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Manifattura Tabacchi/Florenz | „Zu viele schöne Projekte bleiben eine Fata Morgana“

Manifattura Tabacchi/Florenz | „Zu viele schöne Projekte bleiben eine Fata Morgana“

Manifattura Tabacchi | style in progress
Die Brüder Luca und Marco Baldini bilden das Duo hinter q-bic, das seit 2005 in Italien und international an Projekten La Menagere, Moebius oder Mercato Centrale federführend beteiligt ist. Das aktuelle Projekt, die Revitalisierung der Manifattura Tabacchi in Florenz, „die neue Stadtmitte außerhalb der Zentrums“. Ein Gespräch über den Wandel der Innenstadt als kommerzieller Drehpunkt der Gesellschaft.
Ihr seid Experten für Orte der Verschmelzung von Design, Kunst, Mode und Gastronomie. Wie erlebt ihr den Wandel der Innenstadt?

Luca Baldini, Architekt bei q-bic: Es mangelt gewiss nicht an Ideen, die Zentren wieder attraktiv zu machen. Jedoch ist die Umsetzung nicht immer einfach, denn um echte (R)Evolutionen zu erleben, müssen Verwaltung und Wirtschaft für und an diesen Transformationen mit den Planern arbeiten. Viel zu oft bleiben schöne Projekte nur Fata Morganas. Meiner Meinung nach sollten Zukunftsstädte die Dichotomie Innenstadt/Handel und Stadtrand/Wohnen aufheben. Wie früher sollte man in Zentren alles machen können: wohnen, arbeiten, konsumieren, spielen – leben eben.

Manifattura Tabacchi ist ein Projekt, das all diese Aspekte umsetzen möchte. Erzähl doch mal, was ihr vorhabt.

Marco Baldini, Designer bei q-bic: Die Manifattura ist eine alte Tabak-Fabrik außerhalb der historischen Innenstadt von Florenz, die bis 2001 in Betrieb war. Wir arbeiten an diesem 100.000 qm-Areal mit der Vision, es wieder zu beleben – es soll ein Stückchen Stadt außerhalb des Zentrums werden. In diesem Projekt stimmen die Visionen der Planer mit denen der Eigentümer (Jointventure zwischen cdp immobiliare und Gruppo AERMONT) überein: Es darf kein reines Wohn- oder Handelsviertel werden, es soll alles haben, was der Mensch zum Leben braucht, auch was für Kopf und Seele soll man hier finden. Und natürlich ganz viel Grün und mit nachhaltigem Charakter.

Luca Baldini: Die Manifattura soll ein Anziehungspol für alle sein, nicht nur für ihre Einwohner. Sie soll auch Menschen aus der Umgebung und der Innenstadt anziehen.

Ist dies auch die Zukunft des Handels? Pole, innerhalb und außerhalb des Stadtzentrums, die ein 360 Grad-Erlebnis anbieten?

Luca Baldini: Wir brauchen einen wirklich triftigen Grund, um in die Stadt zu gehen, weil wir ja alles von zu Hause mit einem Click bestellen können.

Marco Baldini: Diese Orte sind eigentlich Anlehnungen an die Vergangenheit. Die Piazza war das Herz des gesellschaftlichen Zusammenlebens – die kleine Bottega neben dem Café oder Schreiner und Kinder haben hier, vor den Augen der Älteren auf der Bank, Fussball gespielt. Wir Planer müssen solche Orte wiedererschaffen und die Politik sollte uns dabei unterstützen – so kann der Handel wieder aufblühen.

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