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Alberto Lovisetto/Moncler | Der Informationsinkubator

Alberto Lovisetto/Moncler | Der Informationsinkubator

Als einer der ersten 3D-Designer weltweit legte Alberto Lovisetto Hand an das heiligste Gut der Mode: die Haute Couture. Als der Experte für digitales Design von Sportswear und Luxusmode zuletzt dabei half, Teile der Genius-Kollektion von Moncler virtuell umzusetzen, ging ein Raunen durch die Branche. Dieses Prestigeprojekt stieß auf die globale Pandemie und plötzlich kam so viel Schwung in das Thema Digitalisierung, dass Alberto Lovisetto zum Shootingstar der Szene wurde.

Interview: Isabel Faiss. Fotos: Moncler, Alberto Lovisetto

Er sieht das ganz pragmatisch. Digitales Modedesign hat eine Prämisse: Klarheit schaffen, und zwar für alle Beteiligten des Kollektionsentstehungsprozesses. Als Alberto Lovisetto vor fünf Jahren mit Clos3D startete, hatte das nur Vorteile, die auf der Hand lagen: Es gab keine ungeklärten Fragen mehr zu Detaillösungen. Seit zwei Jahren ist er der verantwortliche 3D-Projekt-Koordinator bei Moncler und beobachtet, wie die Digitalisierung Fahrt aufnimmt. Während der Corona-Pandemie gewann er den globalen Clos3D Designwettbewerb, den KTTA Award 2020. Erfolge wie diese schaffen Öffentlichkeit und belohnen digitales Design mit der Aufmerksamkeit, die es alleine aus wirtschaftlicher Sicht verdient.

Vor zwei Jahren begannen Sie Ihre Arbeit bei Moncler. Inzwischen ist Clos3D dort zum Standard geworden. Wie war das in so kurzer Zeit möglich?

Durch die Pandemie ist die Nachfrage nach digitalen Lösungen exponentiell gestiegen. Plötzlich scheint jeder zu verstehen, was das Potenzial von 3D ist, denn die vielen Vorteile sind eindeutig: Man sieht den Prototypen als fertiges Produkt mit den entsprechenden Proportionen und in allen Farbvarianten.

Als Pionier des 3D-Designs haben Sie Teile der Genius Haute Couture von Moncler digital umgesetzt. Ein Meilenstein?

Definitiv. Und eine große Herausforderung. Es war Pionierarbeit, die Möglichkeiten des 3D-Designs mit der Handwerkskunst und den Gesetzmäßigkeiten der traditionellen Haute Couture zu verschmelzen. Ein völliges Neuland für alle. Vor allem für die Schnittdirektricen war es eine unschätzbare Hilfe, durch die virtuelle Ansicht genau zu sehen, an welcher Stelle welches Muster sitzen muss. Ich hoffe, dass die Entscheidungsträger in der Modebranche möglichst bald verstehen, dass 3D als Tool eine sinnvolle Unterstützung ist und kein Staatsfeind Nummer eins. Hier stehen wir aber noch ganz am Anfang.

Der Ritterschlag für digitales Modedesign: Alberto Lovisetto half dabei, mit digitalem 3D-Design die Haute-Couture-Kollektion von Moncler zu entwickeln.

Verteidigt Italien auch im 3D-Design seine führende Position in der Modewelt?

Bis jetzt ist das Thema und all die Vorteile, die es bringen wird, in der italienischen Modebranche noch nicht vollständig antizipiert. Vor allem die Akzeptanz, dass 3D eine sinnvolle Unterstützung und keine Konkurrenz ist. Wenn es gelingt, digitale Designtools in den traditionellen Kollektionsentstehungsprozess zu integrieren, bringt es enorme Vorteile hinsichtlich Timing und Lead Times, weil es realistische Modelle innerhalb von wenigen Stunden schafft, was interne und externe Kosten spart und Ressourcen schont. Das ultimative Buzzword ist Klarheit. Virtuelle dreidimensionale Samples liefern ein unübertreffbares Maß an detaillierten Informationen für alle Abteilungen und Personen, die am Kollektionsentstehungsprozess beteiligt sind. Die digitale Darstellung ist eine Simulation der Wirklichkeit, denn sie hat die richtige Ästhetik, Schnitt, Proportion, Farbe und Muster. Davon profitiert jeder, auch das Marketing und der Handel für Visual Merchandising oder PoS-Aktionen. 3D ist ein sehr starkes Tool mit Optimierungspotenzial für alle Business-Functions. Für mich ist das unglaublich. Ein weiterer Mehrwert liegt darin, dass virtuelles Design die Distanz zwischen dem Designer und dem Konsumenten auf ein Minimum reduziert. Denn im Idealfall hat der Avatar, auf dem man etwas modelliert, der des Kunden.

Wie wird das Zusammenspiel von digitalen und analogen Designprozessen in Zukunft ablaufen?

Ich würde allen raten, mehr in die Digitalisierung zu investieren, sodass 3D-Design in der Modewelt zum Standard wird. Wenn die 3D-Software in die PLM unserer Zulieferer integriert wird, spart das sehr viel Zeit und Abstimmungsrunden. Das Unternehmen der Zukunft wird auf einem geschlossenen Warensystem basieren, das digital getrieben ist. 3D wird zum Informationsinkubator für die gesamte Branche. Im Moment steigt das Bewusstsein dafür exponentiell an. 2030 wird sich die Durchdringung mit Digitalisierung in unserer Branche meiner Meinung nach verdreifacht haben.

www.moncler.com

Alberto Lovisettos Covid-19-Outfits gewannen den globalen 3D-Designwettbewerb KTTA Award 2020.
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