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LSTNR | Data for Good

LSTNR | Data for Good

The Listener | style in progress

Hakan Temür von LSTNR skizziert die Absurdität des Ist-Zustands daran, dass man als Kunde heute die eigenen Daten von Plattformen zurückkaufen muss, um seine Community zu erreichen. Der Ansatz, die eigenen Daten allen zugänglich zu machen und zu teilen, um Transparenz zu schaffen und effizienter und nachhaltiger zu werden, war die grundlegende Motivation für sein Retailinnovation Hub LSTNR.

Text: Isabel Faiss. Fotos: LSTNR

Was waren und sind die tiefen Treiber für dich, die Gesetzmäßigkeiten des Retails radikal zu hinterfragen, und was setzt ihr mit LSTNR um?

Nach 25 Jahren Erfahrung im B2B Brandmanagement für Fashion- und Lifestylemarken und zehn Jahren im B2C Retailbereich, habe ich 2019 entschieden, beide Know-hows zu verzahnen und als Commerce- und Experience-Space neu auszurichten. Anfang 2020 wollten wir dafür ein digitales Framework an den Markt bringen, das uns erlaubt, alles messbar zu machen, was heute technologisch und datenschutzkonform möglich ist, gekoppelt an innovative Dienstleistungen. Grunddisziplin dieser Dienstleistungen ist Retail as a Service. Dann kam die Pandemie und wir konnten nicht wie geplant öffnen. Daher haben wir das Framework im Plug-and-Play-Prinzip in unserem existierenden Conceptstore The Listener in Frankfurt umgesetzt, um einen konzeptionellen Beweis zu schaffen. Dafür haben wir verschiedene Bereiche definiert, um diese Technologien zu testen, damit unsere Partner ihre Ware und ihre Abverkaufs Leistung in Echtzeit managen und mit uns interagieren können.

Welche Rolle spielt ihr dabei?

Wir stellen als Dienstleister die Fläche, unsere Community, unsere professionellen Berater als Storyteller und unsere Zusatzleistungen zur Verfügung. Zusätzlich dazu testen und entwickeln wir permanent verschiedene Experience-Themen vom Live Broadcasting, über Content-Erstellung, bis hin zu möglichen Gamification-Ansätzen mit VR- und AR-Experiences. Dafür beobachten wir immer auch, was es an bestehenden digitalen Lösungen bereits im Markt gibt, die für den Handel prädestiniert wären, um digital interagieren zu können. Wir entwickeln nicht alles intern, sondern aktivieren die entsprechenden spezialisierten Partner, bringen sie zusammen und präsentieren sie bei uns. Unser Ziel ist es, unseren eigenen Store auf die nächste Stufe zu heben und auch andere Marken einzuladen, in diesem Space ihre Prototypen zu testen und Dinge einfach mal auszuprobieren – immer hocheffizient messbar.

Deine These ist, dass in Zukunft kein Händler mehr Inventory besitzen wird. Wie funktioniert Handel dann?

Die Zukunft des Retails liegt nicht mehr darin, Ware einzukaufen. Davon sind wir überzeugt. Es ist heute schon teilweise Realität, dass Onlinestores nur noch Konzessionsware anbieten. Das bedeutet, dass die Plattform zwar für die Verkäufe weniger Marge bekommt, ihre Community zur Verfügung stellt und die Ware Eigentum der Marken bleibt, aber somit das Stockrisiko minimiert wird. Das wird sich durchsetzen, denn die Marken wollen den direkten Zugang zum Konsumenten. Und die Technologie ermöglicht ihnen das. Daher ist es entscheidend, welche Community ein Händler um sich herum aufbaut, denn diese Community ist das Asset für die Marken, welches sie über den Partner erreichen möchten. Am liebsten würden Marken die Kunden auf ihre eigene Plattform ziehen, also das Direct-to-Consumer-Modell. Händler wie wir sind also eine Art Aktivator, um Marken diesen Zugang zu schaffen und unsere Community zu teilen. Dann ist aber die Frage, welche Relevanz Partner noch haben, wenn Communitys ausgeschöpft sind. Was passiert danach? Müssen wir dann immer neue Marken akquirieren, um mit ihnen unsere Communitys zu teilen? Das Thema ist extrem komplex und es gibt noch keine Blaupause. Listener ist das Labor, in dem wir unterschiedliche Themen dieses neuen Ökosystems prüfen, um unsere Erkenntnisse im Markt weiterzugeben.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Wir wollen den beschriebenen Framework größer und erlebbarer machen, indem wir die Themen Hospitality, Mental Health, Future Foods und alles zu urbanen Trends wie Urban Living und Mobility in Zusammenhang mit einem Studio für Content Creation, Broadcasting und einer Bühne präsentieren. Auf dieser Bühne werden verschiedene Marken neu aufgesetzt und wir bringen sie entsprechend in Echtzeit messbar mit unseren Kunden zusammen. Neue Flächen müssen Experience-Flächen sein, denn die Monetisierungsoptionen für den Händler werden nicht mehr wie bisher das Provisions- und Margengeschäft sein. In der Zukunft wird daraus ein Servicepaket, bestehend aus Dienstleistungen wie Flächenvermietung, Abonnements, Zusatzleistungen, Software oder die Bereitstellung von Personal. Es gibt bereits gute Konzepte wie Showfields in New York, Blaenk in Köln, Vaund in Hannover oder The Latest in Berlin. Das sind unterschiedliche Player in vereinzelten Fokusfeldern und alle vereint das Modell Retail as a Service. Aber ohne Technologie, die richtige Software und das entsprechende Mindset ist es unmöglich all die Zukunftsthemen des Handels spielen zu können. Das Ziel ist immer, am Ende einen belastbaren Proof of Concept zu haben und aus dem Raum des Listeners heraus einen Ansatz multiplizieren zu können. Unser digitales Framework ermöglicht alles, egal ob man ein Display ansteckt, eine Sensorikbox oder ein Gaming-Tool. Unser Konzept lässt sich überall aufsetzen, egal ob auf einer Messe, in einem Pop-up-Store oder einem Zelt. Mit Listener sind wir sozusagen an die Front gegangen, haben die ersten Voraussetzungen geschaffen, gemeinsam neue Lösungen zu generieren, indem wir Musterprojekte ausarbeiten, die wir transparent unserer Community zur Verfügung stellen.

Stichwort Gamification. Wohin entwickelt sich diese Thematik deiner Meinung nach?

Für mich geht der Weg in die Richtung, ein ganzes Paket bestehend aus Digital Design, Virtual Showroom, Smart Supply on Demand, die digitale Nachverfolgbarkeit und maximale Transparenz aller Protagonisten als digitales Qualitätssiegel für Marken, Händler und Produkte zu schnüren. Die Zukunft misst sich in einer digitalen Währung, alles wird digital, denn alles hat heute einen digitalen Fußabdruck. Dafür müssen wir die gesamte Wertschöpfungskette von Produkten und Dienstleistungen so transparent machen, dass diese Transparenz auch in der dazugehörigen Community zu einer Art Scoring führen kann.

The Listener | style in progress
„Game over old retail, welcome new world,” titelte eine Schaufensteraktion bei The Listener als Querverweis auf die neue Ausrichtung.
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