2009, konnten wir zwei Reaktionen in den Farbwelten ablesen: Entweder Minimalismus und Zurückhaltung in Neutrals und Nudes oder aber knallige Neon-Farben als optimistisches Statement. Ich bin überzeugt, dass sich diese beiden Tendenzen in den Farben für 2021 ablesen lassen werden.“

Was ist für Europäer die größte Herausforderung am Social Distancing?

„Wir haben eine ganz andere Körperlichkeit als zum Beispiel Asiaten. Ich bin Französin, für uns ist es selbstverständlich, dass wir einander herzen, umarmen, küssen. Das wird uns viel mehr fehlen als Kulturen wie Japan, wo im Miteinander schon immer andere Regeln gelten. Der Gruppismus ist dort Teil der Kultur, wir in Europa sind an Individualismus gewöhnt. Das macht die Maßnahmen auch so schwer durchzusetzen, nach einiger Zeit des Denkens an das Gemeinwohls kommt in uns wieder der Egoismus durch, weil Individualität Teil unseres Lebens ist. Ein Beispiel: In Japan ist es verpönt, stark parfümiert zu sein, um andere nicht zu belästigen. Erzählen Sie das mal einer Französin!“

Aus China und Singapur kennt man ja schon die ersten Zahlen nach dem Wiedereröffnen der Läden – der Modekonsum ist nicht auf das Vor-Corona-Niveau zurückgekommen, die Frequenz blieb niedrig, die Menschen haben große Läden eher gemieden. Glaubst Du, dass das auch in Europa so sein wird und gibt es Dinge, die man aus Asien in Bezug auf das Post-Corona-Shopping lernen kann?

„China macht gerade vor, wie vital wichtig Social Media ist, wobei das Land mit WeChat ja ein noch viel stärker auf direkten Konsum ausgelegtes soziales Netzwerk hat. Im Mittleren Osten ist schon vor Corona das Thema Privacy im stationären Handel sehr wichtig gewesen. Wir haben im März 2017 die Eröffnung des größten Premium Department Store im Mittleren Osten begleitet, ein außergewöhnliches Konzept auf 20.000 Quadratmetern. Dort sind schon 2017 VIP-Lounges und Private Shopping Konzepte integraler Bestandteil gewesen, um für Intimität und Sicherheit der Kunden zu sorgen. Ich glaube, dass wir solche privaten Zonen auch in Europas Läden sehen werden. Genau wie der europäische Handel gerade im Schnelldurchlauf lernt, dass er exklusive Services wie Auswahl, Private Shopping oder den so genannten „white gloves“ Lieferservice nicht nur einer Elite vorbehalten darf.“

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