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Heinrich Dinkelacker | Passt wie angegossen

Heinrich Dinkelacker | Passt wie angegossen

Dinkelacker
Daniel Pokorzynski ist nicht nur Geschäftsführer des Handelsformats Shoepassion, sondern auch für die Marke Heinrich Dinkelacker verantwortlich. Neben dem innovativen digitalen Konzept für Maßschuh hat er zur Reduktion von Retouren auch ein daran gekoppeltes Tool zur Schuhgrößenempfehlung entwickelt.
Was ist das besondere an der Software, die ihr entwickelt habt?

Wir können anhand des Scans den Fuß als 3D-Modell abbilden. Das schafft keine klassische Vermessung von Hand. Die Software ist mit all unseren Leistendaten gefüttert. Im Zusammenspiel kann so ein extrem genauer und rascher Service erfolgen, der am Ende im Gegensatz zum klassischen Maßservice skalierbar ist. Während man dort viel Erfahrung und Know-how für das Vermessen von Hand benötigt und dies obendrein sehr fehleranfällig ist, muss hier schlichtweg nur die Soft- und Hardware richtig bedient werden.

In welchem finanziellen Rahmen muss man sich die Investition für die Entwicklung einer solchen Software vorstellen und welche Geräte oder Maschinen bedarf es für die Umsetzung in der Praxis?

Das Projekt ist finanziell schwer zu beziffern. Aber das Investitionsvolumen liegt neben dem enormen Zeiteinsatz – es flossen mehrere Jahre Entwicklungsarbeit von uns und unserem Partner OneFid in Prozess und Software – im sechsstelligen Bereich. Diese Werte gelten für das gesamte Technologie-Set-up von Shoepassion ID.

Es wird ein 3D-Scanner benötigt, eine entsprechende CAD-Software, eine CAD-gesteuerte Fräsmaschine zur Leistenherstellung und ein CAD-gesteuerter Schneidetisch zur passgenauen Herstellung der Lederausschnitte.

Bei welcher Größenordnung, kann man von Amortisation der Investition sprechen?

Shoepassion ID stellt für uns eine Plattformtechnologie dar, auf der wir eine Vielzahl von Anwendungen anbieten, wie z. B. die Schuhgrößenempfehlung online und auch in den Stores, den digitalen Maßschuh oder in Zukunft auf passgenaue individuelle Einlagen. Wir gehen daher von einer Amortisation in ein bis zwei Jahren über alle aktuellen Anwendungen aus.

Welche Vorteile bringt der Digitale Maßschuh gegenüber der Jahrhundertealten Schuhmachermeister Methode mit sich?

Der digitale Maßschuh ist deutlich effizienter als es der Schuhmacher von Hand hinbekommen würde. Ein Scan dauert etwa 1 Minute, während die Messung von Hand bis zur einer halben Stunde dauern kann – dies gewährleistet übrigens dann noch immer nicht die benötigte Genauigkeit, die der Scan direkt liefert. Eine spätere Anpassung der Messdaten ist überflüssig, zudem bietet der Digitalscan deutlich mehr Messpunkte am Fuß, die von Hand nicht erfasst werden können. Der wesentliche Vorteil aber liegt darin, dass die digital erfassten und durch unsere Fachleute bearbeiteten Daten direkt für die computergesteuerte Leistenfertigung verwendet werden können. Dadurch fällt die Leistenfertigung von Hand weg, welche aufgrund der hohen Ungenauigkeit in der Regel mehrere Anpassungsschleifen benötigt bis der Leisten die Fußform ideal abbildet. Ebenfalls können die Schaftteile anhand des digitalen Leistenmodells skaliert und so perfekt passend ausgeschnitten werden. Durch die fehlenden Medienbrüche wird die Genauigkeit enorm erhöht, der Prozess schneller und die Kosten gesenkt. Dadurch ist es uns möglich einen Maßschuh im Bereich von 1.500€ für das erste Paar und etwa 1.000€ für jedes weitere Paar anzubieten, wenn die Leistenform erst einmal erfasst und produziert wurde. Bei der Maßschuhfertigung von Hand fallen bei vergleichbarer Qualität mehrere tausend Euro und etwa ein halbes Jahr Wartezeit an. Bei uns dauert der vollständige Prozess von der Vermessung bis zur Auslieferung des fertigen Paares in etwa halb so lang.

Machen Sie damit den klassischen Orthopädie Schuhmachern Konkurrenz?

Klares nein. Bei dem digitalen Maßschuh von Heinrich Dinkelacker handelt es sich nicht um einen orthopädischen Maßschuh. Orthopädieschuhmacher sind darauf spezialisiert auch medizinische Aspekte bei der Maßschuhfertigung zu berücksichtigen. Das klammern wir bewusst aus und konzentrieren uns rein auf Passform, Qualität und Ästhetik.

Wieviel teuerer ist ein digitaler Maßschuh für den Endverbraucher als ein herkömmlicher Schuh?

Der Mehrpreis des Maßschuhs liegt 1.000 € über dem Preis eines Dinkelacker-Kollektionsschuhs beim ersten Mal, da hier der Aufwand der Vermessung, der digitalen Leistenanpassung und Leistenfertigung mit einfließt. Ist der Leisten erst einmal gefertigt und der Kunde möchte ein weiteres Paar haben, zahlt er nur noch 500 € mehr als für einen normalen Kollektionsschuh. Der Mehrpreis entsteht hierbei durch den händischen Mehraufwand für die Einzelfertigung eines Maßschuhs.

Wie wurde der Maßschuhprozess mit dem Shoepassion Online Store kombiniert?

Hier nicht zu verwechseln mit der Integration von Shoepassion ID – ebenfalls entstanden in Zusammenarbeit mit OneFid greift das Tool auf alle Leistendaten aus dem Hause Shoepassion zurück. Der Kunde gibt seine Fußlänge und Fußbreite auf der Seite ein und erhält die für seinen Fuß passenden Modelle in der korrekten Schuhgröße angezeigt.

Welche weiteren Funktionen soll es in Zukunft geben – wird der Kunde irgendwann seinen Schuh zuhause im Wohnzimmer selbst vermessen können und ihn dann in Auftrag geben?

Grds. tst es denkbar, dass ein Kunde die Vermessung zuhause selbst per Smartphone vornimmt oder eine andere Person dies für ihn übernimmt. Mit einem entsprechenden Konfigurator könnte dann auch ein Maßschuh selbst konfiguriert werden. Da aber bei diesem Produkt ein hohes Beratungsbedürfnis besteht, gehen wir davon aus, dass unsere Kunden weiterhin die Fachberatung im Ladengeschäft in Anspruch nehmen werden.

Via Shoepassion ID arbeiten wir zudem daran, dass der Kunde zuküntig seine Füße nicht mehr per Stift und Lineal vermessen muss, sondern eine Fotovermessung per Smartphone erfolgen kann. Anhand dieser Daten wird im nächsten Schritt dann bereits eine korrekt Schuhgrößenempfehlung möglich sein.

Kann man mit diesem Digital Tool auch Retouren im Onlinehandel von herkömmlichen Schuhen reduzieren und was bedarf es dafür?

Ein klares Ja. Das war eine Triebfeder der Entwicklung von Shoepassion ID. Dadurch, dass der Kunde direkt die für seine Füße harmonierenden Leisten in den perfekt passenden Größen angezeigt bekommt, entfällt eine Auswahlbestellung. Das Online-Einkaufserlebnis von Schuhen wird dadurch revolutioniert, der Ärger mit Retouren wird für Kunde und Unternehmen gesenkt und der Umwelt danken wir es durch weniger anfallenden Verpackungsmüll. Was es dafür bedarf? Zum jetzigen Punkt allein die Bereitschaft des Kunden das Tool auch entsprechend häufig zu nutzen und ihm zu vertrauen.

Wie ist das Feedback der Männer die den Service bisher im Berliner Store in Anspruch genommen haben?

Sehr positiv. Bisher war jeder Kunde, der sich in unserem Berliner Store hat vermessen lassen, mehr als zufrieden mit dem Ergebnis.

Gibts schon Interesse von Frauen oder ist dort das Kauf- und Nutzungsverhältis zu Schuhen so grundsätzlich verschieden oder die Leidensfähigkeit ausgeprägter das der perfekt sitzende Schuh dort nicht so den Stellenwert hat gegenüber dem Modegrad?

Das Gros der Damen interessiert sich weit weniger für klassisches Handwerk. Hier wird die Kaufentscheidung eher vom Modegrad bestimmt, aber tatsächlich haben sich in den vergangenen Wochen die ersten drei Frauen bei uns gemeldet, die an einem Maßschuh interessiert sind.

Seinem Schlimmsten Feind wünscht man keine zu kleinen oder nicht passenden Schuhe, sind mit Eurer Software vergebliche Einlaufversuche und niemals so richtig passenden Schuhe endgültig passee – oder kann man bei Material und Sohlenauswahl immer noch Fehler mit schwerwiegenden Folgen für Komfort oder Tragedauer machen?

Das hängt tatsächlich hier auch sehr mit der Wahl von Material und Aufbau zusammen. Bei einer einfachen oder einer doppelten Laufsohle, wo der Schaft des Schuhs aus feinem Kalbsleder besteht, ist es so, dass der Kunde hineinschlüpft und direkt wie auf Wolken läuft. Wenn man sich aber für eine Dreifachsohle mit robustem Oberleder entscheidet, dann ist dieser Schuh natürlich ein wenig härter, aber das preisen die Schuhkenner hier gerne für die längere Haltbarkeit des Schuhs ein. 

Dinkelacker
Daniel Pokorzynski ist Geschäftsführer des Handelsformats Shoepassion und zeichnet sich für die Marke Heinrich Dinkelacker verantwortlich.

www.shoepassion.com www.heinrich-dinkelacker.de

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