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„Wir müssen alle flexibler werden, Umsätze kann man nicht mehr wie früher planen“

„Wir müssen alle flexibler werden, Umsätze kann man nicht mehr wie früher planen“

Ein waschechter Familienbetrieb: Familie Grüner führt in fünfter Generation fünf Filialen für hochwertige Damen- und Herrenmode in Klagenfurt und Velden sowie den Onlinestore www.gruener.at. Mit style in progress hat Gregor Grüner über das Reopening und die Lehren aus der Zeit der Schließung gesprochen.
Gregor Grüner, die Stadt Klagenfurt refundiert jedem Kunden, der nach dem Re-Opening kauft, 20 Prozent von einem Einkauf bis zu 200 Euro. Hilft das?

Auf jeden Fall, das ist eine tolle Aktion, weil sie dringend benötigte Liquidität in Unternehmen bringt. Die Krise hat uns in vielerlei Hinsicht neue Wege aufgezeigt. Wir hatten das große Glück, dass wir schon vor zehn Jahren mit einem Onlinestore gestartet sind und vor den Ausgangsbeschränkungen unsere Kundenkommunikation auf digitale Medien umgestellt hatten. So konnten wir einiges abfangen.

Was ist ihr Learning?

Dass persönliche Information, so ehrlich wie möglich, die beste Kommunikation mit dem Kunden ist. Wir haben von Anfang an sehr offen mit den Kunden und Lieferanten kommuniziert, das wird honoriert.

Aktuell fordern viele, dass die Liefertermine und Salephasen verschoben werden, wie sehen Sie das?

Wir werden versuchen, unseren Sale mindestens einen Monat nach hinten zu schieben, allerdings stellen wir auch fest, dass die meisten Produkte, die wir führen, online schon irgendwo reduziert zu finden sind. Farfetch hat schon während der Krise begonnen, zu rabattieren.

Wie kann man das vermeiden?

Moncler zum Beispiel hat zu Beginn der Krise eine Liste herausgegeben mit Artikeln, die sie in der FS 2021 Kollektion wieder führen werden – so weiß ich als Händler, welche Ware ich in die nächste Saison mitnehmen kann. Das finde ich nachahmenswert. Begeistert hat uns auch Juvia, die schnell reagiert haben und den Händlern nicht nur Lagerbestände, sondern auch alle Bilder und EDI Daten zur Verfügung gestellt haben.

Werden gute Krisenstrategien beeinflussen, wo Sie ihre Orders künftig platzieren oder verstärken?

Auf jeden Fall. Wir fahren aktuell auf Sicht und müssen noch abwarten, was kommt. Im Moment kann ich mir noch nicht vorstellen, dass wir eine Vororder wie früher platzieren. Wir müssen viel schneller reagieren können, Umsätze können nur mehr kurzfristig vorausgeplant werden. Und: Egal, ob wir es bis dahin wieder dürfen, ich möchte nicht mehr zu dem Reiseausmaß zurück, das wir vor Corona hatten.

Was glauben Sie ist die richtige Strategie?

Ich wünsche mir, dass die Vertreter wieder verstärkt zu uns kommen. Einen gewissen Teil wird man sicher in den B2B Plattformen abdecken können, aber: Der B2C Onlineeinkauf hat sich ja auch nur deshalb durchgesetzt, weil der Endkunde gewisse Rechte hat. Wenn das Teil kommt und nicht seinen Vorstellungen entspricht, kann er es zurückschicken. Wir Händler bestellen ohne Rückgaberecht – und solange das so ist, wird sich die B2B Order auch eher auf Re- und Nachorder beschränken. Ich glaube, dass die Agenten und Hersteller jetzt im Grunde sich so aufstellen müssen, wie wir Händler das in der Krise gelernt haben: Mit Videoanrufen, wo man mit dem Mitarbeiter sprechen kann, die Ware präsentiert bekommt, vielleicht an einem Model. Auf jeden Fall braucht es auch direkte Kommunikation.

Wird die Auftaktmesse fehlen?

Auf jeden Fall, Pitti Uomo war für uns immer wichtig. Aber wir werden auch das meistern. Wissen Sie, unser Unternehmen hat zwei Kriege überlebt und mein Großvater hat zwischenzeitlich auch mal statt Mode Spielwaren verkauft, weil er so Umsatz retten konnte. Wenn diese Pandemie uns eines lehrt, dann diese Flexibilität wieder zu erlangen.

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