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Smec | „Man muss rechnen können“

Smec | „Man muss rechnen können“

Jan Radanitsch Smec style in progress 120
Jan Radanitschs Softwear-as-a-Service Unternehmen Smec beschäftigt 120 Mitarbeiter und verwaltet Google- und Onlinemarketingkampagnen für Kunden wie Engelhorn, Luisa Via Roma oder Limango. Das Prinzip der Smec AdEngine und der Predictive-Bid-Management Software Whoop! setzt auf Automatisierung und Synergieeffekte. Ein Gespräch über Erfolgsfaktoren im E-Commerce.

Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Smec

Jan, ihr habt schon zur Gründung 2007 einen entscheidenden Faktor im E-Commerce erkannt: Alleingänge sind nicht der richtige Weg. Eure Software lernt mit jedem Cent Werbebudget, wie man sie besser und gewinnbringender einsetzen kann und funktioniert umso effizienter, je mehr Firmen ihr im Onlinemarketing betreut. Eigentlich eine Win-win-Situation, trotzdem schwer zu vermitteln. Warum sind Skalierungs- und Plattformeffekte ein so spanisches Dorf?

Menschen können lineares Wachstum sehr gut verstehen, exponentielles Wachstum aber bleibt unseren Gehirnen ein Rätsel. Das erklärt auch, warum Chancen im E-Commerce manchmal nicht ergriffen werden. Wir erleben durchaus, dass Kunden an dem Punkt, wo wir raten, alles Budget zu mobilisieren, um das exponentielle Wachstum, das zu erwarten steht, abzugreifen, zurückschrecken. Irrational, aber menschlich.

120 Mitarbeiter arbeiten bei Smec in Linz und London täglich mit zwei Software-as-a-Service Produkten. Diese garantieren E-Commerce-Kunden, dass sie ihre Budgets für Google Ads und Google Shopping optimal einsetzen. Jan Radanitsch hat Smec 2007 gegründet.
Weil E-Commerce generell ein Angstthema für viele bleibt?

Natürlich, weil die Professionalisierung im E-Commerce in den letzten zehn Jahren enorm war. Wer früh und richtig investiert hat, hat heute einen Vorsprung, der kaum aufzuholen ist. Diese Lernkurve nachzuholen, womöglich noch als Einzelkämpfer, halte ich für aussichtslos. Was nicht heißt, dass man sich dem digitalen Vertriebskanal verschließen darf. Es gibt gute Ansätze: Farfetch oder New Store sind tolle Enabler, die einem Händler das ganze Kopfzerbrechen des Backends ersparen.

Bis zu 35 Prozent der Marge abzugeben, lässt Händlerherzen bluten.

Man muss rechnen können. 35 Prozent sind, verglichen mit den Kosten, die ich in den Aufbau einer eigenen Lösung stecken muss, ein ziemlich gutes Angebot. Zumal es ja auch andere Faktoren gibt: Der Arbeitsmarkt im E-Commerce ist leergefegt. Die jungen, technisch versierten und begabten Mitarbeiter, die Sie bräuchten, um aus einem regional erfolgreichen stationären Modeladen den nächsten Zalando machen, sind selbst für etablierte E-Commerce-Player schwer zu finden und zu halten.

Gretchenfrage: Lohnt das Investment in digitale Verkaufskanäle langfristig überhaupt?

Aaaaah, mein Lieblingsargument: „Aber XY verdient auch noch kein Geld.“ Es gibt Profit. Und es gibt Cash. Und so lange genug Cash bereitsteht, muss kein Profit verdient werden. Da hat sich das Wirtschaften einfach radikal geändert und darauf muss man sich einstellen. Daher bin ich überzeugt: Der Weg in die Zukunft ist digital, egal ob riesiger Onlineshop oder die Boutique in der Straße nebenan. Vielleicht hat diese ja keinen Fokus auf E-Commerce, aber auf jeden Fall braucht sie eine klare Strategie, was Digitalisierung für sie bedeuten kann: Kundenansprache, Marketing, Verkauf jenseits des zufällig durch die Tür kommenden Kundens… Da ist so viel Potenzial!

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