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Das ist jetzt Vergangenheit

Das ist jetzt Vergangenheit

Jetzt ist genau die richtige Zeit, Entwicklungen und Eigenarten der Branche zu überdenken und den Fokus neu auszurichten. Was bleibt (hoffentlich) Vergangenheit? Das beantworten Händler und Branchenprofis.

Text: Stefanie Buchacher. Illustrationen: Claudia Meitert@Caroline Seidler

Zu viel Ware, zu frühe Auslieferungen Anneliese Reiter, Inhaberin von Frauenzimmer

Während des Lockdowns hat sich ein Bewusstsein für Regionalität und Qualität der Produkte breitgemacht. Viele unserer Kunden machen sich nun Gedanken darüber, ob sie ihr Objekt der Begierde vor Ort erhalten können, bevor sie den Warenkorb eines großen Onlineriesen anklicken.

Was hoffentlich Vergangenheit bleibt: Zu viel Ware, zu frühe Auslieferungen und vielleicht schaffen wir es alle zusammen, mit diesen Rabattschlachten aufzuhören, was sich selbstverständlich ergeben würde, wenn weniger Ware am Markt wäre.

Wendepunkt der Hyperglobalisierung Dominic Fellinger, Inhaber Fellinger Moden

Ich hoffe, dass dieser Zeitpunkt ein Wendepunkt der Hyperglobalisierung ist. Viele Dinge müssen sich ändern. Viele Hebel können nicht (nur) vom Handel getätigt werden, sondern viel mehr von der Industrie. Vergangenheit sollten Lieferrhythmen sein, die nicht im Einklang mit den Jahreszeiten sind. In Hinsicht auf diese Situation haben wir unser Limit schon vor Saisons geändert. Ich weigere mich, Produktgruppen oder Marken zu kaufen, die zum großen Teil reduziert verkauft werden, wie z. B. dicke Winterjacken. Wirklich Vergangenheit sollte der Onlinehandel mit kostenlosem Versand und Retouren sein und dass es dem Kunden nicht so leicht gemacht wird, unendlich viel Ware gratis zu bestellen und auch noch gratis zurückzuschicken. Und wovon wir auch wegkommen sollten, ist die Geringschätzung von Wert. Wertigkeit soll wieder mehr wert sein.

Verrückte Rhythmen, große Abnahmemengen Jule Ehrenreich, Inhaberin Lautenschlager

Wir freuen uns darauf, wenn das unbeschwerte Shoppen in unseren Store zurückkehrt und wir unsere Kunden mit einer Umarmung oder einem Glaslerl Sekt oder Kaffee begrüßen dürfen. Unabhängig davon wäre es jetzt an der Zeit, etwas zu ändern. Vergangenheit sollen beispielsweise verfrühte Oder- und Liefertermine oder zu hohe Abnahmemengen sein: Wenn sich alles mehr den aktuellen Saisonen anpassen würde und nicht schon im Januar die kurzen Hosen oder im August die Mäntel herein flattern. Oder dass bei manchen Firmen die Abnahmemengen ein bisschen herunter geschraubt werden – gerade wenn 8er oder 12er Lots vorgegeben sind, ist das für uns sehr viel auf der Fläche.

Verfrühte Rabattaktionen ade Kirsten Esser und Anke Kemp, Inhaberinnen Dein Lieblingsladen

Corona hat einen Perspektivenwechsel angestoßen. Ziel sollte sein, Lieferzeiten anzupassen, um der steigenden Nachfrage nach Ready to wear-Mode gerecht zu werden, so dass auch verfrühte Rabattaktionen der Vergangenheit angehören. Statt der Globalisierung sollten europäische Geschäftsbeziehungen intensiviert und internationale Versandwege überdacht werden, denn die Konsequenzen für die eingeschränkten Lieferketten und Warenverfügbarkeiten waren für Händler und Kunden spürbar. Wir wünschen uns, dass der Wettbewerb unter den Händlern aufhört und unabhängig davon der Zusammenhalt gestärkt wird (Stichwort #supportyourlocals). Am Ende erfreut sich der Kunde an einem Stadtbild mit kleinen, individuellen Geschäften. Statt bei Onlineriesen kauft er gerne bei engagierten Händlern.

Weniger Wettbewerb, mehr Miteinander Meta Pesch, Inhaberin Agentur Pesch

Was ich hoffe, was danach der Vergangenheit angehört? Konkurrenzdenken. Ich würde mir so sehr wünschen, dass wir durch Corona gelernt haben, dass wir nur gemeinsam stark sein können oder gemeinsam noch viel stärker werden. Ich fand es so wunderschön, zu sehen, wie in meiner WhatsApp-Gruppe einer dem anderen geholfen hat und sich alle gegenseitig mit Tipps und Infos versorgt und sich gegenseitig motiviert haben. Selbst dann, wenn sie echte Wettbewerber um die gleichen Endverbraucher sind! Ich selbst liebe diesen Community-Gedanken und versuche, ihn – wo immer es geht – zu leben. Das war für mich einer der positiven Nebenaspekte von Corona. Das Miteinander, der Austausch, das tiefe Verständnis und Mitgefühl für einander.

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