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Julia Koerner | „3D-Druck ist an der Schwelle zur Massentauglichkeit“

Julia Koerner | „3D-Druck ist an der Schwelle zur Massentauglichkeit“

Für „Black Panther: Wakanda Forever“ kreierte sie erneut Krone und Collier von Ramonda aka Angela Basset und durfte 2023 im Team der Designerin Ruth E. Carter ihren zweiten Oscar feiern. Jetzt steht die gebürtige Salzburgerin Julia Koerner auch mit ihrer eigenen Kollektion JK3D vor dem internationalen Durchbruch.

Interview: Stephan Huber. Fotos: Julia Koerner

„Queen of 3d Printing“ – gefällt dir das?

Julia Koerner(lacht): Ich nehme es als Anerkennung für jahrelange Pionierarbeit.

Die sich ja durchaus gelohnt hat. Du hast für „Black Panther“ kürzlich deinen zweiten Oscar erhalten.

Ohne Frage ein Highlight. Ruth E. Carter hatte Arbeiten von mir bei den Haute-Couture-Schauen in Paris gesehen und deshalb mit mir Kontakt aufgenommen. Wir haben mit der Recherche zu den traditionellen afrikanischen Isikolo-Hüten begonnen und damit, authentische Zulu-Muster zu digitalisieren. Daraus entstand das heute ikonische Kostüm für Königin Ramonda, allerdings noch ohne Schauspielerin und damit ohne Maße. Nachdem Angela Bassett gecastet war, passten wir das Kostüm binnen weniger Tage an. Das war ein echter Durchbruch.

Das nimmt dann eigentlich bereits vorweg, welche Prozesse digitales Design auch in der Mode beschleunigen.

Absolut. 2016 galt es noch als kleines Wunder, dass man einen 3D-Scan von einer Person machen und damit direkt loslegen konnte. Heute ist das selbstverständlich.

Hollywood ist lediglich die Spitze des Eisbergs. Viel wichtiger ist aber wahrscheinlich die Entwicklung deiner Marke JK3D.

Tatsächlich existiert meine Firma bereits seit acht Jahren. Bis jetzt konzentrierte ich mich aber vor allem auf Kollaborationen, um mich auf dem 3D-Gebiet zu etablieren. Mein erster Druck war 2005, noch während meines Studiums, 2012 folgte das erste Kleid aus dem Printer. Diese Projekte wurden aber immer sehr schnell umgesetzt, was am Haute-Couture-Charakter der Fashionshows lag. „Black Panther“ war entscheidend, weil ich dadurch eine breitere Öffentlichkeit für 3D begeistern konnte. Es kamen immer häufiger Anfragen von Freunden und Bekannten, die ein Design von mir kaufen wollten. Aufgrund der Fortschritte in der Technologie kann ich jetzt Prototypen in drei Tagen statt drei Wochen umsetzen. Eine Handtasche wird dann in etwa zehn Stunden gedruckt.

Der Kern von JK3D ist Accessoires und Home-Dekor. Produziert wird on-demand?

Das ist Teil unserer Nachhaltigkeits-Policy. Für den Home-Dekor-Bereich setzen wir auf biologisch abbaubares PLA – ein Plastik, das aus Pflanzen gewonnen wird. Für die Taschen verwenden wir pflanzenbasietes Harz, gewonnen aus der Sojabohne. Ein ganz entscheidendes Feature: Unsere Designs lassen sich personalisieren. Letztlich kann jede Tasche, jede Vase zu einem Unikat angepasst werden.

Was sind eure Wachstumsperspektiven?

Im Moment gibt es JK3D im eigenen Onlineshop www.jk3d.com mit zwei Produktionsstandorten: Los Angeles und Wien. Wenn in Europa bestellt wird, produzieren wir in Wien, wenn eine Bestellung aus den USA eintrifft, in Los Angeles. In Wien wird sogar das Rohmaterial per Fahrrad ins Atelier geliefert.

Aber jetzt wollen wir den nächsten Schritt machen und uns behutsam dem Wholesale öffnen, online wie stationär, und gemeinsam mit diesen neuen Partnern die Möglichkeiten ausloten, die diese Technologie nicht zuletzt im Luxussegment bietet. On Demand und Personalisierung werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Ebenso ausgesuchte Kollaborationen mit Brands oder Künstlerinnen und Künstlern. Mit dieser Strategie erfolgt das Wachstum vielleicht nicht ganz so schnell. Aber eine bewusste strategische Entwicklung der Marke ist mir wichtig. Und wir sind nicht von Investoren abhängig. 

Wie weit sind wir noch davon entfernt, dass tatsächlich Bekleidung aus dem 3D Drucker kommt?

Mit meinem Arid-Kleid war ich schon sehr nah dran. Da kamen die Einzelteile bereits fertig aus dem Drucker. Sie mussten nur noch ausgeschnitten und zusammengesteckt werden. Das Prinzip erinnert an Ikea und ist genauso einfach. Aber klar, der gelernte Tragekomfort ist noch nicht gegeben. Daran wird intensiv geforscht. Ebenso an nachhaltigen Ausgangsmaterialien, um die Stoffe zu produzieren. Beispielsweise Mycelium oder auch Frucht- und Gemüseabfälle. Sobald das gelingt, können wir Kleidung aus dem 3D-Drucker tragen.

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit?

Ja. Das könnte sogar ziemlich schnell gehen. Die Technologie ist weitgehend entwickelt. Der Markt ist bereit, der Konsument sowieso. Nicht nur das Produkt selbst, sondern der gesamte Entstehungsprozess ist ja hochspannend. Mit viel Storytelling-Potenzial. 3D-Druck ist aber nur eine Möglichkeit, anders zu produzieren, aber es ist nicht der einzige Weg. Ich denke da an 3D-Knitting oder das Biomaterial-Molding. Es gibt so viele Ansätze, die ich alle total spannend finde.

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